Die Lösephase – Warum?

Nicht nur wir Menschen müssen lernen, in einen ruhigen, aufmerksamen Zustand zu kommen, bevor wir ans Pferd gehen.
Auch die Pferde müssen erstmal in diesen Zustand kommen, wenn wir mit ihnen zielführend arbeiten können wollen.

Die Lösephase jeder (!) Einheit, das Warm-up, muss unbedingt dem Erreichen dieses Zustands dienen:
Das Pferd von ‚gemütlich Heu fressend und dann am Putzplatz erstmal ein bisschen Wellness genießen‘ zu erhöhter körperlicher Energie und Temperatur und wacher Konzentration zu bringen.
Genauso aber auch Pferden, die überall nur Monster sehen, von ihrer Aufgeregtheit und ihrem Stress genug runterzubringen, damit sie loslassen und auf uns achten können.

Anfangs – gerade bei jungen oder Korrekturpferden – kann es gut und gern ein paar Wochen lang die GANZE Einheit benötigen, sodass man gar nicht mehr zur Arbeitsphase kommt.
(Dafür geht das Pferd in einem besseren Zustand aus der Einheit, als es hereinkam – also wichtigstes Ziel erreicht!)

Außerdem ist es wichtig, mit den Anforderungen dort zu beginnen, wo das Pferd sich körperlich und psychisch gerade befindet und ihm dann aktiv zu helfen, in den angestrebten Zustand zu kommen.
Auch, wenn wir dann ganz woanders starten müssen als ursprünglich geplant.
Auch, wenn das länger dauert, als sonst.
Auch, wenn wir neue Strategien finden müssen, weil die, welche gestern noch so gut funktioniert hatten, heute gar nicht mehr helfen.

Wenn wir uns das aber ganz stoisch zur Gewohnheit machen, wird es fürs Pferd immer selbstverständlicher, im Umgang mit uns körperlich und geistig ganz ‚da‘ zu sein und willig mitzumachen.
Bis wir irgendwann nur noch aufwärmen müssen, um den Pferdekörper auf Arbeitstemperatur zu bringen – denn geistig ist es schon vollkommen anwesend.

…und dann können wir uns gemeinsam, Pferd und Reiter, ins gemeinsame Tun vertiefen und Sternstundenmomente in Serie erleben