So findest du das richtige Pensum für dein altes Pferd

Früher oder später kommt jeder Pferdebesitzer an diesen Punkt, an dem er der Tatsache ins Auge blicken muss: Mein Pferd wird alt. 

Vielleicht sind es die ersten weißen Haare am Kopf, etwas weniger Beweglichkeit an kalt-feuchten Tagen, Futter- oder Muskelzustand sind nicht mehr ganz so einfach zu erhalten oder auch erstmal nur der Fakt, dass das Alter deines Pferdes jetzt mit einer 2 beginnt.

In jedem Fall wird dir bewusst, dass sich in den nächsten Jahren einiges für euch ändern könnte und wird. Dein Pferd wird nicht für immer alles leisten können, gleichzeitig möchtest du aber auch dafür sorgen, dass es so lange wie möglich fit und gesund bleibt.

Das Pensum entsprechend anzupassen, ist anfangs nicht unbedingt einfach. Deswegen findest du in diesem Artikel eine Orientierung, die dir diesen Übergang erleichtert.

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Wann ist mein Pferd alt?

Wirklich ‚alt‘ ist ein Pferd eigentlich erst, wenn sein Körper trotz passenden Trainings und angepasster Haltung und Fütterung nur noch schwer auf einem Niveau zu halten ist bzw. bei gleichem Pensum abbaut, obwohl es an sich gesund ist.

Das ist aus meiner Erfahrung heraus nicht vor 26 oder 27 Jahren der Fall. Bis dahin kann man die meisten Pferde noch normal arbeiten, d.h. Gleichgewicht und Qualität der Bewegung nochmal deutlich verbessern und auch deutlich Muskulatur aufbauen. Auch bei Befunden wie Arthrosen, Atemwegserkrankungen oder fehlenden Zähnen.
Hat ein Pferd in seinem Leben hohen Verschleiß erfahren – was nicht nur von den Anforderungen, sondern auch von seinem Typ abhängig ist –, kann es durchaus sein, dass dieser Punkt schon deutlich eher erreicht ist. In der Regel hat es dann auch bereits eine lange Liste an chronischen oder wiederkehrenden Befunden.

Wann und was muss ich anpassen?

Hast du nun ein Pferd, welches sich an diesem Punkt befindet, dann gilt in der täglichen Arbeit grundsätzlich erst einmal dasselbe wie bei allen anderen Pferd auch, nämlich: Herausfinden, wie der heutige Zustand ist, das Pferd dort abholen und dann langsam herantasten, wie weit die Anforderungen sich steigern lassen, ohne dass dein Pferd überfordert wird.

Behalte es dabei unbedingt auch am folgenden Tag im Blick. Selbst wenn es am gleichen Tag keine Anzeichen von Überforderung zeigt, am nächsten Tag aber steifer, abgelenkter oder auch sonst ‚weniger es selbst‘ ist, können diese Reaktionen ein Zeichen für Überforderung sein, die du unbedingt ernst nehmen solltest.

Habe außerdem immer auch ein Auge auf den Blick deines Pferdes: Ein ruhiges, waches und weiches Auge ist ein gutes Zeichen. Sollte der Blick irgendwann starrer, härter oder zurückgezogener werden, kann es nötig sein, das Pensum wieder anzupassen (es kann auch sein, dass dein Pferd Schmerzen hat, insbesondere bei sehr abrupten und deutlichen Änderungen!).

Mit aufmerksamer Beobachtung und etwas Probieren findest du so das passende Pensum, ohne Gefahr zu laufen, deinem Pferd blind das abzuverlangen, was im letzten Jahr noch problemlos möglich war, es jetzt vielleicht aber nicht mehr leisten kann.

Am besten lässt du dein Pferd regelmäßig vom Osteopathen deines Vertrauens durchchecken, der dich darauf hinweist, wenn du die Anforderungen anpassen musst.

So kannst du das Pensum anpassen:

  • Mehr Pausen innerhalb einer Einheiten, d.h. öfter oder länger Bewegung am langen oder hingegebenen Zügel, ggf. auch Pausen im Stand
  • Kraftarbeit innerhalb einer Einheit reduzieren, d.h. weniger Übergänge und Lektionen üben
  • Arbeitsphase innerhalb einer Einheit verkürzen
  • Schrittstrecken auf Ausritten absteigen und führen
  • Weniger Tage pro Woche reiten, dafür aber am Boden bewegen

Beim Longieren beispielsweise bewegt sich dein Pferd dennoch genauso viel, aber mit weniger Belastung.

Reiten ist auch mit alten Pferden möglich, so lange sie dafür tragfähig genug sind. Osteopath und Trainer sollten hier im Zweifelsfall klare Aussagen treffen können!
Mögliche Anzeichen schwindender Tragfähigkeit können sein:

  • Dein Pferd verliert Muskulatur und sieht kantiger aus.
  • Dein Pferd bewegt sich unter dem Sattel holperiger oder steifer, beginnt, zu stolpern oder fühlt sich instabiler an als du es von ihm gewöhnt bist.

Achtung: Geschwindigkeit ist KEIN Zeichen für Fitness!

In der Regel ist das Gegenteil der Fall. Wird ein Pferd unter dem Sattel immer deutlich schneller als ohne Reiter, deutet das auf mangelnde Balance und Kraft hin. Es rennt also regelrecht seinem Gleichgewicht hinterher. Anstatt die Schlussfolgerung zu ziehen, es würde sich ja noch gern bewegen, solltest du das Training auf Bodenarbeit verlegen.

Regeneration als wichtiger Trainingsbestandteil

Zum Erhalt von Fitness und Gesundheit gehört auch die Regeneration, weswegen es wichtig ist, auch die Haltungsbedingungen im Blick zu behalten.

Die Anforderungen eines Pferdes können sich mit zunehmendem Alter durchaus ändern. Pferde sollten immer ausreichend Platz und Ruhe haben, um dösen und schlafen zu können.

Angeschlagene Fessel-, Karpal- und / oder Sprunggelenke sind immer ein Zeichen, dass hier Anpassungsbedarf besteht: sei es, dass die Liegefläche dicker eingestreut werden muss, weil sich ein älteres Pferd im Ablegen nicht mehr so gut abfangen kann oder aber, dass andere Pferde zu viel Unruhe verbreiten, das Pferd sich zu wenig ablegen kann und dadurch eine sogenannte Pseudonarkolepsie entwickelt – also im Stand einschläft und dann hinfällt.

Insbesondere als Pensionspferdehalter, der auf die Zusammenstellung einer Herde in der Regel keinen Einfluss hat, kann es nötig sein, das älter werdende Pferd in eine ruhigere Herde umzustellen. Ein guter Stallbetreiber wird immer versuchen, im Rahmen seiner Möglichkeiten für jedes Pferd die passende Gruppe zu finden und gleichzeitig ständige Wechsel zu vermeiden.

Eine andere Möglichkeit wäre es, das Pferd täglich für mehrere Stunden in ein eigenes Abteil mit Unterstand, Fressmöglichkeit und vor allem Liegefläche abzutrennen, damit es dort zur Ruhe kommen kann.

Ein weiterer Punkt ist die Fütterung.

Mit zunehmendem Alter kann ein leichtfuttriges Pferd durchaus schwerfuttriger werden und benötigt dann entweder mehr Zugang zu Raufutter oder aber regelmäßiges Zufüttern. Verlass dich also nicht darauf, dass du dein Pferd inzwischen 18 Jahre lang kennst und weißt, wie es tickt, sondern bleib offen dafür, dass sich seine Bedürfnisse immer wieder ändern können.

Ziel des Trainings beim älteren Pferd

Im Laufe eines Pferdelebens ändert sich die Aufgabe des Trainings immer wieder:
Das junge Pferd wird an alles, was ihn in seinem Leben erwartet, gewöhnt und systematisch dafür vorbereitet und gekräftigt.

Im Laufe der weiteren Ausbildung werden die Ansprüche insbesondere an seinen Körper zunehmend gesteigert und sich je nach Vermögen des Pferdes und Zielen des Reiters auf bestimmte Disziplinen spezialisiert.

Mit einem älteren Pferd bewegen wir uns – auch wenn es durchaus noch 5 oder 10 Lebensjahre vor sich haben kann – nun auf das Ende dieses Zyklus zu. Der Fokus im Training liegt daher immer weniger auf einem Lernen, Vorankommen oder sonstigen Steigern der Anforderung, sondern vorrangig auf der Erhaltung seiner Fähigkeiten, insbesondere Kraft und Ausdauer. Das bedeutet nun nicht, dass ältere Pferde nichts mehr lernen können, aber übermäßiger Ehrgeiz ist hier definitiv nicht mehr angebracht.

Wie bei uns Menschen halten Bewegung und sportliche Betätigung auch Pferde länger fit und gesund.
Auch wenn du deine Ansprüche entsprechend der Möglichkeiten deines Pferdes also irgendwann zunehmend herunterfahren musst, solltet ihr dennoch weiterhin etwas tun.

Die eigenen Bedürfnisse zugunsten der Gesundheit des Pferdes zurückzustellen sind wir den Pferden als lebenden Wesen ohnehin bis zum Schluss schuldig.

Gibt es zu wenig Training?

Ältere und alte Pferde bauen in Trainingspausen in der Regel zunehmend schneller ab und brauchen deutlich länger, um dann wieder aufzubauen. Daher ist es übrigens sinnvoll, die Ausrüstung, inbesondere den Sattel, regelmäßig überprüfen zu lassen.

Eine hohe Priorität bei der Arbeit mit älteren Pferden sollte es also haben, für regelmäßige Bewegung zu sorgen und längere Pausen zu vermeiden.

Der größte Fehler, der mit Pferden über 20 gemacht werden kann, ist daher, ein Pferd, welches abgebaut hat (aufgrund von Unter- oder Überforderung, einer krankheits- oder verletzungsbedingten Pause, Haltungsänderung, …), mit den Gedanken ‚Der sieht nicht mehr so gut aus. Naja, ist ja auch schon alt jetzt, da kann man nix mehr machen, das ist halt so.‘ in Rente zu schicken.

Nicht nur tun wir der körperlichen Gesundheit der Pferde so keinen Gefallen, sondern auch ihrer Psyche: Die meisten Pferde möchten gern weiterhin wichtig sein, täglichen Kontakt zu ihrer Bezugsperson haben und im Rahmen ihrer Möglichkeiten körperlich und mental weiterhin gefordert werden.
Und wenn es zum Ende hin nur noch kurze Spaziergänge, ein paar Tricks mit dem Clicker und Massagen sind.

Was kann ich also mit meinem älteren Pferd nun noch tun?

  1. Auf jeden Fall regelmäßig dranbleiben, also mindestens 4x/ Woche, besser mehr.

  2. Pausentage im Schritt sind besser als gar nichts zu tun.

  3. In der Regel erstmal das weiter machen, was ihr bisher gemacht habt – sofern dein Pferd grundsätzlich fit genug dafür ist.

Dabei kannst du aber das Pensum reduzieren.

  • Handarbeit: löst, hält geschmeidig und beweglich, kann außerdem Stabilität erhalten.

  • Longieren: erhält die allgemeine Fitness, ergänzt die Handarbeit sehr gut.

  • Handpferdereiten: dein Pferd kommt trotzdem auch in höheren Gangarten noch mit ins Gelände, muss aber keinen Reiter mehr tragen.

  • Ausbildung junger bzw. unerfahrener Pferdemenschen:

Ältere Pferde sind in der Regel abgeklärter und Fehlern des Menschen gegenüber toleranter. Es bietet sich daher an, sich eine Pflegebeteiligung zu suchen, die unter deiner Aufsicht oder mithilfe deiner Trainerin Grundlagen gymnastizierender Bodenarbeit mit deinem erfahreneren Pferd erlernen kann. Die Gefahr der Überforderung deines Pferdes ist dabei in der Regel gering.

  • Ausbildung junger bzw. unerfahrener Pferde:

Da junge Pferde sehr gut und schnell lernen, wenn sie erleben, wie gelassen ein erfahrenes Pferd sich in derselben Situation verhält, sollte man sich das zunutze machen, wo es geht: Sei es im Gelände (so können Spaziergänge zu Ritten mit dem Jungpferd als Handpferd später zu Ritten auf dem Jüngeren mit dem dann älter gewordenen Senior werden), beim Kennenlernen von Hindernissen wie Wasser, Brücken etc., beim Verladen oder bei Ausflügen in fremde Umgebung.

Wie immer sollten die Anforderung dem angepasst werden, was beide Pferde realistisch leisten können.

Mit einem aufmerksamen Blick auf dein Pferd, dem Mut, Inhalte immer wieder neu zu ändern und anzupassen und der Offenheit für Einschätzungen von Fachleuten, die dein Pferd gut einschätzen können, hast du die besten Voraussetzungen, um eure gemeinsame Zeit bis an und über die 30 hinaus pferdegerecht zu gestalten.

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