Autor: wadmin

Podcast: Sitzschulung

Podcast: Sitzschulung

Im Rahmen einer ausführlichen Podcastreihe von Anna Jantscher (Gut Hartenstein) haben wir über das Thema ‚Sitzschulung‘ gesprochen und ich durfte die sogenannte Wanlessmethode oder auch ‚Ride With Your Mind‘ vorstellen.
Welches Ziel verfolge ich für Reiter und Pferd?
Welche Themen kommen mir als Reitlehrerin regelmäßig unter?
Inwiefern ist Reiten ähnlich wie Autofahren und wie kann ich mir das zunutze machen?
Mit welchen Übungen kann ich auch ohne Reitlehrer meinen Sitz schon verbessern – und das schon im Alltag, nicht nur im Sattel?
All das erfährst du hier.

Viel Freude beim Zuhören!

Die Lösephase – Wie?

Die Lösephase – Wie?

Beginnen wir mit den aufgeregten, schreckhaften, überreagierenden Typen, die runterfahren müssen, um zuhören und loslassen zu können.

Zuallererst ist wichtig, dass du den Zustand eines solchen Pferdes nicht übernimmst.
Beobachte, wie du in so einer Situation atmest:
vielleicht sehr flach und nur oben in der Brust?
Hältst du vermehrt die Luft an?
Hast du eine hohe Atemfrequenz?

Übe ganz bewusst, ruhig und tief zu atmen.
Zähle beim Ein- und Ausatmen mit, damit Ein- und Ausatmen immer gleich lang dauern.
Atme in den unteren Rücken und den Bauch ein, und atme aus dem unteren Rücken und Bauch auch wieder aus.
Atme durch die Nase ein und durch den Mund wieder aus.

Nimm auch wahr, ob du in solch einer Situation destruktives Kopfkino bekommst:
Siehst du vor deinem inneren Auge schon, was als Nächstes garantiert schief gehen wird?

Übe ganz bewusst, ein positives inneres Bild zu haben.
Dein Pferd ist ruhig und aufmerksam bei dir, geht gelassen in dem Tempo, was du anstrebst, reagiert fein und weich auf deine Hilfen, lässt sich fallen, lässt im Rücken los und atmet selber auch tief, ruhig und gleichmäßig.

Merke:
Je schwerer es dir fällt, Atmung und / oder Kopfkino positiv zu beeinflussen, umso wichtiger ist es, dass du daran arbeitest und es dir zur Normalität werden lässt!

Vielen aufgeregten Pferden hilft es außerdem, mit Berührungen zu arbeiten, also beispielsweise ruhiges Streicheln (mit der Hand oder auch mit der Gerte / Peitsche) an verschiedenen Stellen des Körpers, oder auch die Arbeit mit den Körperbandagen nach Linda Tellington-Jones.
Sie kommen oft besser runter, wenn wir einen relativ engen Rahmen vorgeben, was die Anforderungen angeht. D.h. geduldig darauf beharren, dass ein bestimmtes (oft ruhigeres) Tempo gegangen wird, eine Linie eingehalten und nicht angehalten wird.
Bei der Bodenarbeit empfiehlt es sich, beim Longieren wenig Abstand zu haben oder gar zu führen, anstatt das Pferd 10 Meter vom Menschen entfernt aufgeregt herumdüsen zu lassen.

Aufgeregte Pferde lieber nicht oder nur kurz anhalten, sondern mehr darauf achten, dass sie einen gleichmäßigen, ruhigen Schritt gehen. Übergänge, wenn überhaupt, nur sehr auslaufend und nicht prompt anlegen.

Das andere Extrem sind dann die zu trägen Typen, die wenig oder sehr langsam reagieren und deswegen ein konstruktives Arbeiten schwer machen.

Auch in diesem Fall ist unser eigener Zustand wieder wichtig (Seien wir ehrlich, wann ist er es nicht…), denn diese Pferde brauchen uns freundlich, geduldig, motivierend und liebevoll.
Und auch hier gilt: Je schwerer uns das fällt, umso wichtiger ist es!

Da wir solche Pferde eher hoch- als runterfahren müssen, sind hier in der Regel viele Wechsel in den Anforderungen der Weg zum Ziel.
D.h. viele Übergänge, viele Linienwechsel, später auch Schenkelweichen dazu.
Das Ganze gern gespickt mit immer mal wieder kurzen spielerischen Sequenzen, in denen einfache Dinge, die das Pferd gern tut, abgefragt werden (am Boden beispielsweise Körpertargets, Arbeit mit einer einzelnen Bodenstange, Apportieren oder Ähnlichem).

Da es darum geht, Aufmerksamkeit, Reaktivität und Energie des Pferdes hochzufahren, ist die Qualität der Ausführung erstmal noch nicht so wichtig, sondern der Fokus liegt auf ständigen Wechseln.
Das Qualitätskriterium kommt erst hinzu, wenn wir realistisch in eine Arbeitsphase kommen, bei welcher das Pferd gut in einem arbeitsfähigen Zustand ist.

Die Lösephase – Warum?

Die Lösephase – Warum?

Nicht nur wir Menschen müssen lernen, in einen ruhigen, aufmerksamen Zustand zu kommen, bevor wir ans Pferd gehen.
Auch die Pferde müssen erstmal in diesen Zustand kommen, wenn wir mit ihnen zielführend arbeiten können wollen.

Die Lösephase jeder (!) Einheit, das Warm-up, muss unbedingt dem Erreichen dieses Zustands dienen:
Das Pferd von ‚gemütlich Heu fressend und dann am Putzplatz erstmal ein bisschen Wellness genießen‘ zu erhöhter körperlicher Energie und Temperatur und wacher Konzentration zu bringen.
Genauso aber auch Pferden, die überall nur Monster sehen, von ihrer Aufgeregtheit und ihrem Stress genug runterzubringen, damit sie loslassen und auf uns achten können.

Anfangs – gerade bei jungen oder Korrekturpferden – kann es gut und gern ein paar Wochen lang die GANZE Einheit benötigen, sodass man gar nicht mehr zur Arbeitsphase kommt.
(Dafür geht das Pferd in einem besseren Zustand aus der Einheit, als es hereinkam – also wichtigstes Ziel erreicht!)

Außerdem ist es wichtig, mit den Anforderungen dort zu beginnen, wo das Pferd sich körperlich und psychisch gerade befindet und ihm dann aktiv zu helfen, in den angestrebten Zustand zu kommen.
Auch, wenn wir dann ganz woanders starten müssen als ursprünglich geplant.
Auch, wenn das länger dauert, als sonst.
Auch, wenn wir neue Strategien finden müssen, weil die, welche gestern noch so gut funktioniert hatten, heute gar nicht mehr helfen.

Wenn wir uns das aber ganz stoisch zur Gewohnheit machen, wird es fürs Pferd immer selbstverständlicher, im Umgang mit uns körperlich und geistig ganz ‚da‘ zu sein und willig mitzumachen.
Bis wir irgendwann nur noch aufwärmen müssen, um den Pferdekörper auf Arbeitstemperatur zu bringen – denn geistig ist es schon vollkommen anwesend.

…und dann können wir uns gemeinsam, Pferd und Reiter, ins gemeinsame Tun vertiefen und Sternstundenmomente in Serie erleben

Podcast: Wenn die Kraft nachlässt – Trageerschöpfung

Podcast: Wenn die Kraft nachlässt – Trageerschöpfung

Trageerschöpfte Pferde begegnen mir immer wieder, ganz unabhängig von Rasse oder Alter. Oft haben sich Muster über einen längeren Zeitraum eingeschlichen, sodass man sie erst spät erkennt und dann auch nicht direkt weiß, was man nun dagegen tun kann.

In jedem Fall ist es nötig, das Training komplett neu auszurichten, um aus der Trageerschöpfung herauszukommen und auch sicherzustellen, dass das Pferd langfristig tragfähig bleibt.

In diesem Podcast von Pferdegewieher spreche ich gemeinsam mit meiner Kollegin Tine Hlauschek über die sogenannte Trageerschöpfung.

Wenn du deinem Pferd aus einer Trageerschöpfung heraushelfen möchtest, unterstütze ich dich gern dabei.
Du kannst mich für das Trainingspaket oder Onlinetraining buchen und zusätzlich die Aufzeichnung des erwähnten Webinars zu Trageerschöpfung und Tragfähigkeit bei mir erwerben.

Viel Freude beim Zuhören!

Reitunterricht: Ausbildung des Pferdes oder Ausbildung des Reiters?

Reitunterricht: Ausbildung des Pferdes oder Ausbildung des Reiters?

„Das Pferd kann nur so gut gehen, wie der Reiter sitzt, aber der Reiter kann nur so gut sitzen, wie das Pferd geht.“

Und nun?

In dem Moment, in dem wir uns auf ein Pferd setzen, muss und wird es auf die Last auf seinem Rücken reagieren.

Unser Sitz, unsere reine Anwesenheit auf dem Pferderücken, kann nicht keinen Einfluss haben – genauso, wie es für uns einen Unterschied bedeutet, ob wir mit oder ohne Rucksack unterwegs sind.

Ist diese Last nun ungleich verteilt, kommt das Pferd zusätzlich zur eigenen, auch nicht immer perfekt balancierten Bewegung noch mehr aus dem Gleichgewicht. Oder es muss trotz des Reiters gerade gehen – was aber immer mit Kompensation verbunden ist und sich langfristig im Pferdekörper zeigen wird.

In der Interaktion zwischen Reiter und Pferd stellt sich immer die Frage:
Passt sich der Reiter dem Gleichgewicht des Pferdes an – oder das Pferd dem Gleichgewicht des Reiters?

Als Reiter haben wir die Möglichkeit, uns ganz bewusst nicht vom Pferd ‚auseinandersortieren‘ zu lassen, sondern

  • gerade zu sitzen, egal, wie schief das Pferd noch ist,
  • nicht zu weit vor oder hinter den Schwerpunkt zu kommen, auch wenn das Pferd aus dem Gleichgewicht kommt
  • oder nicht zu schwer zu sitzen, obwohl das Pferd den Rücken hängen lässt und uns geradezu ‚einlädt‘, uns auch hängen zu lassen.

Diese Fähigkeit, einmal erworben, ist unabhängig vom Ausbildungsstand des Pferdes, welches wir gerade unter uns haben.

Das zu erreichen, gelingt mit der Methode von Mary Wanless unglaublich effektiv und nachhaltig – auch, wenn wir uns dafür mit Aspekten unserer Reiterei auseinander setzen müssen, die wir glaubten, vor Jahren schon hinter uns gelassen zu haben.

Später erleichtert es uns dann die Ausbildung des Pferdes ungemein:
Jede Änderung des Sitzes ist dann eine bewusste Hilfe – das Pferd muss nicht mehr raten, ob das gerade Absicht oder ein Versehen war, und es muss auch nicht lernen, gewisse Änderungen im Reitersitz zu ignorieren.Sondern wir können ihm ab dem Moment, wo es gelernt hat, das Reitergewicht zu akzeptieren, mit jedem Meter, den es uns trägt, aktiv helfen, gerader, tragfähiger und balancierter zu werden.

Aus diesem Grund steht in meinem Reitunterricht die Ausbildung des Reiters immer an erster Stelle.
Das Pferd verbessert sich dann quasi nebenbei ‚wie von selbst‘.