Wie dich ein fremdes Pferd zu einer besseren Reiterin macht

Reiten ist gar nicht so einfach.

Diese Tatsache an sich würde schon ausreichen, aber es kommt ja noch erschwerend hinzu, dass du den Anspruch hast, dein Pferd gesunderhaltend zu reiten und gleichzeitig immer wieder merkst, dass dir selbst immer wieder die Balance, Sicherheit oder Selbstkontrolle fehlen.
Und so hast du regelmäßig das Gefühl, vor einem verhältnismäßig großen Berg an Schwierigkeiten zu stehen:

Deine Hilfengebung in Übergängen reicht nicht aus, um die Oberlinie deines Pferdes losgelassen und lang genug zu halten.
In Wendungen bricht dein Pferd über die äußere Schulter aus und dir gelingt es nicht, davon unbeirrt weiter gerade sitzenzubleiben.

Im Galopp schaffst du es nicht, dein Klemmen loszuwerden, was dazu führt, dass dein Pferd im Galopp immer ins Rennen kommt – was wiederum dazu führt, dass du klemmst.

Im Trab verlierst du immer wieder den Kontakt zum Pferdemaul und kannst aber gar nicht so recht sagen, ob es an deinen unruhigen Händen liegt oder ob deine Hände unruhig sind, weil dein Pferd seine Haltung ständig ändert und du mit der Kontaktaufnahme kaum hinterherkommst.

Und nun ist es mit dem eigenen Pferd nach all der gemeinsamen Zeit gar nicht so einfach, herauszufinden, welchen Anteil an den bestehenden Problemen von dir und welcher vom Pferd kommt.
Ebenso hast du dein Gefühl vielleicht noch nicht weit genug geschult, um auch ohne das direkte Feedback deiner Trainerin immer einschätzen zu können, ob deine Hilfengebung passend war – oder doch zu stark oder aber zu wenig, um eine Änderung herbeizuführen.

Daher habe ich einen relativ simplen, aber unheimlich hilfreichen Tipp für dich:

Tausch doch mal dein Pferd und reite ein anderes – oder auch zwei 😉

Warum?
Weil sich ein anderes Pferd anders anfühlt, dich im Sattel anders hinsetzt und anders reagiert.
Unser Gehirn funktioniert durch Kontraste. Wir wissen, was kalt bedeutet, weil wir heiß kennen, verstehen hell im Vergleich zu dunkel, groß im Vergleich zu klein, fest im Vergleich zu locker.
Bleibt der sensorische Input dagegen länger ähnlich oder ändert sich über einen längeren Zeitraum beständig in eine Richtung, wird es immer schwerer, zu erkennen, wo genau wir uns jetzt eigentlich befinden. Wie im Büro bei geschlossenen Fenstern – der fehlende Sauerstoff und leicht miefige Geruch fällt uns erst auf, wenn wir zur Mittagspause draußen waren und anschließend die Innenräume erneut betreten.

Dein eigenes Pferd gibt dir – trotz aller Herausforderungen, die ihr vielleicht noch habt – ein vertrautes Gefühl. Du weißt, mit welchen Reaktionen du rechnen kannst, ihr habt eure gemeinsame Komfortzone und Normalität gefunden (wenn vielleicht auch eine nicht zufriedenstellende) und du hast jedes Mal mehr oder weniger dasselbe Gefühl im und unter dem Sattel.

Um klarer erkennen zu können, was dein Stand eigentlich ist, damit du dich reiterlich weiterentwickeln und verbessern kannst, fehlt dir also der Kontrast.

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Und hier kommt das fremde Pferd ins Spiel.

Ein anderes Pferd zu reiten, kann dir dabei helfen, das eigene Gefühl für Sitz und Hilfengebung, aber auch die Erwartung an bestimmte Reaktionen oder Ausführungen vonseiten des Pferdes neu zu kalibrieren.
Es gibt dir Feedback, ob Schwierigkeiten, an denen du schon länger knabberst, primär von dir oder von deinem Pferd kommen. Lassen sich alle Pferde links schlechter abwenden oder kommen im Trab tendenziell ins Eilen, liegt der Verdacht nahe, dass es nicht am Pferd liegt.
Kannst du dagegen mit deiner üblichen Hilfengebung auf fremden Pferden Dinge problemlos reiten, die mit deinem Pferd einfach nicht oder nur selten funktionieren, weißt du, dass du herausfinden musst, warum dein Pferd nicht in der Lage ist, darauf zu reagieren.
Außerdem hilft dir das Reiten eines anderen Pferdes, deine Einwirkung abzugleichen und anzupassen.

Musst du schneller oder langsamer, energischer oder beruhigender, sanfter oder direkter einwirken, als du es gewohnt bist?

Reagiert das Pferd deutlicher, schwammiger, schneller oder langsamer als dein eigenes?
Und nicht zuletzt kannst du aus dem Feedback des anderen Pferdes auch Rückschlüsse über dein eigenes Pferd ziehen. Vielleicht stellst du fest, dass …

  • … dein Pferd, obwohl es dir so oft so zäh vorkommt, vergleichsweise doch recht prompt und direkt auf deine Hilfen reagiert.
  • … es den Takt inzwischen unbeirrter halten kann, als du annahmst.
  • … es weicher oder instabiler im Rücken ist, als du gedacht hättest.
  • … ihr in Wendungen doch schon ziemlich balanciert bleiben könnt.
  • … ihr euch doch mal etwas mehr Übergängen widmen solltet, um sie noch gerader, weicher oder stabiler hinzubekommen.

Am besten suchst du dir jetzt also eine Miteinstellerin oder Freundin mit eigenem Pferd, mit welcher du dir ein solches Experiment vorstellen könntest. Wenn du die Möglichkeit hast, kannst du dir gezielt ein Pferd ähnlichen Typs oder aber mit gänzlich anderen Reaktionen als die deines eigenen Pferdes suchen.

Idealerweise bietest du der Pferdebesitzerin gleichermaßen an, auch dein Pferd zu reiten, damit auch sie eine ähnliche Erfahrung machen kann.

Seid euch darüber im Klaren, dass es nicht darum geht, während des Reitens einen gemütlichen Plausch zu halten, sondern im Sattel des anderen Pferdes mehr über sich selbst und sein eigenes Pferd zu erfahren. Das erfordert einiges an Konzentration.
Besprecht vorher, was für die Besitzerin des Pferdes jeweils in Ordnung ist, welche Grenzen sie für ihr Pferd setzen möchte und ob ggf. ‚Sicherheitshinweise‘ nötig sind. Bedenkt bei letzteren auch, dass Reaktionen, über die eine Reiterin nur müde lächelt, bei einer anderen Reiterin große Unsicherheit auslösen können.

Was du beim Reiten dann beachten solltest

Im Sattel achtest du dann erst einmal darauf, dich erst einmal selbst gut ins Gleichgewicht zu setzen und beginnst mit dem Beobachten und Probieren:

  • Setzt dich das Pferd breiter oder schmaler hin?
  • Fühlt sich sein Rücken gerader / abfallender / tiefer / höher / stabiler / weicher / instabiler / fester an, als du es sonst gewohnt bist?
  • Wie ändert sich dieses Gefühl in Übergängen und verschiedenen Tempi innerhalb einer Gangart?
  • Wie prompt und balanciert lässt es sich nach rechts und links wenden?
  • Setzt es dich schief hin, vielleicht in manchen Wendungen mehr als in anderen?
  • Wie reagiert es – also wie ändert sich seine Bewegungsqualität –, wenn du in deinem Sitz die Korrekturen anwendest, die du vom Unterricht auf deinem Pferd kennst?
  • Musst du manches noch deutlicher tun, um eine Reaktion zu bekommen?
  • Zeigt es dir Lücken in deinem Sitz oder deiner Hilfengebung auf, die auf deinem Pferd gar kein Thema sind?

Die Besitzerin des Pferdes kann die Zeit deines Reitens genauso konstruktiv nutzen.
Sie hat die Möglichkeit zu sehen, wie ihr Pferd auf einen anderen Reiter reagiert und wie diese Reaktionen von außen aussehen. Das gibt ihr ebenso einen Vergleich zu dem, was sie sonst beim Reiten nur fühlen kann.
Du kannst sie auch für Feedback einbeziehen, wenn du dir bei dem, was du im Sattel wahrnimmst, nicht sicher bist, ob das Ergebnis so ausfällt, wie du denkst.
Es ist auch denkbar, dass sie Ausschnitte filmt, damit du dein Gefühl später mit dem vergleichen kannst, was im Video zu sehen ist.
Vermeiden solltet ihr dagegen ‚Reitunterricht‘ durch die Pferdebesitzerin.

Gern könnt ihr später gemeinsam reflektieren:

  • Was fiel dir mit diesem Pferd im Vergleich zu deinem eigenen auf?
  • Was lief besser, als du erwartet hast, was war schwieriger?
  • Wie hat die Besitzerin ihr Pferd mit dir wahrgenommen und deine Fähigkeit, dich darauf einzustellen?

Seid euch darüber im Klaren, dass es nicht darum geht, sich gegenseitig den Bauch zu pinseln, es besser zu wissen als die andere oder sich im Sattel in irgendeiner Form beweisen zu müssen. Vielmehr sollte es ein konstruktiver, wohlwollender Austausch sein zwischen zwei Personen, die sich weiterentwickeln und lernen wollen, die genauer wissen wollen, wo sie sich vielleicht selbst noch fehleinschätzen und welche Änderungen zu Verbesserungen führen können.

Ein-, zweimal im Jahr ein anderes Pferd zu reiten, kann schon sehr aufschlussreich sein.

Noch besser wären unterschiedliche Pferde und ein paar Termine mehr pro Jahr.
Und natürlich lässt sich das Prinzip ganz genauso aufs Longieren oder die Arbeit an der Hand übertragen!

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