Du sitzt im Sattel, das Herz schlägt dir bis zum Hals, deine Hände sind feucht, dein Körper ist wie gelähmt und du wartest nur darauf, dass gleich etwas passiert.
Diese physischen Reaktionen deines Körpers und deine Handlungsunfähigkeit merkt dein Pferd natürlich und reagiert darauf – ein negativer Teufelskreis entsteht.
Was tun?
Dass du diesen Blogbeitrag liest, zeigt, dass das Reiten aufgeben für dich keine Option ist, sondern du eine Lösung finden möchtest. Das ist an sich schon mutig, denn mit Angst möchte dein Körper dich beschützen.
Versuche also, deine Angst als berechtigte Reaktion deines Körpers zunächst einmal zu akzeptieren. Es mag sein, dass andere Reiter in der gleichen Situation keine Angst haben – das macht deine Angst oder dich aber nicht ‚dumm‘.
Raus aus der Angst – Rein ins Handeln
Angst kommt auf, wenn wir das Gefühl haben, eine Situation nicht mehr beeinflussen oder kontrollieren können. Das kann durchaus bereits beim Schrittreiten der Fall sein, wenn das Pferd nicht auf unsere Hilfen reagiert, stark unter Spannung steht oder wir das Pferd überhaupt nicht kennen und nicht wissen, mit welchen Reaktionen zu rechnen ist.
Deswegen können wir der Angst ihre Macht nehmen und sie langsam kleiner werden lassen, in dem wir Stück für Stück wieder ins Handeln kommen und die Kontrolle zurückgewinnen. Denn mit dem Können sinkt die Angst. Du bekommst Vertrauen in deine eigenen Fähigkeiten und bist auch schwierigeren oder unbekannten Situationen nicht mehr hilflos ausgeliefert.
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Positive Erfahrungen sammeln
Eine meiner Kundinnen hat das einmal sehr eindrücklich erlebt:
Auf ihren eigenen Wunsch hin ist sie, als ängstliche Reiterin, unter meiner Aufsicht ein ihr unbekanntes Pferd geritten. Das erste Mal seit Jahren ein Pferd, welches nicht das eigene war.
Mit klopfendem Herzen steigt sie auf – und kann innerhalb der ersten zehn Meter klar benennen, was diesem Pferd für die Geraderichtung fehlte.
Innerhalb der nächsten Minuten stellt sie fest, dass sie auch bei dem unbekannten Pferd mithilfe ihres Sitzes die Schiefe positiv beeinflussen kann, genau wie bei ihrem eigenen. Das Pferd reagiert auf die verbesserte Balance mit mehr innerer Ruhe und einem losgelassenen Rücken.
Sie sagt: ‚Wenn ich das hinbekomme, ist er mit seiner Aufmerksamkeit voll bei mir und ich fühle mich komplett sicher.‘
Was für eine tolle Erfahrung!
Natürlich ist damit ihre Angst nicht einfach weg, aber je öfter sie solche Erfahrungen macht, desto selbstsicherer wird sie sich auf fremden Pferden fühlen.
Was braucht es für dich, um auch so mit der Angst umgehen zu können?
Eine gut durchdachte Vorbereitung.
Meine Kundin hat sich nicht einfach so auf irgendein Pferd gesetzt. Wir haben ein Pferd in ähnlicher Größe ausgewählt, von dem keine kopflosen oder gefährlichen Reaktionen zu erwarten waren und welches ähnliche körperliche Probleme hat wie ihr eigenes.
Für ihr Sicherheitsgefühl habe ich sie zunächst geführt und sie konnte jederzeit bestimmen, ob sie geführt, longiert werden oder frei weiter reiten möchte.
Um trotz Angst wieder handlungsfähig zu werden, spring nicht einfach ins kalte Wasser. Geh nicht mit Hoffen und Beten oder ‚Augen zu und durch‘ an Situationen, die deine Angst verstärken oder tatsächlich unschön ausgehen könnten.
Wähle Situationen aus, denen du dich gewachsen fühlst oder die nur ein kleines Stück außerhalb deiner Komfortzone liegen.
Es ist absolut legitim, gewisse Situationen erstmal zu vermeiden und auch abzusteigen, wenn du dich dadurch sicherer fühlst!
Sicherheit vor Mut.
Fokus auf das, was du tun KANNST.
Aus der Vorbereitung ergibt sich, dass die Situation an sich für dich händelbar bleibt.
Die Kundin aus meinem Beispiel hatte ein Pferd unter dem Sattel, was mehr oder weniger genau das brauchte, was sie zuletzt mit ihrem Pferd geübt hatte. Sie musste nicht mehr oder anders reagieren als sonst, sondern es ‚nur‘ (das ist schwer genug!) schaffen, auf die Fähigkeiten zuzugreifen, die sie bereits hatte.
Das Wichtigste im Umgang mit Angst ist es, in kleinen Schritten wieder ins Tun zu kommen. Statt wie gelähmt zu sein wieder handlungsfähig zu werden.
Es geht also nicht darum, das Pferd schnell wieder voll unter Kontrolle zu bekommen, sondern wieder Herr des eigenen Körpers zu werden. Darauf reagiert auch das Pferd!
Konzentriere du dich also erstmal nur auf EINE Sache, die du tun kannst, um deinen eigenen Zustand positiv zu beeinflussen und dadurch den negativen Teufelskreis, in den du mit dem Pferd kommst, zu durchbrechen.
Am besten ist hier zuallererst der Fokus auf deine Atmung, denn über die Steuerung deiner Atmung kannst du dein gesamtes Nervensystem regulieren. Du solltest also ein Bild oder eine Übung zur Hand haben, mit der deine Atmung wieder tiefer, ruhiger und gleichmäßiger wird. Du kannst deine Atemzüge zählen oder bewusst in den unteren Bauch ein- und durch die Beine Richtung Boden ausatmen. Nimm dir Zeit, ein oder zwei für dich passende Übungen zu finden und die auch außerhalb des Sattels oder in entspannten Situationen zu üben. Dann sind sie auch unter Stress besser abrufbar.
Sinnvoll ist auch der Fokus auf Bilder oder Anweisungen, die dich im Sitz wieder stabiler werden lassen. Das ist unbedingt auch Aufgabe des Reitunterrichts. Wenn du dort also bisher keine Unterstützung erfahren hast, stell sicher, dass deine Reitlehrerin erstens weiß, dass und wann du Angst hast und zweitens mit dir gemeinsam umsetzbare Strategien entwickelt, um Stück für Stück den Weg aus der Angst zu gehen.
Angst ist nicht das Ende vom Lied.
Angst kann der Beginn von mehr Kompetenz sein.
Jede Situation, die du durch bewusstes Agieren meisterst, macht dich sicherer für die Zukunft.
Warte nicht, bis die Angst verschwindet, sondern geh kleine Schritte und sie wird Stück für Stück weniger.
Willst du noch mehr für dich und dein Pferd lernen?
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