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„Vergleiche dein Pferd nur mit sich selbst!“ – wie das im Alltag konkret aussieht

Das Wichtigste, um Fortschritte beim Pferd erkennen und dich im Alltag mehr freuen zu können, habe ich in meinem letzten Blogbeitrag schon erwähnt; vielleicht hast du es auch von einer anderen Ausbilderin schon einmal gesagt bekommen:
Das Wichtigste, um zu mehr Zufriedenheit und Freude im Alltag mit deinem Pferd zu kommen, ist, dein Pferd nur mit sich selbst zu vergleichen.

Das bedeutet aber nicht:
‚Vor einem Jahr konnten wir noch nicht ausreiten und jetzt können wir immer noch nicht ausreiten.‘ Damit ziehst du den Vergleich wieder nur zum Ziel und siehst nur das, was noch fehlt. Warum das nicht hilfreich ist, habe ich hier schon einmal erklärt.

Diese drei Fragen machen Fortschritte sichtbar

  • Konstruktiver sind dagegen folgende Fragen:
  • Ist es jetzt besser als zu Beginn der Einheit?
  • Klappt etwas besser als noch vor einem Monat?
  • Fällt ihm etwas leichter als noch vor einem halben Jahr?

Um diese Unterschiede zu erkennen, musst du in erster Linie lernen, auf die kleinen Details zu achten.

Ein Praxisbeispiel: die Entwicklung meiner Stute Daya

Und dafür habe ich dir heute ein Beispiel mitgebracht, nämlich meine Stute Daya, die jetzt seit 1,5 Jahren bei mir ist.
Ich werde die kleinen Details bei ihr stichpunktartig auflisten, denn du wirst gleich merken – das sind ganz schön viele!

Dayas Anfangszustand – März 2025

Dabei haben ihr natürlich die 6stündige Hängerfahrt zu uns und der Stallwechsel an sich – neue Umgebung, neue Herde, neue Menschen – ganz schön zugesetzt.
Ich liste hier bewusst nur die Dinge auf, die noch nicht gut waren, denn das sind die Dinge, die wir ja noch verbessern wollen.

  • unaufmerksam, oft auch dissoziiert, also ‚keiner zuhause‘
  • wenn sie am Strick grast, bekommt man sie kaum noch wieder aus dem Gras
  • bleibt auf dem Weg zum Reitplatz viel stehen, teilweise mehrere Minuten an einer Stelle
  • schnell gestresst, insbesondere bei der Arbeit, weil sie da immer erwartet, dass ich noch mehr möchte.
  • äppelt in 30 Minuten Longieren bestimmt fünfmal, vorrangig in Bewegung
  • insgesamt noch nicht lange unter dem Sattel, dementsprechend noch nicht so sehr viel Balance und Kraft
  • Antraben schwierig, sowohl beim Reiten, als auch an der Longe. Direkt neben dem Menschen, also beim Führen, trabt sie nicht an
  • Satteln schwierig – steht nicht still, drückt mich weg, schnappt und droht
  • wenig Bemuskelung, insbesondere Oberlinie, Sattellage, Halsansatz (vor der Schulter)
  • schlechte Propriozeption, also Wahrnehmung, wo sich ihr Körper im Raum befindet, wo welches Körperteil ist und wo der Körper aufhört. Gepaart mit Unaufmerksamkeit und Dissoziation ist sie dadurch sehr rempelig.
  • komplett instabile Halsbasis – schafft dadurch an der Longe im Trab oder Galopp keine Kurven, beim Reiten rollt sie sich ein und driftet über die Schulter weg
  • kann beim Aufsteigen und unter dem Sattel so gut wie gar nicht stillstehen
  • wird unter dem Reiter durch mangelnde Balance und Kraft insbesondere in Vorderbeinen und Rumpfträgern immer schneller (und rollt sich dabei ein)
  • Anhalten unter dem Reiter nicht möglich; am Boden dauert es einige Meter, bis sie zum Stehen kommt.
  • auch allein auf dem (unebenen) Paddock sehr unkoordiniert – teilweise kippt sie im ruhigen Schritt ohne Auswirkungen von außen (durch andere Pferde oder Menschen) fast um!
  • keine Routine im Gelände
  • scheint offene Flächen gewöhnt zu sein – in Waldstücken sehr viel unsicherer als auf Feldwegen
  • beim Clickern kriecht sie mir in die Tasche und nimmt die (sehr kleinen) Leckerli mit den Zähnen
  • weicht Kontakt und Druck aus – beim Nasentarget traut sie sich nicht, mich zu berühren
  • geht komplett gedankenlos über Stangen, ohne Rücksicht auf Verluste (erschrickt dabei immerhin nicht)

Nach 6 Monaten – August 2025

  • nach mehrwöchiger Verletzungspause meinerseits beginnen wir langsam wieder mit der Arbeit und es ist auffällig, wie selbstverständlich sie inzwischen aufmerksam bei der Sache ist, mitdenkt und auf mich achtet – ein großer Unterschied zum Anfang
  • beim Clickern hält sie konzentriert den Kopf still, anstatt mir in die Tasche zu kriechen und nimmt die Leckerli sanft mit den Lippen
  • auf dem Weg zum Reitplatz bleibt sie nur noch in Ausnahmefällen stehen

Nach 9 Monaten – November 2025

  • Sie lässt sich bei Regen, Schnee, Wind, Kindern auf dem Trampolin oder einer angrenzenden Baustelle arbeiten ohne sich – wie noch im September 2025 – darüber zu empören, dass sie unter diesen Bedingungen etwas tun muss
  • ihre Oberlinie füllt sich langsam
  • ihre Vorderbeine stehen, von vorn betrachtet, zunehmend gerader

Dezember 2025 bis Sommer 2026 – viele kleine Meilensteine

Dezember 2025

  • sie streckt sich das erste Mal unter dem Reiter und das sogar bergab, ohne eilig zu werden oder den Takt zu verlieren
  • sie schnaubt das erste Mal unter dem Reiter ab

Februar 2026

  • nach mehreren Wochen üben kann sie das erste Mal in der Halle entspannen
  • an der Longe trabt sie zuverlässig losgelassen und mit langer Oberlinie an

Mai 2026

  • sie hebt zum ersten Mal unter dem Reiter den Brustkorb und fühlt sich dadurch unter mir doppelt so breit an
  • an der Longe kann sie dank einer stabileren Hinterhand:
    • Übergänge nach unten besser steuern,
      einfache Bahnfiguren im Trab gehen, ohne komplett Gleichgewicht und Gangart zu verlieren,
      die ersten Galoppsprünge mit geschlossenem Lumbosakralgelenk in der Stützbeinphase
  • wir gehen den ersten Spaziergang, der ihre bisherige Grenze von 30 – 45 Minuten Dauer übersteigt: knapp 2 Stunden, ca. 10km Strecke
  • Bis auf kurze Unsicherheit auf einem schlecht einsehbaren Waldweg keine Anzeichen von Überforderung
  • Ich werde von Miteinstellern darauf angesprochen, wie gut sie inzwischen muskulär aussieht und dass sie sich auch auf dem Paddock deutlich koordinierter bewegt
  • wenn sie erschrickt, brauche ich keine Sorge um meinen Körper haben, sie springt immer wendig um mich herum und passt sichtlich auf – selbst, wenn sehr wenig Platz ist

Juni 2026

  • erste Meter im Gelände geritten

Juli 2026

  • ihre linke (die hohle) Seite wird deutlich stabiler
  • ihr gelingt zum ersten Mal richtig kräftiger Schub, der vorn vom angehobenen Brustkorb aufgenommen wird (anstatt wieder abzusacken und zu einer festgehaltenen Oberlinie zu führen)
  • zweite gerittene Strecke im Gelände, diesmal im Wald und auf ihr unbekannter Strecke – mit langem Hals und mehrfachem Abschnauben
  • sie kann beim Satteln stillstehen und behält dabei auch entspannte Ohren
  • kontinuierlicher doppelt so breit unter dem Sattel, sogar direkt nach urlaubsbedingter Pause
  • Nasentarget so enthusiastisch und mit Wucht, dass sie mir fast die Hand wegschlägt
  • bietet das erste Mal spielerisch freies Traben und sogar Galoppieren an
  • August 2026:
  • inzwischen ausnahmslos immer doppelt so breit unterm Sattel, sogar an schlechten Tagen
  • braucht an schlechten Tagen kein Aufwärmen am Boden mehr, sondern kann auch mit Reiter mental runterkommen
  • kann im Trab unter dem Reiter ihre linke Körperhälfte behalten – im Mai 2026 war da noch nichts
  • dritter Ritt im Gelände, sie kommt nach großer Unsicherheit beim Betreten des Waldes über den Sitz wieder zur Ruhe und schnaubt anschließend wieder ruhig ab
  • schafft an der Longe Schritt-Trab-Schritt-Übergänge bergab

Aktueller Stand – September 2026

  • ein langer Hals und regelmäßiges Abschnauben sind unter dem Sattel zur Normalität geworden
  • Einrollen ist die absolute Ausnahme und sie bricht schon lange nicht mehr über die äußere Schulter aus – weder an der Longe noch unter dem Sattel
  • nach dem Trab mit Reiter kann sie in der Vorhand stabil bleiben – noch im Juni war sie danach so instabil, dass ich nicht mehr lange reiten konnte
  • das erste Mal Antraben in Handarbeitsposition, wo ich also sehr dicht neben ihr bin
  • wenn überhaupt, äppelt sie während der Arbeit maximal einmal und bleibt dafür immer ruhig stehen
  • sie konnte die ersten Mal unter dem Sattel mit durchhängendem Zügel ruhig stillstehen

Merkst du, was diese Auflistung mit dir macht?

Merkst du, was diese Auflistung mit dir macht?
Wie du auf einmal lauter Fortschritte und Erfolge siehst und dich freust, was Daya inzwischen alles kann?

Meine Ziele mit Daya – und warum sie nicht frustrieren

Natürlich können wir ganz vieles von dem, wo ich gern mal mit ihr hinmöchte, noch nicht. Sie soll grundsätzlich ein vielseitig ausgebildetes, gesundes und belastbares Freizeitpferd werden.

Meine Ziele mit Daya:

  • gymnastizierende Dressurarbeit – so weit, wie wir kommen
  • Handarbeit – so weit, wie wir kommen bzw. es auch unsere Größenverhältnisse zulassen
  • Longieren – als Ausdauertraining, mit Stangen und Sprüngen
  • Grundlagen des Springens mit Reiter
  • wenn möglich, Grundlagen der Vielseitigkeit mit Reiter
  • Ausreiten allein und in der Gruppe in allen Gangarten und in unbekannten Gebieten
  • routiniertes Hängerfahren, bspw. für Lehrgänge

Du merkst, dafür fehlt uns immer noch sehr viel und das, obwohl wir inzwischen seit einem Jahr kontinuierlich daran arbeiten (die Verletzungspause 2025 hat uns im Training natürlich deutlich zurückgeworfen).
Und ja, für manches braucht sie körperlich, für anderes mental, sehr viel länger, als ich erwartet habe.
Aber durch meinen Blick zurück, den Vergleich vom Heute mit dem, wie es in der Vergangenheit war, fällt es mir leicht, mich ehrlich über jeden kleinen Erfolg zu freuen und mit ihrer Entwicklung zufrieden zu sein.

Extra-Tipp: So programmierst du deinen Wahrnehmungsfilter um

Falls du jetzt denkst: ‚Ja, das verstehe ich und ich sehe auch all die aufgelisteten Fortschritte, aber mit meinem eigenen Pferd komme ich da einfach gar nicht hin‘, habe ich noch einen Tipp für dich.

Wusstest du, dass in jeder Sekunde Millionen (!) an Eindrücken auf dein Gehirn einprasseln?
Vermutlich nicht, denn so viel nimmst du ja bewusst nicht annähernd wahr. Denn: Dein Gehirn filtert permanent.
Biologisch sind wir dabei natürlich auf das Vermeiden von Gefahren und das eigene Überleben ausgerichtet, filtern also primär nach negativen, potentiell bedrohlichen Dingen.
Die gute Nachricht ist aber: Du kannst den Filter umprogrammieren!

Warum ein Dankbarkeitstagebuch wirklich hilft

Und dabei hilft, glaubs mir, ein Dankbarkeitstagebuch, in das du jeden Abend drei Dinge aufschreiben musst, für die du dankbar bist.
Entscheidend sind dabei gerade die Tage, an denen dir so absolut gar nichts einfallen möchte. Dann musst du etwas länger überlegen und vielleicht wird es dann ‚immerhin hat es nicht noch geregnet, sondern war sonnig‘ oder ‚Ich stand zwar zwei Stunden im Stau, aber mir selbst und meinem Auto ist nichts passiert, sodass das Leben morgen ganz normal weitergehen kann‘.
Das kann sich albern anfühlen oder sehr aus den Fingern gesogen. Aber wenn du das mal für ein paar Wochen oder Monate durchziehst, führt es zu einem anderen, positiveren Filter. Du nimmst auf einmal viel mehr positive Eindrücke, manchmal wirklich nur Kleinigkeiten, wahr – und wirst dadurch insgesamt gelassener und zufriedener.
Und dann beginnt es, dir auch gegenüber deinem Pferd leichter zu fallen.

Unterstützung dabei, die kleinen Erfolge zu sehen

Wenn du Unterstützung dabei haben möchtest, die kleinen Erfolge bei deinem Pferd wahrzunehmen und/oder dabei, wie du sie gezielter erarbeiten kannst, dann schau gern in meinen Angeboten vorbei!

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DER Tipp für mehr Zufriedenheit mit dir und deinem Pferd

Wenn der Blick auf die Lücke dir die Freude am Pferd nimmt

Bist du frustriert, weil du beim Fortschritt mit deinem Pferd nicht vorankommst?
Weil deine ursprünglichen Ziele – sei das Allein Ausreiten, ein bestimmter Ausbildungsstand, Rittigkeit oder Bemuskelung – unerreichbar bleiben?
Du arbeitest daraufhin, siehst aber nur, was ihr noch nicht könnt und was ihr noch nicht erreicht habt. Du siehst nur die Diskrepanz zwischen dem, wo du jetzt bist und wo du hinmöchtest.
Dieser Blick, der Fokus auf die Lücke, wird jede Bemühung mangelhaft aussehen lassen, dich ständig entmutigen, jedem Fortschritt im Weg stehen und dir alle Freude an der Arbeit mit dem Pferd nehmen.

Das eigentliche Problem: Du ziehst den Vergleich in die falsche Richtung

Das Problem liegt darin, dass du den Vergleich in die falsche Richtung ziehst. Gemessen an dem, was du irgendwann mal erreichen möchtest, KANN der heutige Stand ja nur negativ bewertet werden. Du siehst nur, was alles noch fehlt und was ihr alles noch nicht erreicht habt.

Wofür Ziele wirklich da sind

Natürlich braucht es Ziele, aber diese sollen nicht zu einem dauerhaften Gefühl von Unzufriedenheit führen. Nicht nur, weil das für dich selbst ein negativer, unangenehmer Zustand ist, sondern weil sich das natürlich auch auf deinen Umgang mit deinem Pferd und eure Beziehung auswirkt.
Mach dir bewusst: Ziele sind dafür da, eine Richtung vorzugeben.
Mehr nicht!

Zieh den Vergleich rückwärts – so wird Fortschritt beim Pferd sichtbar

Stattdessen solltest du euren heutigen Stand mit dem vergleichen, wie ihr gestartet seid oder wo ihr noch vor einem Jahr wart; den Vergleich also rückwärts ziehen. Das Ergebnis dieses Vergleichs hat eine viel höhere Chance, positiv auszufallen.
Er macht dir bewusst, was ihr schon erreicht habt und das wiederum macht dich viel zufriedener – mit dir selbst und deinem Pferd –, motiviert dazu, dranzubleiben und auch an weitere Fortschritte zu glauben. Denn ihr habt es ja schon bis hierhin geschafft.
Merke dir: Fortschritt lässt sich immer nur rückblickend erkennen.

Vergleiche dein Pferd nur mit sich selbst

Das bedeutet außerdem, dass du dein Pferd nur mit sich selbst vergleichst und nicht mit anderen Pferden oder gar mit einem abstrakten Idealbild.

Wie das im Alltag konkret aussieht

Wie das im Alltag konkret aussehen kann, zeige ich dir im nächsten Blogbeitrag.

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Dein Pferd verändert sich schneller, als du denkst – in beide Richtungen

Nichts ist so beständig wie der Wandel – auch beim Pferdekörper

‚Nichts ist so beständig wie der Wandel.‘
Dass Veränderung beim Pferd immer stattfindet, ob es einem in den Plan passt oder nicht, wusste schon der griechische Philosoph Heraklit vor 2500 Jahren.
Das gilt ganz pragmatisch für jeden lebenden Körper, also auch für den deines Pferdes.
Auch im ausgewachsenen Pferd erneuern sich alle Strukturen, alle Zellen, permanent. Dabei ist das Tempo unterschiedlich – bei Muskeln geschieht das schneller als bei Sehnen und Bändern und nochmal langsamer sind Knochen. Aber auch Knochen sind ungefähr alle 7 Jahre einmal ‚runderneuert‘.

Der Körper passt sich immer an – in die eine oder andere Richtung

Dabei wird allerdings nicht alles einfach so wieder hergestellt, wie es vorher war (sonst dürfte ja auch nie der Prozess des Alterns zutage treten), sondern: Der Körper passt sich permanent der Belastung an, der er aktuell ausgesetzt ist.
Und genau da liegt unsere Chance als Pferdebesitzerinnen, aber vor allem auch unsere Verantwortung.
Denn daran, wie das Pferd seinen Körper nutzt und auf welche Art und Weise es sich regelmäßig bewegt, entscheidet sich, ob wir langfristig ein gesundes Pferd haben oder sich Kompensationen und Verschleißerscheinungen zeigen. Ob die Sehne irgendwann nachgibt, weil sie der ständigen Überlastung nicht mehr gewachsen ist, ob die Überlastung eines Gelenks zu frühzeitiger Arthrose und Verknöcherung führt oder ob ganz offensichtlich Muskulatur fehlt und das Pferd trotz guten Futterzustands und regelmäßiger Arbeit kantig bleibt.
Dazwischen gibt es leider nichts, es bewegt sich immer entweder in die eine oder in die andere Richtung.

Die ersten Anzeichen sind subtil – und früh da

Die ersten Anzeichen einer negativen Veränderung finden sich natürlich schon deutlich früher und sind auch sehr viel subtiler.
Du kennst das vielleicht: Zwei Wochen im Urlaub gewesen und hinterher ist irgendwie die Rittigkeit von vorher nicht mehr so ganz da.
Wenn dein Pferd ein schwaches Bindegewebe hat, hypermobil ist, MIM und/oder ECVM hat oder auch ins Alter kommt, merkst du den Unterschied wahrscheinlich schon nach einer Woche deutlich:
Das Pferd ist beim Reiten wieder etwas schmaler oder instabiler unter dir, die Übergänge sind etwas hakeliger, weil die Stabilität im Rumpf und die Kontrolle über die Knie etwas verloren gegangen sind – Herausforderungen und Probleme, die ihr eigentlich schon hinter euch gelassen hattet, treten wieder auf.

Wie schnell sich Veränderung zeigt – drei Beispiele aus der Praxis

Aber auch eine qualitativ schlechtere (oder sogar ‚nur‘ schlampigere) Arbeit ohne Pause führt zu diesen Veränderungen, wie in diesem Beispiel:

Wenn eine zweite Reiterin alles ins Wanken bringt

Das Pferd wird seit 3 Jahren regelmäßig gearbeitet, mit meiner professionellen Unterstützung. Die Besitzerin muss selbst auch erstmal noch einiges lernen, achtet aber von Anfang an auch im Kleinen auf die richtigen Details: Anheben des Brustkorbs, Ansprechen und Ansteuern der Knie, Geraderichtung und Stabilisierung der hohlen Seite. Das Pferd wird immer rittiger und ist harmonisch bemuskelt.
Aus Zeitgründen holt sich die Besitzerin eine weitere Reiterin hinzu, die sich freut, in der Verletzungspause ihres eigenen Pferdes ab und an ein so feines und sensibles Pferd reiten zu können. Allerdings reitet sie aus einem falschen oder unklaren Verständnis von Dressur das Pferd mehr über Tempo, macht mehr Druck mit dem Sitz und dem Zügel.
Obwohl das Pferd den Großteil der Woche gearbeitet wird wie zuvor, führt diese Änderung nach wenigen Wochen bereits zu negativen Anzeichen: Die Knie werden schwächer und die Übergänge ruckeln deutlich mehr, Angaloppieren wird auf einmal wieder schwieriger, die Brustwirbelsäule bleibt etwas fester, dadurch ist die Losgelassenheit schwerer zu erreichen und bald ist dann auch zu sehen, wie im Halsansatz und an den Schulterblättern die Muskulatur weniger wird.
Nachdem die hinzugekommene Reiterin aufhört, ist der ganze Prozess ebenfalls innerhalb weniger Wochen wieder vollständig reversibel.

Wie schnell auch positive Veränderung möglich ist

Genauso schnell kannst du aber auch positive Veränderungen in deinem Pferd bewirken und auch dafür habe ich dir ein Beispiel mitgebracht:
Nach gesundheitlichen Schwierigkeiten inklusive einer OP beim Pferd wird das Training radikal umgestellt. Es wird nicht mehr regelmäßig geritten, ‚weil man das so macht‘ oder andere das sagen, sondern die Prämisse lautet jetzt: Wir machen, was ihm gut tut, auch wenn Reiten vielleicht nie wieder wird.
Als erstes Thema zeigen sich bei diesem Pferd die schwachen Knie, also wird zuerst vorrangig geübt, die Knie im Schritt sowie im Antraben fleißiger und aktiver zu bekommen.
Innerhalb weniger Wochen schleift das Pferd die Zehen nicht mehr über den Boden, geht ein deutlich besseres Grundtempo, bekommt zum ersten Mal in seinem Leben einen sich hebenden Widerrist und zeigt insgesamt mehr Freude an der Arbeit.
Da vorrangig Muskulatur schnell reagiert und die Gewöhnung an die veränderte Belastung bei Sehnen und Bändern mehrere Monate dauert, muss man jetzt natürlich lang genug dran bleiben und aufpassen, vor lauter Freude über die Veränderung nicht zu viel zu schnell zu wollen. Aber grundsätzlich ist das genau die Veränderung, die wir als Besitzerinnen für unsere Pferde wollen.

Das Wichtigste in Kürze: Veränderung geht schnell

Denn was ich dir heute vor allem mitgeben möchte, sind vor allem zwei Dinge:

1. Veränderung geht schnell – sowohl in die positive als auch in die negative Richtung.
2. Wenn das Training gut ist, solltest du schon nach wenigen Monaten deutliche Verbesserungen in deinem Pferd wahrnehmen können.

Auf diese kleinen Anzeichen solltest du achten

Veränderung zeigt sich schnell, aber in kleineren Details.

Schleifende Hinterhufe, ruckelige Übergänge, ein ‚ein wenig‘ kantiger aussehender Rücken, eine etwas festere Wirbelsäule, eine etwas deutlichere Schiefe – all das sind Anzeichen, dass du gegensteuern solltest, wenn du nicht in einem Jahr von einem Fesselträgerschaden oder Entzündungen in der Wirbelsäule überrascht werden möchtest.

Du musst nicht perfekt sein

Wenn dich das jetzt latent stresst, dann lass dir aber auch noch gesagt sein:
Du musst nicht perfekt sein, dein Pferd muss es auch nicht; Verbesserung ist immer ein Prozess und schlechtere Tage und Fehler (nicht nur beim Pferd, auch bei dir) gehören dazu. Davon geht kein Pferd direkt kaputt. Regelmäßigkeit und die Fähigkeit, im Kleinen immer wieder ein bisschen besser zu werden, ist entscheidend.s

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Warum ist das mit der Losgelassenheit beim Pferd so schwer?

Warum Losgelassenheit über Gesundheit und Harmonie entscheidet

Dass Losgelassenheit wichtig ist, ist uns allen klar. Ohne Losgelassenheit steigt das Risiko für Schäden an Sehnen, Bändern und Knochen, Lunge und Verdauung, aber auch das Immunsystem im Gesamten wird geschwächt. An Durchlässigkeit und Harmonie ist nicht zu denken und nicht zuletzt: unbequem ist es im Sattel für uns ReiterInnen auch.

Ohne Losgelassenheit ist nichts, was wir sonst mit dem Pferd erarbeiten, langfristig zielführend. Sie steht also ziemlich am Anfang, ist Voraussetzung für alles Weitere und daher auch direkt der zweite Punkt in der Ausbildungsskala.

Warum aber kann es so schwer sein, Losgelassenheit zu erreichen? Warum scheitern so viele von uns immer wieder an diesem einen Punkt?

Losgelassenheit beim Pferd ist kein Anfangshäkchen – sondern ein Ergebnis

Der Grund: Losgelassenheit ist nicht eine Stufe am Anfang der Ausbildung, die man zügig abhakt, um dann an den ‚richtigen‘ Dingen zu arbeiten, sondern sie ist das Ergebnis korrekt gelegter Grundlagen.

Was dein Pferd braucht, um loslassen zu können

Denn Losgelassenheit ist nur möglich, wenn ein Pferd sich voll auf das gemeinsame Tun einlassen kann und sich weder festhalten noch verkrampfen muss. Und das wiederum geht nur, wenn das Pferd das Gefühl hat, gut genug im Gleichgewicht zu sein innerhalb der gestellten Anforderungen – sei das Trab auf dem Zirkel oder ein Übergang von einer in die nächste Gangart mit Reiter auf dem Rücken.

Erst Sicherheit, keine Schmerzen, keine Angst

Um sich losgelassen bewegen zu können, muss sich ein Pferd zunächst einmal sicher fühlen. Es darf keine Schmerzen haben und keine Angst vor dem Ort, wo es sich befindet, oder dem Menschen, mit dem es zu tun hat.

Die Grundlagen gesunder Bewegung

Um sich nicht kompensatorisch irgendwo festmachen zu müssen, muss es auch die grundlegenden Fähigkeiten gesunder Bewegung beherrschen: die Hinterhand schiebt (anstatt mit der Vorhand zu ziehen); der Brustkorb ist gerader (statt völlig schief fast umzufallen); der Brustkorb ist angehoben (anstatt nach vorn unten zu hängen). Dabei fällt jedem Pferd der eine Aspekt leichter als der andere, auch bedingt durch Körperbau und Charakter. Aber ein grundsätzliches Verständnis aller dieser Fähigkeiten ist für alle Pferde notwendig. Und selbst wenn ein Pferd verstanden hat, wie es geht, kann es durchaus auch noch eine Weile dauern, ehe es die dafür nötige Kraft und Stabilität aufgebaut hat, um das in Bewegung für ein paar Meter am Stück durchzuhalten.

Welche Rolle du als Reiterin spielst

All das wiederum erfordert einen Menschen, der das vermitteln kann. Der weiß, was dazu gehört, wie er es dem Pferd erst ohne und dann mit Reiter verständlich macht und auch genug Kontrolle über sich und sein Gleichgewicht hat, das Pferd im Sattel dann nicht noch zusätzlich zu stören und es so aus Versehen wieder aus der Balance bringt.

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Warum nach der Losgelassenheit alles leichter wird

Losgelassenheit wird also erreicht, wenn ein Pferd ALLE für die Ausbildung nötigen Grundlagen bereits gelernt hat, um sich gut genug im Gleichgewicht bewegen zu können. (Was ‚gut genug‘ ist, entscheidet übrigens immer das jeweilige Pferd, denn das Empfinden ist da sehr verschieden) Das wiederum bedeutet, dass alles, was in der Ausbildung danach kommt, ungleich leichter ist, weil es – ganz vereinfacht gesagt – einfach nur ‚mehr‘ von dem ist, was wir ohnehin schon etabliert haben. Bis wir so dicht an Geraderichtung und Versammlung kommen, wie es das jeweilige Pferd realistisch schaffen kann (auch hier spielen Körperbau und Charakter eine große Rolle), dauert es natürlich trotzdem noch Jahre. Aber diese Jahre dienen dem Verfeinern, dem Differenzieren, dem Kräftigen und Stärken – nicht dem grundsätzlichen Verständlich machen davon, wie der Körper an sich gesund arbeitet, um gerader zu werden oder sich versammeln zu können. Dieses Verständnis brauchen wir in der Arbeit ganz am Anfang.

Es gehören also viele Fähigkeiten dazu, bei Pferd UND Mensch, um zur Losgelassenheit zu kommen. Je schwerer das einem oder beiden davon fällt, desto länger kann es also dauern.

So findet ihr gemeinsam zur Losgelassenheit

Du hast verstanden, warum es so schwer ist, aber trotzdem noch keine richtige Ahnung, wie du es mit deinem Pferd anstellen solltest, um Losgelassenheit zu erreichen? Dann melde dich gern bei mir für ein unverbindliches, kostenloses Kennenlerngespräch und wir schauen gemeinsam, wie euer Weg aussehen kann und ob und wie ich euch dabei unterstützen kann.

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Verändert sich dein Pferd – und du merkst es nicht?

Pferde sind verschieden.

Es gibt schüchterne und mutige Pferde, ständig verunsicherte und entdeckungsfreudige Charaktere, schwache und fitte, kraftvolle Körper.
Was davon ist dein Pferd?
Und bist du dir dabei wirklich sicher?

Denn: Diese Eigenschaften deines Pferdes verändern sich!

Ich beobachte immer wieder, wie Besitzerinnen versäumen, sich diesen Veränderungen anzupassen. Oft, weil sie es gar nicht wahrnehmen.
Da war der eigene Wallach anfangs permanent gestresst und verunsichert und brauchte einen sehr ruhigen, sanften Umgang. Fünf Jahre später ist er gut angekommen und wäre belastbarer, man könnte ihm mehr abverlangen – aber die Besitzerin behandelt ihn immer noch wie das zarte Pflänzchen, das er vor Jahren war.

Oder die schlecht bemuskelte Stute, die trotz aller Versuche kaum aufbaute und deswegen körperlich wenig leisten konnte. Sie ist nach zwei Jahren passender Aufbauarbeit zu einem kraftvollen, fitten und harmonisch bemuskelten Pferd geworden – wird aber immer noch behandelt wie ein schwächlicher Rehafall. Dabei kann und will sie!

Natürlich ist so eine Veränderung auch in die andere Richtung möglich.

Wenn das fitte, belastbare Pferd, mit dem man mehr oder weniger alles tun und dem man alles zutrauen kann, auf einmal nicht mehr so gut mit den Anforderungen mitkommt. Wenn es ein verändertes Pensum braucht, schneller verunsichert ist, der Rücken beginnt, schneller ins Hängen zu kommen.

Es ist, glaube ich, mit eins der schwierigsten Dinge im Verlauf der Ausbildung: mitzubekommen, dass und wie das eigene Pferd sich körperlich und mental verändert, und darauf dann adäquat einzugehen.
Gleichzeitig ist es ein ganz wichtiger Aspekt, um nicht die Verbindung zum eigenen Pferd zu verlieren.

Wenn sich all die Arbeit der vergangenen Jahre auszahlt und ein Pferd jetzt mental und körperlich belastbarer ist, kann es sich durchaus latent unterfordert fühlen, wenn Umgang und Anforderungen dem  nicht gerecht werden. 

Es wird auch viel Potential verschenkt von Dingen, die auf einmal gemeinsam möglich wären – seien das größere Ausflüge, anspruchsvollere Situationen im Gelände, Freude an anspruchsvolleren Lektionen oder auch neue Herausforderungen wie Sprünge o.ä..
Man wächst an seinen Aufgaben und etwas neues zu meistern schweißt zusammen!
Andersherum möchte auch ein Pferd, was altersbedingt beginnt, etwas abzubauen, mit seinen veränderten Bedürfnissen gesehen und abgeholt werden. Nur weil ein volles Pensum mit Lehrgängen, Geländeritten und guter Arbeit in verschiedenen Sparten – von Ausdauertraining über anspruchsvolle gymnastizierende Arbeit bis hin zum Springen oder Fahren – in den letzten Jahren gut und gern möglich war, heißt das nicht, dass das auch bis ins hohe Alter unverändert so möglich bleibt.
Ziehe ich hier als Besitzerin meinen Stiefel zu lange durch, baut mein Pferd unter Umständen viel schneller ab, weil der Körper dauerhaft überfordert ist.

Ich lade dich daher ein, regelmäßig zu reflektieren und zu prüfen, ob das Bild, was du von deinem Pferd hast, tatsächlich noch der Realität entspricht.
Dein Pferd und eure Beziehung werden es euch danken!

 

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Auf dem Weg in die Tragfähigkeit – die Entwicklung eines 16jährigen Wallachs

Heute möchte ich einmal die Entwicklung eines Kundenpferdes mit euch teilen, um zu zeigen, wie individuell dieser Prozess abläuft und dass auch nicht alles auf einmal verändert werden kann.


Ausgangssituation: Kennenlernen eines trageerschöpften Pferdes

Kennengelernt habe ich den Wallach Dingo 16jährig so:

März 2025: So habe ich Dingo kennengelernt

Seine Besitzerin hatte schon einiges versucht, aber er baute einfach nicht auf.
Er war offensichtlich trageerschöpft, mit einem in sich gekehrten Blick.
In der Bewegung war er einerseits zu schnell unterwegs, andererseits hat er nicht auf die Hilfen reagiert.

Der entscheidende Knackpunkt: Mentale Abwesenheit vor körperlichen Problemen

Letzteres war auch der Knackpunkt:
So lange er innerlich so zurückgezogen bleibt, können wir auch körperlich wenig für ihn tun.

Erstes großes Ziel war also, ihn mental aus seinem Schneckenhaus zu holen.
Bemuskelung und Bewegungsabläufe durften erstmal so bleiben.


Erste Phase: Mentale Aktivierung durch Clickertraining

Die ersten Wochen etablierte Dingos Besitzerin also das Clickertraining.
Mit Futter als sehr hohem Motivator, sehr kleinschrittigem Input, sehr viel positivem Feedback und ohne groß körperlichen Druck hat dieser Ansatz für ihn sehr gut funktioniert.

August 2025: Dingo beginnt, sich im Trab fallenzulassen

Erste sichtbare Veränderungen: Mehr Losgelassenheit im Körper

Das war auch seinem Körper anzusehen, der im Mai bereits viel gelöster wirkte.


Übergang zur Bewegung: Grundlage für nachhaltige Bemuskelung

Somit waren die Voraussetzungen gegeben, um jetzt an die Bewegung zu gehen – die dann langfristig für die Bemuskelung sorgt.


Schritt 1: Verständnis für das Anheben des Brustkorbs

Erster Schritt:
Er musste ein Verständnis für das Anheben des Brustkorbs bekommen, um nicht mehr so haltlos nach vorn zu stürzen.

Dabei reicht die Idee völlig aus – Kraft, um ‚viel‘ zu tun, kann er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht haben.


Schritt 2: Aktivierung der Hinterhand

Anschließend kam dann die Hinterhand dazu.
Auch mit den Hinterbeinen stürzte er zu sehr nach vorn und verstärkte so das Kippen des Körpers nach vorn.

Mit satterem Bodenkontakt in den Stützbeinphasen hinten kam die Hinterhand dann endlich ins Arbeiten, machte die Vorhand freier und Dingo begann, im Trab loszulassen und die Oberlinie zu entspannen.

Oktober 2025: Wir nehmen vorsichtig Schub dazu

Schritt 3: Entwicklung von Schub – mit Fingerspitzengefühl

Nachdem das gefestigt war und er sich sehr zuverlässig und konstant im Trab fallen ließ, war dann der Schub an der Reihe.

Kam die Hilfe hierfür zu plötzlich oder zu stark, hob er sich sofort heraus – es galt also, dass passende Maß zu finden.
Auch wenn der Unterschied zwischen ‚er trabt locker vor sich hin‘ und ‚er beginnt zu schieben‘ noch sehr minimal war.

Auch Arbeit im Galopp war dann möglich.


Aktueller Trainingsschwerpunkt: Aktives Heben des Brustkorbs

Aktuell liegt der Schwerpunkt auf dem aktiven Heben des Brustkorbs in der Bewegung.

Die Voraussetzungen dafür sind da:
Er hat bereits die Idee dafür, die Hinterhand arbeitet und hat Kraft bekommen, die Vorhand wurde dadurch freier und kann jetzt aktiv mit der Anhebung des Rumpfs beginnen.

Dingo am Anfang, links, und 11 Monate später, rechts (1)
Dingo am Anfang, links, und 11 Monate später, rechts

Der Vergleich: Am Anfang und 11 Monate später

Hier nochmal der Vergleich:
Dingo am Anfang und 11 Monate später


Fazit: Eine Entwicklung mit Potenzial nach oben

Was für eine schöne Entwicklung!
Und es ist noch Luft nach oben, d.h. ich erwarte, dass da muskulär mit steigendem Können noch mehr kommt.


Unterstützung auf eurem eigenen Weg

Du wünschst dir für dein Pferd auch eine solche Entwicklung?
Ich unterstütze euch gern – hier vor Ort im Raum Dresden über die Trainingspakete oder auch online.

Ich freue mich, von dir zu hören!

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Seitengänge richtig vorbereiten: Wann dein Pferd wirklich bereit für Schulterherein & Co. ist

„Schulterherein ist das Aspirin der Reitkunst.“ – Nuno Oliveira

Oft werden Seitengänge als Allheilmittel beschrieben und erwecken den Eindruck, dass sie einerseits für das Wohlergehen eines jeden Pferdes unvermeidbar sind und andererseits erst ein Reiter, der sie nutzt, ‚etwas kann‘.

Vorab: Dem ist nicht so, Balance und Gesundheit sind auch möglich, ohne Seitengänge zu erreichen.

Wenn du sie aber nutzen möchtest, solltest du sicherstellen, dass dein ‚Aspirin‘ auch die richtigen Zutaten enthält und keine aus billigem weißem Pulver zusammengepresste Fake-Tablette ist.

Deswegen zeige ich dir heute, was diese Zutaten sind.

Traversale

Woran du einen gut ausgeführten Seitengang erkennst

In einem gut ausgeführten Seitengang

  • bleibt das Pferd jederzeit unverändert im Takt
  • ist der Brustkorb angehoben, die Hinterbeine fußen kürzer, Hüft- und Kniegelenke bleiben stärker gebeugt – dadurch entsteht ein kürzerer Rahmen, vermehrte Aufrichtung und der nötige Versammlungsgrad
  • ist der Brustkorb entsprechend der nötigen Biegung minimal rotiert
  • bleibt das Pferd in der Halsbasis stabil – wenn man die Schulterblätter nach vorn verlängern würde, darf sein Kopf diesen ‚Kanal‘ nie zur Seite verlassen
  • werden Kraft und Bewegung nicht mehr parallel zur Wirbelsäule, sondern diagonal durch den Pferdekörper übertragen
  • bleibt es im ganzen Körper losgelassen und deswegen durchlässig an den Hilfen
  • behält es die gewünschte Abstellung auf der gerittenen Linie bei

Da kommen schon ein paar Fähigkeiten zusammen, die ein Pferd bewältigen können muss!

Renvers

Warum gute Grundlagen vor Seitengängen entscheidend sind

Bevor du dein Pferd also ins kalte Wasser wirfst und direkt mit dem Seitengang beginnst, stelle erst einmal sicher, dass dein Pferd diese Fähigkeiten einzeln bzw. dann in weniger komplexen Zusammensetzungen schon beherrscht.

Lass uns also die Komponenten einmal einzeln anschauen:


Takt – bleibt er wirklich stabil?

  • Geht dein Pferd grundsätzlich in einem gleichmäßigen Takt?
  • Bleibt der Takt unverändert, auch wenn ihr von einer geraden auf eine gebogene Linie abwendet?
  • Bleibt der Takt unverändert, auch wenn die gebogenen Linien kleiner werden – bis hin zur Größe einer Volte?

Ø Um das zu können, muss dein Pferd jederzeit den Raumgriff anpassen und auch die Belastung der Hinterbeine ändert sich mit kleiner werdenden Linien. Sie können jetzt nicht mehr so stark schieben und bleiben stärker gebeugt.

Schulterherein

Brustkorb und Vorhand – Anheben ohne Spannungsverlust

Kann dein Pferd in Bewegung den Brustkorb anheben, sodass es den Sattel mehr ausfüllt und der Hals vor dem Sattel breiter wird?

Kann es das, ohne den Takt zu verlieren? Auch im Wechsel auf eine andere Linie? Auch auf zunehmend kleiner werdenden Linien? Und auf beiden Händen gleichermaßen?

Ø Um das zu können, darf dein Pferd zum einen nicht verspannt sein und muss zum anderen dafür schon die nötige Kraft bzw. den nötigen Tonus aufgebaut haben.


Biegung – ohne Abknicken oder Überstellen

Kann dein Pferd in beide Richtungen wenden, ohne im Hals abzuklappen oder sich zu überstellen?

Kann es in Wendungen mit dem Brustkorb symmetrisch bleiben, also weder die innere noch die äußere Seite spürbar ‚abfallen‘ lassen?

Kann es sich auf gebogenen Linien auf beiden Händen biegen – ohne sich mit einer Seite zu stark hängen zu lassen, ohne die Linie zu verlassen, sich zu verwerfen und ohne seitlich mit dem Hals abzuknicken? Auf einem Zirkel, auf einem kleineren Zirkel, auf einer Volte, in einer Ecke?

Ø Um das zu können, muss dein Pferd beide Körperhälften im Rumpf und über den Beinen gleichermaßen stabil halten. Es ist also schon ein gewisses Maß an Geraderichtung notwendig.

Renvers zu wenig Biegung

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Die entscheidende Voraussetzung: Losgelassenheit im Rücken

Und zuletzt die entscheidende Frage – denn ohne diese Qualitäten ist alles andere hinfällig:

Bleibt dein Pferd dabei im Rücken losgelassen und durchlässig an den Hilfen, fühlt sich also stabil und gleichzeitig weich, balanciert und gleichzeitig kraftvoll an?

Ø Ob die Losgelassenheit vorhanden ist oder verloren geht, zeigt dir, ob dein Pferd die o.g. Fähigkeiten wirklich hat und in Balance ist – oder nur gerade so irgendwelche Körperteile irgendwohin halten kann.


Wann ihr wirklich bereit für Seitengänge seid

Wenn du all diese Fragen – insbesondere die letzte – mit JA beantworten kannst: Herzlichen Glückwunsch!

Du hast dann schon richtig gute Grundlagen gelegt und hast ein gut balanciertes und losgelassenes Pferd. Das hat sicher einiges an Zeit und Mühe gekostet, aber: Ihr seid bereit, euch mit den Seitengängen zu befassen!


Und wenn noch nicht alles passt

Da war noch ein oder mehrere NEINs dabei?
Dann hast du gleich eine Liste an Dingen, die ihr üben solltet.

Schulterherein, überstellt im Hals, verworfen im Genick

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Die Dressur ist für das Pferd da – nicht das Pferd für die Dressur.

Dieses Zitat von Bent Branderup hast du sicherlich schon einmal gehört oder gelesen.

Leider wird es gern auch missverstanden, denn:
‚Die Dressur ist für das Pferd da‘ darf nicht heißen, dass man jedes Pferd bis zur Hohen Schule bringen kann, wenn man nur die richtige Herangehensweise findet!

Sondern: In der Ausbildung, in der gymnastizierenden Arbeit, muss es in erster Linie immer um das Pferd gehen.

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Im Verlauf seiner Ausbildung sollte das Pferd an Ausstrahlung gewinnen,
es sollte einen weichen, offenen Blick bekommen,
harmonisch bemuskelt sein,
ein gutes Körperbewusstsein bekommen,
sich kraftvoller, balancierter, harmonischer und geschickter bewegen.

…und all das nicht nur, wenn ich als Mensch dabei bin und ‚anleite‘, sondern auch in seinem Alltag auf der Koppel und dem Paddock und in unerwarteten Situationen.

Das Pferd soll sich in sich wohlfühlen und es soll ihm gut gehen, über möglichst viele Jahre, für ein langes Leben.

Der Gedanke, man könne jedes Pferd bis zur Piaffe oder sonstigen Lektionen der Hohen Schule ausbilden, wenn man nur die richtige Herangehensweise findet, führt aus meiner Sicht zu unnötigem Druck und Stress für Mensch und Pferd.

Es gibt genug Pferde, für die die Erarbeitung der grundlegenden Tragfähigkeit in den Grundgangarten schon sehr viel Anstrengung bedeutet.

Das typische Rheinisch-deutsche Kaltblut, der für Rennen gezogener Traber oder ein Saddlebred-Mix bringen oft weder ein für Tragfähigkeit hilfreiches Exterieur noch den nötigen Muskeltyp mit.
Und dann sieht auch das Ergebnis durchaus unterschiedlich aus, je nachdem, wie lang und gewinkelt die Hinterbeine oder wo der Halsansatz im Verhältnis zur Schulter ist.
Aber auch ein augenscheinlich gutes Exterieur ist kein Garant für die Eignung zur Hohen Schule: Bringt der Oldenburger ausgeprägtes ECVM, MIM plus Hypermobilität mit, können schon die Grundlagen von Stabilität und Reitbarkeit eine große Herausforderung sein.

Und nicht zuletzt spielt der Charakter eine ganz wesentliche Rolle

Versammlung ist anstrengend!
Dafür muss das Pferd eine gewisse Leistungsbereitschaft mitbringen. Es muss sich gern anstrengen, darf sich nicht vor Herausforderungen scheuen und auch geistig ‚auf Zack‘ sein.
Sicherlich kann man das bis zu einem gewissen Grad auch üben.
Aber wenn ein Pferd vom Grundcharakter her Couchpotato ist, lieber kuschelt, als sich zu bewegen und auch nach systematisch aufgebautem Training über Monate hinweg drei Runden Galopp als viel zu unnötig anstrengend findet, wird es nicht bis zur echten Versammlung kommen.
Das Gleiche gilt auch für Pferde mit einem sehr dünnen Nervenkostüm, die sich außergewöhnlich schnell und über die Maßen aufregen und stressen können, sobald es etwas anstrengender oder herausfordernder wird.
Man müsste dafür über Jahre hinweg gegen den Charakter dieser Pferde arbeiten und sorgt damit für so viel psychischen Stress – durchaus auf beiden Seiten! –, dass unterm Strich kein gesundheitlicher Vorteil für das Pferd dabei herauskommen kann.

Mit dem richtigen Charakter kann ein Pferd übrigens ein herausforderndes Exterieur definitiv auch wettmachen. Deswegen gibt es durchaus Kaltblüter, Traber oder völlig verbaute Saddlebred-Mixe, die sehr weit ausgebildet werden können.

Ganz außen vor gelassen habe ich jetzt übrigens den Faktor Mensch.

Auch wir bringen körperlich und charakterlich ganz unterschiedliche Voraussetzungen mit, die Einfluss darauf haben, wie gut wir reiten und ausbilden lernen können.
(Dafür brauchen wir auch noch die passenden Lehrer und Trainingsbedingungen… – es ist ein großes Feld!)

Am Ende ist entscheidend, wie sich dein Pferd tatsächlich entwickelt.

Lass dich nicht stressen, wenn Piaffe und Pirouetten nicht ansatzweise auf der Agenda stehen, sondern fokussiere dich auf das Erarbeiten qualitativ guter Grundlagen innerhalb der Voraussetzungen, die ihr – Pferd und Mensch – mitbringt.

Dann ist die Dressur für dein Pferd da.

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3 Fehler, die den Pferderücken kaputt machen

Der Rücken deines Pferdes ist zu kantig oder du hast Sorge, dass er langfristig zu kantig wird, zu sehr ins Hängen kommt und Schaden nimmt?

Die Gesundheit des Pferderückens steht und fällt mit der Losgelassenheit.

So lange dein Pferd den Rücken verspannt oder festhält und nicht richtig loslässt, kann es weder die richtige Muskulatur nutzen noch wird die benutzte Muskulatur zunehmen – dazu muss nämlich ein ständiges An- und Abspannen der Muskeln stattfinden können, kein Dauerhalten.

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Beispiele für einen gut bemuskelten, gesunden Rücken

Um dem Rücken deines Pferdes etwas Gutes zu tun, solltest du also die folgenden Fehler vermeiden:

  1. Du arbeitest Übungen in einer festgelegten Reihenfolge ab, anstatt hinzuschauen, was dein Pferd heute braucht, um besser zu werden.

    Wenn du einem vorher festgelegten Ablauf folgst, ohne dabei auf die Tagesform deines Pferdes einzugehen, wirst du zum einen keine Losgelassenheit erreichen und zum anderen Gleichgewicht und Bewegungsqualität deines Pferdes nicht verbessern können.
    Muskelaufbau findet so nicht statt.

  2. Du achtest darauf, wie dein Pferd den Kopf hält, aber nicht darauf, ob es im Rücken loslässt oder nicht.

    Wir wissen: Wenn das Pferd über den Rücken geht, lässt es sich im Hals fallen und gibt im Genick nach.
    Aber: Nur, weil der Hals runtergeht und es im Genick nachgibt, geht es nicht automatisch über den Rücken!

    Spüre also immer in den Pferderücken und lerne, wahrzunehmen, wann er losgelassener, wann fester, wann zusammengezogen und wann höher ist, wann er hängt und wann er stabiler ist.
    Darüber findest du übrigens auch heraus, was deinem Pferd hilft, über den Rücken zu gehen!

  3. Du vernachlässigst die Tatsache, dass deine eigene Anspannung und deine eigenen Fehler Auswirkungen darauf haben, wie losgelassen und balanciert dein Pferd gehen kann.

    Auch ein unausbalancierter Sitz, unpassende Hilfengebung und innere Anspannung beim Menschen wirken sich aufs Pferd aus und hindern es an der Losgelassenheit. Pferde merken alles und reagieren darauf!

    Deswegen ist es sinnvoll, vor dem Stall – spätestens aber in den ersten Minuten am oder auf dem Pferd – den Fokus erstmal auf sich selbst zu legen, Verspannungen loszuwerden, die eigene Atmung zu regulieren und auch Gedanken zur Ruhe zu bringen. Meist ist anschließend das Pferd schon viel mehr ‚da‘ als vorher.

Keine Ahnung, wo du anfangen sollst? Frag dein Pferd!

Mach mit ihm die Übungen aus meinem Selbsttest und erfahre dann, welches Balanceproblem ihr zuerst angehen solltet, um die Losgelassenheit zu verbessern.

Wenn du meine individuelle Unterstützung für dich und dein Pferd nutzen möchtest, um Losgelassenheit, Gleichgewicht und feine Hilfengebung zu verbessern, dann bist du bei meinen Trainingspaketen am besten aufgehoben.

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In 3 Schritten zu harmonischeren Übergängen

Dein Pferd reagiert nicht oder zu heftig, wenn es einen Übergang gehen soll?

Die Übergänge gelingen euch nie am Punkt oder nur mit Ach und Krach?
Du hättest gern, dass sie nicht nur überhaupt zuverlässiger klappen, sondern auch harmonischer werden?

Dann lies weiter und ich erkläre dir, was du tun kannst, um eure Übergänge zu verbessern.

1. Das Problem identifizieren

  • Reagiert dein Pferd über und schießt zu heftig los oder bremst zu abrupt?
  • Reagiert dein Pferd gar nicht oder nur auf starken Druck?
  • Hält es die Luft an? Wird es schief?
  • Kann es seinen Takt für die neue Gangart verändern oder hat es keine Kontrolle über seine Beine?
  • Tut es sich auf der gebogenen oder einer geraden Linie leichter?

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2. Die Vorbereitungen deines Pferdes ist die halbe Miete.

Wenn du das Problem identifiziert hast, passe dann deine Vorbereitung entsprechend an. Das überreagierende, angespannte, abgelenkte Pferd braucht ruhige Vorbereitung. Es darf nicht von deinen Hilfen überrascht werden und die Hilfen dürfen auch nicht zu stark gegeben werden. Was zu plötzlich und zu stark ist, sagt dir dein Pferd. Probiere also herum, bis du das richtige Maß gefunden hast.

Das zähe, triebige Pferd braucht mehr Aktivierung. Aber auch hier führt ein Zuviel schnell zu einem negativen Ergebnis: Diese Pferde werden dann noch fester und bewegen sich erst recht nicht mehr. Stelle also sicher, dass seine Beine schneller werden, ohne dass es die Luft anhält oder den Rücken fest macht.

Merkst du schon während der Vorbereitung, dass es nicht gut werden wird, brich den Übergang lieber ab anstatt einen ‚Hauptsache Irgendwie‘ – Übergang durchzudrücken. Damit bestärkst du nur die Muster, die du eigentlich loswerden möchtest.

3. Die richtigen Kriterien

Mach dir immer wieder bewusst, worum es dir geht: Du möchtest einen fließenden, weichen  Übergang mit einem für seinen Ausbildungsstand angemessenen Maß an Durchlässigkeit. Daher hat die Losgelassenheit absolute Priorität.
Eure Übergänge dürfen in der nächsten Zeit länger brauchen und auslaufender sein.
Erst, wenn losgelassene Übergänge eure Norm geworden sind, darfst du dann darauf achten, sie an einem bestimmten Punkt stattfinden lassen.
(Übrigens ist dafür dann nicht das Pferd zuständig, sondern du musst wissen, wann du mit welcher Vorbereitung beginnen musst, damit es am Punkt klappen kann.)
Stelle also immer wieder sicher, dass du deine Kriterien nicht aus Versehen vermischst oder immer wieder änderst – so kann keine Verbesserung stattfinden.

Du scheiterst schon an Punkt eins, der Problemanalyse?
Dann nutze gern meinen Selbsttest. Der zeigt dir, was das aktuell größte Balanceproblem deines Pferdes ist.

Du möchtest ganz individuelle Unterstützung und kleinschrittige Anleitungen für die Hilfengebung?
Dann bist du in meinem Trainingspaket genau richtig.

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