Die Lösephase – Wie?

Beginnen wir mit den aufgeregten, schreckhaften, überreagierenden Typen, die runterfahren müssen, um zuhören und loslassen zu können.

Zuallererst ist wichtig, dass du den Zustand eines solchen Pferdes nicht übernimmst.
Beobachte, wie du in so einer Situation atmest:
vielleicht sehr flach und nur oben in der Brust?
Hältst du vermehrt die Luft an?
Hast du eine hohe Atemfrequenz?

Übe ganz bewusst, ruhig und tief zu atmen.
Zähle beim Ein- und Ausatmen mit, damit Ein- und Ausatmen immer gleich lang dauern.
Atme in den unteren Rücken und den Bauch ein, und atme aus dem unteren Rücken und Bauch auch wieder aus.
Atme durch die Nase ein und durch den Mund wieder aus.

Nimm auch wahr, ob du in solch einer Situation destruktives Kopfkino bekommst:
Siehst du vor deinem inneren Auge schon, was als Nächstes garantiert schief gehen wird?

Übe ganz bewusst, ein positives inneres Bild zu haben.
Dein Pferd ist ruhig und aufmerksam bei dir, geht gelassen in dem Tempo, was du anstrebst, reagiert fein und weich auf deine Hilfen, lässt sich fallen, lässt im Rücken los und atmet selber auch tief, ruhig und gleichmäßig.

Merke:
Je schwerer es dir fällt, Atmung und / oder Kopfkino positiv zu beeinflussen, umso wichtiger ist es, dass du daran arbeitest und es dir zur Normalität werden lässt!

Vielen aufgeregten Pferden hilft es außerdem, mit Berührungen zu arbeiten, also beispielsweise ruhiges Streicheln (mit der Hand oder auch mit der Gerte / Peitsche) an verschiedenen Stellen des Körpers, oder auch die Arbeit mit den Körperbandagen nach Linda Tellington-Jones.
Sie kommen oft besser runter, wenn wir einen relativ engen Rahmen vorgeben, was die Anforderungen angeht. D.h. geduldig darauf beharren, dass ein bestimmtes (oft ruhigeres) Tempo gegangen wird, eine Linie eingehalten und nicht angehalten wird.
Bei der Bodenarbeit empfiehlt es sich, beim Longieren wenig Abstand zu haben oder gar zu führen, anstatt das Pferd 10 Meter vom Menschen entfernt aufgeregt herumdüsen zu lassen.

Aufgeregte Pferde lieber nicht oder nur kurz anhalten, sondern mehr darauf achten, dass sie einen gleichmäßigen, ruhigen Schritt gehen. Übergänge, wenn überhaupt, nur sehr auslaufend und nicht prompt anlegen.

Das andere Extrem sind dann die zu trägen Typen, die wenig oder sehr langsam reagieren und deswegen ein konstruktives Arbeiten schwer machen.

Auch in diesem Fall ist unser eigener Zustand wieder wichtig (Seien wir ehrlich, wann ist er es nicht…), denn diese Pferde brauchen uns freundlich, geduldig, motivierend und liebevoll.
Und auch hier gilt: Je schwerer uns das fällt, umso wichtiger ist es!

Da wir solche Pferde eher hoch- als runterfahren müssen, sind hier in der Regel viele Wechsel in den Anforderungen der Weg zum Ziel.
D.h. viele Übergänge, viele Linienwechsel, später auch Schenkelweichen dazu.
Das Ganze gern gespickt mit immer mal wieder kurzen spielerischen Sequenzen, in denen einfache Dinge, die das Pferd gern tut, abgefragt werden (am Boden beispielsweise Körpertargets, Arbeit mit einer einzelnen Bodenstange, Apportieren oder Ähnlichem).

Da es darum geht, Aufmerksamkeit, Reaktivität und Energie des Pferdes hochzufahren, ist die Qualität der Ausführung erstmal noch nicht so wichtig, sondern der Fokus liegt auf ständigen Wechseln.
Das Qualitätskriterium kommt erst hinzu, wenn wir realistisch in eine Arbeitsphase kommen, bei welcher das Pferd gut in einem arbeitsfähigen Zustand ist.