Autor: Sally

Auf dem Weg in die Tragfähigkeit – die Entwicklung eines 16jährigen Wallachs

Heute möchte ich einmal die Entwicklung eines Kundenpferdes mit euch teilen, um zu zeigen, wie individuell dieser Prozess abläuft und dass auch nicht alles auf einmal verändert werden kann.


Ausgangssituation: Kennenlernen eines trageerschöpften Pferdes

Kennengelernt habe ich den Wallach Dingo 16jährig so:

 

Seine Besitzerin hatte schon einiges versucht, aber er baute einfach nicht auf.
Er war offensichtlich trageerschöpft, mit einem in sich gekehrten Blick.
In der Bewegung war er einerseits zu schnell unterwegs, andererseits hat er nicht auf die Hilfen reagiert.

März 2025: So habe ich Dingo kennengelernt

Der entscheidende Knackpunkt: Mentale Abwesenheit vor körperlichen Problemen

Letzteres war auch der Knackpunkt:
So lange er innerlich so zurückgezogen bleibt, können wir auch körperlich wenig für ihn tun.

Erstes großes Ziel war also, ihn mental aus seinem Schneckenhaus zu holen.
Bemuskelung und Bewegungsabläufe durften erstmal so bleiben.


Erste Phase: Mentale Aktivierung durch Clickertraining

Die ersten Wochen etablierte Dingos Besitzerin also das Clickertraining.
Mit Futter als sehr hohem Motivator, sehr kleinschrittigem Input, sehr viel positivem Feedback und ohne groß körperlichen Druck hat dieser Ansatz für ihn sehr gut funktioniert.

August 2025: Dingo beginnt, sich im Trab fallenzulassen

Erste sichtbare Veränderungen: Mehr Losgelassenheit im Körper

Das war auch seinem Körper anzusehen, der im Mai bereits viel gelöster wirkte.


Übergang zur Bewegung: Grundlage für nachhaltige Bemuskelung

Somit waren die Voraussetzungen gegeben, um jetzt an die Bewegung zu gehen – die dann langfristig für die Bemuskelung sorgt.


Schritt 1: Verständnis für das Anheben des Brustkorbs

Erster Schritt:
Er musste ein Verständnis für das Anheben des Brustkorbs bekommen, um nicht mehr so haltlos nach vorn zu stürzen.

Dabei reicht die Idee völlig aus – Kraft, um ‚viel‘ zu tun, kann er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht haben.


Schritt 2: Aktivierung der Hinterhand

Anschließend kam dann die Hinterhand dazu.
Auch mit den Hinterbeinen stürzte er zu sehr nach vorn und verstärkte so das Kippen des Körpers nach vorn.

Mit satterem Bodenkontakt in den Stützbeinphasen hinten kam die Hinterhand dann endlich ins Arbeiten, machte die Vorhand freier und Dingo begann, im Trab loszulassen und die Oberlinie zu entspannen.

Oktober 2025: Wir nehmen vorsichtig Schub dazu

Schritt 3: Entwicklung von Schub – mit Fingerspitzengefühl

Nachdem das gefestigt war und er sich sehr zuverlässig und konstant im Trab fallen ließ, war dann der Schub an der Reihe.

Kam die Hilfe hierfür zu plötzlich oder zu stark, hob er sich sofort heraus – es galt also, dass passende Maß zu finden.
Auch wenn der Unterschied zwischen ‚er trabt locker vor sich hin‘ und ‚er beginnt zu schieben‘ noch sehr minimal war.

Auch Arbeit im Galopp war dann möglich.


Aktueller Trainingsschwerpunkt: Aktives Heben des Brustkorbs

Aktuell liegt der Schwerpunkt auf dem aktiven Heben des Brustkorbs in der Bewegung.

Die Voraussetzungen dafür sind da:
Er hat bereits die Idee dafür, die Hinterhand arbeitet und hat Kraft bekommen, die Vorhand wurde dadurch freier und kann jetzt aktiv mit der Anhebung des Rumpfs beginnen.

Dingo am Anfang, links, und 11 Monate später, rechts (1)
Dingo am Anfang, links, und 11 Monate später, rechts

Der Vergleich: Am Anfang und 11 Monate später

Hier nochmal der Vergleich:
Dingo am Anfang und 11 Monate später


Fazit: Eine Entwicklung mit Potenzial nach oben

Was für eine schöne Entwicklung!
Und es ist noch Luft nach oben, d.h. ich erwarte, dass da muskulär mit steigendem Können noch mehr kommt.


Unterstützung auf eurem eigenen Weg

Du wünschst dir für dein Pferd auch eine solche Entwicklung?
Ich unterstütze euch gern – hier vor Ort im Raum Dresden über die Trainingspakete oder auch online.

Ich freue mich, von dir zu hören!

Ich biete Reitunterricht vor Ort und Online an

Gemeinsam richten wir dein Training neu aus, sodass du mit deinem Pferd spürbare und nachhaltige Fortschritte erreichst!

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Seitengänge richtig vorbereiten: Wann dein Pferd wirklich bereit für Schulterherein & Co. ist

„Schulterherein ist das Aspirin der Reitkunst.“ – Nuno Oliveira

Oft werden Seitengänge als Allheilmittel beschrieben und erwecken den Eindruck, dass sie einerseits für das Wohlergehen eines jeden Pferdes unvermeidbar sind und andererseits erst ein Reiter, der sie nutzt, ‚etwas kann‘.

Vorab: Dem ist nicht so, Balance und Gesundheit sind auch möglich, ohne Seitengänge zu erreichen.

Wenn du sie aber nutzen möchtest, solltest du sicherstellen, dass dein ‚Aspirin‘ auch die richtigen Zutaten enthält und keine aus billigem weißem Pulver zusammengepresste Fake-Tablette ist.

Deswegen zeige ich dir heute, was diese Zutaten sind.

Traversale

Woran du einen gut ausgeführten Seitengang erkennst

In einem gut ausgeführten Seitengang

  • bleibt das Pferd jederzeit unverändert im Takt
  • ist der Brustkorb angehoben, die Hinterbeine fußen kürzer, Hüft- und Kniegelenke bleiben stärker gebeugt – dadurch entsteht ein kürzerer Rahmen, vermehrte Aufrichtung und der nötige Versammlungsgrad
  • ist der Brustkorb entsprechend der nötigen Biegung minimal rotiert
  • bleibt das Pferd in der Halsbasis stabil – wenn man die Schulterblätter nach vorn verlängern würde, darf sein Kopf diesen ‚Kanal‘ nie zur Seite verlassen
  • werden Kraft und Bewegung nicht mehr parallel zur Wirbelsäule, sondern diagonal durch den Pferdekörper übertragen
  • bleibt es im ganzen Körper losgelassen und deswegen durchlässig an den Hilfen
  • behält es die gewünschte Abstellung auf der gerittenen Linie bei

Da kommen schon ein paar Fähigkeiten zusammen, die ein Pferd bewältigen können muss!

Renvers

Warum gute Grundlagen vor Seitengängen entscheidend sind

Bevor du dein Pferd also ins kalte Wasser wirfst und direkt mit dem Seitengang beginnst, stelle erst einmal sicher, dass dein Pferd diese Fähigkeiten einzeln bzw. dann in weniger komplexen Zusammensetzungen schon beherrscht.

Lass uns also die Komponenten einmal einzeln anschauen:


Takt – bleibt er wirklich stabil?

  • Geht dein Pferd grundsätzlich in einem gleichmäßigen Takt?
  • Bleibt der Takt unverändert, auch wenn ihr von einer geraden auf eine gebogene Linie abwendet?
  • Bleibt der Takt unverändert, auch wenn die gebogenen Linien kleiner werden – bis hin zur Größe einer Volte?

Ø Um das zu können, muss dein Pferd jederzeit den Raumgriff anpassen und auch die Belastung der Hinterbeine ändert sich mit kleiner werdenden Linien. Sie können jetzt nicht mehr so stark schieben und bleiben stärker gebeugt.

Schulterherein

Brustkorb und Vorhand – Anheben ohne Spannungsverlust

Kann dein Pferd in Bewegung den Brustkorb anheben, sodass es den Sattel mehr ausfüllt und der Hals vor dem Sattel breiter wird?

Kann es das, ohne den Takt zu verlieren? Auch im Wechsel auf eine andere Linie? Auch auf zunehmend kleiner werdenden Linien? Und auf beiden Händen gleichermaßen?

Ø Um das zu können, darf dein Pferd zum einen nicht verspannt sein und muss zum anderen dafür schon die nötige Kraft bzw. den nötigen Tonus aufgebaut haben.


Biegung – ohne Abknicken oder Überstellen

Kann dein Pferd in beide Richtungen wenden, ohne im Hals abzuklappen oder sich zu überstellen?

Kann es in Wendungen mit dem Brustkorb symmetrisch bleiben, also weder die innere noch die äußere Seite spürbar ‚abfallen‘ lassen?

Kann es sich auf gebogenen Linien auf beiden Händen biegen – ohne sich mit einer Seite zu stark hängen zu lassen, ohne die Linie zu verlassen, sich zu verwerfen und ohne seitlich mit dem Hals abzuknicken? Auf einem Zirkel, auf einem kleineren Zirkel, auf einer Volte, in einer Ecke?

Ø Um das zu können, muss dein Pferd beide Körperhälften im Rumpf und über den Beinen gleichermaßen stabil halten. Es ist also schon ein gewisses Maß an Geraderichtung notwendig.

Renvers zu wenig Biegung

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Die entscheidende Voraussetzung: Losgelassenheit im Rücken

Und zuletzt die entscheidende Frage – denn ohne diese Qualitäten ist alles andere hinfällig:

Bleibt dein Pferd dabei im Rücken losgelassen und durchlässig an den Hilfen, fühlt sich also stabil und gleichzeitig weich, balanciert und gleichzeitig kraftvoll an?

Ø Ob die Losgelassenheit vorhanden ist oder verloren geht, zeigt dir, ob dein Pferd die o.g. Fähigkeiten wirklich hat und in Balance ist – oder nur gerade so irgendwelche Körperteile irgendwohin halten kann.


Wann ihr wirklich bereit für Seitengänge seid

Wenn du all diese Fragen – insbesondere die letzte – mit JA beantworten kannst: Herzlichen Glückwunsch!

Du hast dann schon richtig gute Grundlagen gelegt und hast ein gut balanciertes und losgelassenes Pferd. Das hat sicher einiges an Zeit und Mühe gekostet, aber: Ihr seid bereit, euch mit den Seitengängen zu befassen!


Und wenn noch nicht alles passt

Da war noch ein oder mehrere NEINs dabei?
Dann hast du gleich eine Liste an Dingen, die ihr üben solltet.

Schulterherein, überstellt im Hals, verworfen im Genick

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Die Dressur ist für das Pferd da – nicht das Pferd für die Dressur.

Dieses Zitat von Bent Branderup hast du sicherlich schon einmal gehört oder gelesen.

Leider wird es gern auch missverstanden, denn:
‚Die Dressur ist für das Pferd da‘ darf nicht heißen, dass man jedes Pferd bis zur Hohen Schule bringen kann, wenn man nur die richtige Herangehensweise findet!

Sondern: In der Ausbildung, in der gymnastizierenden Arbeit, muss es in erster Linie immer um das Pferd gehen.

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Im Verlauf seiner Ausbildung sollte das Pferd an Ausstrahlung gewinnen,
es sollte einen weichen, offenen Blick bekommen,
harmonisch bemuskelt sein,
ein gutes Körperbewusstsein bekommen,
sich kraftvoller, balancierter, harmonischer und geschickter bewegen.

…und all das nicht nur, wenn ich als Mensch dabei bin und ‚anleite‘, sondern auch in seinem Alltag auf der Koppel und dem Paddock und in unerwarteten Situationen.

Das Pferd soll sich in sich wohlfühlen und es soll ihm gut gehen, über möglichst viele Jahre, für ein langes Leben.

Der Gedanke, man könne jedes Pferd bis zur Piaffe oder sonstigen Lektionen der Hohen Schule ausbilden, wenn man nur die richtige Herangehensweise findet, führt aus meiner Sicht zu unnötigem Druck und Stress für Mensch und Pferd.

Es gibt genug Pferde, für die die Erarbeitung der grundlegenden Tragfähigkeit in den Grundgangarten schon sehr viel Anstrengung bedeutet.

Das typische Rheinisch-deutsche Kaltblut, der für Rennen gezogener Traber oder ein Saddlebred-Mix bringen oft weder ein für Tragfähigkeit hilfreiches Exterieur noch den nötigen Muskeltyp mit.
Und dann sieht auch das Ergebnis durchaus unterschiedlich aus, je nachdem, wie lang und gewinkelt die Hinterbeine oder wo der Halsansatz im Verhältnis zur Schulter ist.
Aber auch ein augenscheinlich gutes Exterieur ist kein Garant für die Eignung zur Hohen Schule: Bringt der Oldenburger ausgeprägtes ECVM, MIM plus Hypermobilität mit, können schon die Grundlagen von Stabilität und Reitbarkeit eine große Herausforderung sein.

Und nicht zuletzt spielt der Charakter eine ganz wesentliche Rolle

Versammlung ist anstrengend!
Dafür muss das Pferd eine gewisse Leistungsbereitschaft mitbringen. Es muss sich gern anstrengen, darf sich nicht vor Herausforderungen scheuen und auch geistig ‚auf Zack‘ sein.
Sicherlich kann man das bis zu einem gewissen Grad auch üben.
Aber wenn ein Pferd vom Grundcharakter her Couchpotato ist, lieber kuschelt, als sich zu bewegen und auch nach systematisch aufgebautem Training über Monate hinweg drei Runden Galopp als viel zu unnötig anstrengend findet, wird es nicht bis zur echten Versammlung kommen.
Das Gleiche gilt auch für Pferde mit einem sehr dünnen Nervenkostüm, die sich außergewöhnlich schnell und über die Maßen aufregen und stressen können, sobald es etwas anstrengender oder herausfordernder wird.
Man müsste dafür über Jahre hinweg gegen den Charakter dieser Pferde arbeiten und sorgt damit für so viel psychischen Stress – durchaus auf beiden Seiten! –, dass unterm Strich kein gesundheitlicher Vorteil für das Pferd dabei herauskommen kann.

Mit dem richtigen Charakter kann ein Pferd übrigens ein herausforderndes Exterieur definitiv auch wettmachen. Deswegen gibt es durchaus Kaltblüter, Traber oder völlig verbaute Saddlebred-Mixe, die sehr weit ausgebildet werden können.

Ganz außen vor gelassen habe ich jetzt übrigens den Faktor Mensch.

Auch wir bringen körperlich und charakterlich ganz unterschiedliche Voraussetzungen mit, die Einfluss darauf haben, wie gut wir reiten und ausbilden lernen können.
(Dafür brauchen wir auch noch die passenden Lehrer und Trainingsbedingungen… – es ist ein großes Feld!)

Am Ende ist entscheidend, wie sich dein Pferd tatsächlich entwickelt.

Lass dich nicht stressen, wenn Piaffe und Pirouetten nicht ansatzweise auf der Agenda stehen, sondern fokussiere dich auf das Erarbeiten qualitativ guter Grundlagen innerhalb der Voraussetzungen, die ihr – Pferd und Mensch – mitbringt.

Dann ist die Dressur für dein Pferd da.

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3 Fehler, die den Pferderücken kaputt machen

Der Rücken deines Pferdes ist zu kantig oder du hast Sorge, dass er langfristig zu kantig wird, zu sehr ins Hängen kommt und Schaden nimmt?

Die Gesundheit des Pferderückens steht und fällt mit der Losgelassenheit.

So lange dein Pferd den Rücken verspannt oder festhält und nicht richtig loslässt, kann es weder die richtige Muskulatur nutzen noch wird die benutzte Muskulatur zunehmen – dazu muss nämlich ein ständiges An- und Abspannen der Muskeln stattfinden können, kein Dauerhalten.

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Beispiele für einen gut bemuskelten, gesunden Rücken

Um dem Rücken deines Pferdes etwas Gutes zu tun, solltest du also die folgenden Fehler vermeiden:

  1. Du arbeitest Übungen in einer festgelegten Reihenfolge ab, anstatt hinzuschauen, was dein Pferd heute braucht, um besser zu werden.

    Wenn du einem vorher festgelegten Ablauf folgst, ohne dabei auf die Tagesform deines Pferdes einzugehen, wirst du zum einen keine Losgelassenheit erreichen und zum anderen Gleichgewicht und Bewegungsqualität deines Pferdes nicht verbessern können.
    Muskelaufbau findet so nicht statt.

  2. Du achtest darauf, wie dein Pferd den Kopf hält, aber nicht darauf, ob es im Rücken loslässt oder nicht.

    Wir wissen: Wenn das Pferd über den Rücken geht, lässt es sich im Hals fallen und gibt im Genick nach.
    Aber: Nur, weil der Hals runtergeht und es im Genick nachgibt, geht es nicht automatisch über den Rücken!

    Spüre also immer in den Pferderücken und lerne, wahrzunehmen, wann er losgelassener, wann fester, wann zusammengezogen und wann höher ist, wann er hängt und wann er stabiler ist.
    Darüber findest du übrigens auch heraus, was deinem Pferd hilft, über den Rücken zu gehen!

  3. Du vernachlässigst die Tatsache, dass deine eigene Anspannung und deine eigenen Fehler Auswirkungen darauf haben, wie losgelassen und balanciert dein Pferd gehen kann.

    Auch ein unausbalancierter Sitz, unpassende Hilfengebung und innere Anspannung beim Menschen wirken sich aufs Pferd aus und hindern es an der Losgelassenheit. Pferde merken alles und reagieren darauf!

    Deswegen ist es sinnvoll, vor dem Stall – spätestens aber in den ersten Minuten am oder auf dem Pferd – den Fokus erstmal auf sich selbst zu legen, Verspannungen loszuwerden, die eigene Atmung zu regulieren und auch Gedanken zur Ruhe zu bringen. Meist ist anschließend das Pferd schon viel mehr ‚da‘ als vorher.

Keine Ahnung, wo du anfangen sollst? Frag dein Pferd!

Mach mit ihm die Übungen aus meinem Selbsttest und erfahre dann, welches Balanceproblem ihr zuerst angehen solltet, um die Losgelassenheit zu verbessern.

Wenn du meine individuelle Unterstützung für dich und dein Pferd nutzen möchtest, um Losgelassenheit, Gleichgewicht und feine Hilfengebung zu verbessern, dann bist du bei meinen Trainingspaketen am besten aufgehoben.

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In 3 Schritten zu harmonischeren Übergängen

Dein Pferd reagiert nicht oder zu heftig, wenn es einen Übergang gehen soll?

Die Übergänge gelingen euch nie am Punkt oder nur mit Ach und Krach?
Du hättest gern, dass sie nicht nur überhaupt zuverlässiger klappen, sondern auch harmonischer werden?

Dann lies weiter und ich erkläre dir, was du tun kannst, um eure Übergänge zu verbessern.

1. Das Problem identifizieren

  • Reagiert dein Pferd über und schießt zu heftig los oder bremst zu abrupt?
  • Reagiert dein Pferd gar nicht oder nur auf starken Druck?
  • Hält es die Luft an? Wird es schief?
  • Kann es seinen Takt für die neue Gangart verändern oder hat es keine Kontrolle über seine Beine?
  • Tut es sich auf der gebogenen oder einer geraden Linie leichter?

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2. Die Vorbereitungen deines Pferdes ist die halbe Miete.

Wenn du das Problem identifiziert hast, passe dann deine Vorbereitung entsprechend an. Das überreagierende, angespannte, abgelenkte Pferd braucht ruhige Vorbereitung. Es darf nicht von deinen Hilfen überrascht werden und die Hilfen dürfen auch nicht zu stark gegeben werden. Was zu plötzlich und zu stark ist, sagt dir dein Pferd. Probiere also herum, bis du das richtige Maß gefunden hast.

Das zähe, triebige Pferd braucht mehr Aktivierung. Aber auch hier führt ein Zuviel schnell zu einem negativen Ergebnis: Diese Pferde werden dann noch fester und bewegen sich erst recht nicht mehr. Stelle also sicher, dass seine Beine schneller werden, ohne dass es die Luft anhält oder den Rücken fest macht.

Merkst du schon während der Vorbereitung, dass es nicht gut werden wird, brich den Übergang lieber ab anstatt einen ‚Hauptsache Irgendwie‘ – Übergang durchzudrücken. Damit bestärkst du nur die Muster, die du eigentlich loswerden möchtest.

3. Die richtigen Kriterien

Mach dir immer wieder bewusst, worum es dir geht: Du möchtest einen fließenden, weichen  Übergang mit einem für seinen Ausbildungsstand angemessenen Maß an Durchlässigkeit. Daher hat die Losgelassenheit absolute Priorität.
Eure Übergänge dürfen in der nächsten Zeit länger brauchen und auslaufender sein.
Erst, wenn losgelassene Übergänge eure Norm geworden sind, darfst du dann darauf achten, sie an einem bestimmten Punkt stattfinden lassen.
(Übrigens ist dafür dann nicht das Pferd zuständig, sondern du musst wissen, wann du mit welcher Vorbereitung beginnen musst, damit es am Punkt klappen kann.)
Stelle also immer wieder sicher, dass du deine Kriterien nicht aus Versehen vermischst oder immer wieder änderst – so kann keine Verbesserung stattfinden.

Du scheiterst schon an Punkt eins, der Problemanalyse?
Dann nutze gern meinen Selbsttest. Der zeigt dir, was das aktuell größte Balanceproblem deines Pferdes ist.

Du möchtest ganz individuelle Unterstützung und kleinschrittige Anleitungen für die Hilfengebung?
Dann bist du in meinem Trainingspaket genau richtig.

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Warum Sicherheitsregeln dich zur besseren Reiterin machen

Wer kennt sie nicht, all die Sprüche und Regeln, an die man sich im Umgang mit Pferden zu halten hat:

  • niemals den Führstrick um die Hand wickeln

  • niemals Finger durch Ringe von Halftern oder Karabinern stecken

  • ein Pferd immer erst ansprechen, ehe man es berührt – niemals aus dem Nichts berühren, schon gar nicht an der Hinterhand

  • ein Pferd immer an einer massiven Stange oder einem festen Ring anbinden, nicht zu lang anbinden und einen Sicherheitsknoten nutzen

  • erst alles vorbereiten und bereit legen, dann das Pferd holen

  • am Putzplatz alles außerhalb der Reichweite des Pferdes lagern

  • die rechte Körperhälfte des Pferdes wird mit der rechten Hand geputzt, die linke Körperhälfte mit der linken Hand

  • nicht neben das Pferd hocken, sondern nur hinunterbeugen

  • Trense und Sattelzeug erst sortieren, dann dem Pferd anziehen

  • alles ordnungsgemäß verschnallen, nachgurten nicht vergessen

  • Türen und Tore weit genug öffnen und anschließend ordnungsgemäß verschließen

  • nach der Arbeit wird zuerst das Pferd versorgt, dann erst kann der Reiter sich um sich selbst kümmern

  • regelmäßige Lederpflege

  • festes Schuhwerk tragen

Die Liste ist lang und unvollständig und dir vielleicht auch zu anstrengend, wenn du nach der Arbeit noch zu deinem Pferd fährst.

Was aber, wenn ich dir sage, dass du durch die Einhaltung dieser Sicherheitsregeln auch eine bessere Reiterin wirst?

Regeln dienen vordergründig der Sicherheit

Der vordergründige Sinn solcher Regeln ist klar: Sie dienen der Sicherheit.
Sie stellen das Pferd und sein arttypisches Verhalten in den Mittelpunkt und verhindern Unfälle, die passieren können, weil ein Pferd sich einfach wie ein Pferd verhält.

Denn nicht das Pferd muss Rücksicht nehmen, weil du den Führstrick um die Hand gewickelt hast, sondern du musst den Strick so halten, dass du dich nicht verletzen kannst, falls dein Pferd sich erschrecken sollte.

Alle Reitlehrer, Stallbetreiber, Ausbilder und Miteinsteller, die auf die Einhaltung solcher Regeln pochen, haben vor allem die Sicherheit deines Pferdes und dir im Sinn. Wer lange genug mit Pferden zu tun hat, hat schon die ein oder andere gefährliche Situation erlebt und weiß, wie schnell auch mit dem gelassensten Pferd etwas so richtig schief gehen kann.

 

Nachlässig werden wir mit der Einhaltung dieser Regeln gern, weil wir dann weniger Mitdenken müssen und unser Gehirn von Natur aus Energie sparen möchte. Aber genau hier liegt der sekundäre Zweck dieser Regeln: Sie trainieren unsere Konzentrationsfähigkeit.

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Regeln trainieren auch die Konzentrationsfähigkeit

Um mit deinem Pferd fein kommunizieren zu können, musst du aufmerksam genug sein, seine subtilen Äußerungen mitzubekommen.
Um es in jeder Einheit gut abzuholen, die gemeinsame Balance und Bewegung qualitativ zu verbessern und es langfristig gesunderhaltend auszubilden musst du dich während der Arbeit voll auf dich und dein Pferd konzentrieren können.

Wie soll es dir gelingen, dich 45 oder 60 Minuten am Stück ganz auf das gemeinsame Tun zu konzentrieren, wenn du ansonsten eher gedankenlos, unaufmerksam oder immer wieder schnell abgelenkt bist?
Und auch dein Pferd wird sich niemals besser konzentrieren als du es tust – das bestätigt sich in meiner Arbeit mit vielen unterschiedlichen Pferd-Mensch-Paaren immer wieder.

Konzentration kann und muss geübt werden

Natürlich fällt das der einen leichter als der anderen. Genauso wie jemand von Natur aus mehr Muskeltonus oder einen kürzeren Oberkörper haben kann und dadurch bereits mit einem Vorteil ins Reiten startet. Diese Unterschiede sind ganz normaler Teil des Lebens und bedeuten am Ende vor allem eins: Du musst für den einen oder anderen Aspekt einfach mehr arbeiten als jemand, dem das leichter fällt.
Für ein harmonisches Miteinander mit dem Pferd und eine gesunde, pferdegerechte Ausbildung kommt niemand drum herum, sich diese Konzentrationsfähigkeit aneignen zu müssen.

Das kannst du gut im Alltag tun – Achtsamkeit wäre hier das passende Stichwort –, oder mithilfe von einfachen Meditationsübungen.
Oder du schlägst zwei Fliegen mit einer Klappe und siehst Sicherheitsregeln im Umgang mit dem Pferd auch als Übung für eure Aufmerksamkeitsfähigkeit.

Regeln sind keine Einschränkung, sondern Hilfe

Je konsequenter du das im Alltag umsetzt, desto leichter wird es dir auch im Training fallen, klar, fokussiert und fein mit deinem Pferd zu agieren.

Probier es in der nächsten Woche einmal bewusst aus und beobachte, wie dein Pferd reagiert und was sich in der gemeinsamen gymnastizierenden Arbeit für euch verändert!

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Raus aus der Angst: Wie du dich im Sattel wieder sicherer fühlst

Du sitzt im Sattel, das Herz schlägt dir bis zum Hals, deine Hände sind feucht, dein Körper ist wie gelähmt und du wartest nur darauf, dass gleich etwas passiert.

Diese physischen Reaktionen deines Körpers und deine Handlungsunfähigkeit merkt dein Pferd natürlich und reagiert darauf – ein negativer Teufelskreis entsteht.

Was tun?

Dass du diesen Blogbeitrag liest, zeigt, dass das Reiten aufgeben für dich keine Option ist, sondern du eine Lösung finden möchtest. Das ist an sich schon mutig, denn mit Angst möchte dein Körper dich beschützen.

Versuche also, deine Angst als berechtigte Reaktion deines Körpers zunächst einmal zu akzeptieren. Es mag sein, dass andere Reiter in der gleichen Situation keine Angst haben – das macht deine Angst oder dich aber nicht ‚dumm‘.

Raus aus der Angst – Rein ins Handeln

Angst kommt auf, wenn wir das Gefühl haben, eine Situation nicht mehr beeinflussen oder kontrollieren können. Das kann durchaus bereits beim Schrittreiten der Fall sein, wenn das Pferd nicht auf unsere Hilfen reagiert, stark unter Spannung steht oder wir das Pferd überhaupt nicht kennen und nicht wissen, mit welchen Reaktionen zu rechnen ist.

Deswegen können wir der Angst ihre Macht nehmen und sie langsam kleiner werden lassen, in dem wir Stück für Stück wieder ins Handeln kommen und die Kontrolle zurückgewinnen. Denn mit dem Können sinkt die Angst. Du bekommst Vertrauen in deine eigenen Fähigkeiten und bist auch schwierigeren oder unbekannten Situationen nicht mehr hilflos ausgeliefert.

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Positive Erfahrungen sammeln

Eine meiner Kundinnen hat das einmal sehr eindrücklich erlebt:
Auf ihren eigenen Wunsch hin ist sie, als ängstliche Reiterin, unter meiner Aufsicht ein ihr unbekanntes Pferd geritten. Das erste Mal seit Jahren ein Pferd, welches nicht das eigene war.
Mit klopfendem Herzen steigt sie auf – und kann innerhalb der ersten zehn Meter klar benennen, was diesem Pferd für die Geraderichtung fehlte.
Innerhalb der nächsten Minuten stellt sie fest, dass sie auch bei dem unbekannten Pferd mithilfe ihres Sitzes die Schiefe positiv beeinflussen kann, genau wie bei ihrem eigenen. Das Pferd reagiert auf die verbesserte Balance mit mehr innerer Ruhe und einem losgelassenen Rücken.
Sie sagt: ‚Wenn ich das hinbekomme, ist er mit seiner Aufmerksamkeit voll bei mir und ich fühle mich komplett sicher.‘

Was für eine tolle Erfahrung!

Natürlich ist damit ihre Angst nicht einfach weg, aber je öfter sie solche Erfahrungen macht, desto selbstsicherer wird sie sich auf fremden Pferden fühlen.

Was braucht es für dich, um auch so mit der Angst umgehen zu können?

Eine gut durchdachte Vorbereitung.

Meine Kundin hat sich nicht einfach so auf irgendein Pferd gesetzt. Wir haben ein Pferd in ähnlicher Größe ausgewählt, von dem keine kopflosen oder gefährlichen Reaktionen zu erwarten waren und welches ähnliche körperliche Probleme hat wie ihr eigenes.
Für ihr Sicherheitsgefühl habe ich sie zunächst geführt und sie konnte jederzeit bestimmen, ob sie geführt, longiert werden oder frei weiter reiten möchte.

Um trotz Angst wieder handlungsfähig zu werden, spring nicht einfach ins kalte Wasser. Geh nicht mit Hoffen und Beten oder ‚Augen zu und durch‘ an Situationen, die deine Angst verstärken oder tatsächlich unschön ausgehen könnten.
Wähle Situationen aus, denen du dich gewachsen fühlst oder die nur ein kleines Stück außerhalb deiner Komfortzone liegen.
Es ist absolut legitim, gewisse Situationen erstmal zu vermeiden und auch abzusteigen, wenn du dich dadurch sicherer fühlst!
Sicherheit vor Mut.

Fokus auf das, was du tun KANNST.

Aus der Vorbereitung ergibt sich, dass die Situation an sich für dich händelbar bleibt.
Die Kundin aus meinem Beispiel hatte ein Pferd unter dem Sattel, was mehr oder weniger genau das brauchte, was sie zuletzt mit ihrem Pferd geübt hatte. Sie musste nicht mehr oder anders reagieren als sonst, sondern es ‚nur‘ (das ist schwer genug!) schaffen, auf die Fähigkeiten zuzugreifen, die sie bereits hatte.
Das Wichtigste im Umgang mit Angst ist es, in kleinen Schritten wieder ins Tun zu kommen. Statt wie gelähmt zu sein wieder handlungsfähig zu werden.
Es geht also nicht darum, das Pferd schnell wieder voll unter Kontrolle zu bekommen, sondern wieder Herr des eigenen Körpers zu werden. Darauf reagiert auch das Pferd!

Konzentriere du dich also erstmal nur auf EINE Sache, die du tun kannst, um deinen eigenen Zustand positiv zu beeinflussen und dadurch den negativen Teufelskreis, in den du mit dem Pferd kommst, zu durchbrechen.
Am besten ist hier zuallererst der Fokus auf deine Atmung, denn über die Steuerung deiner Atmung kannst du dein gesamtes Nervensystem regulieren. Du solltest also ein Bild oder eine Übung zur Hand haben, mit der deine Atmung wieder tiefer, ruhiger und gleichmäßiger wird. Du kannst deine Atemzüge zählen oder bewusst in den unteren Bauch ein- und durch die Beine Richtung Boden ausatmen. Nimm dir Zeit, ein oder zwei für dich passende Übungen zu finden und die auch außerhalb des Sattels oder in entspannten Situationen zu üben. Dann sind sie auch unter Stress besser abrufbar.

Sinnvoll ist auch der Fokus auf Bilder oder Anweisungen, die dich im Sitz wieder stabiler werden lassen. Das ist unbedingt auch Aufgabe des Reitunterrichts. Wenn du dort also bisher keine Unterstützung erfahren hast, stell sicher, dass deine Reitlehrerin erstens weiß, dass und wann du Angst hast und zweitens mit dir gemeinsam umsetzbare Strategien entwickelt, um Stück für Stück den Weg aus der Angst zu gehen.

Angst ist nicht das Ende vom Lied.

Angst kann der Beginn von mehr Kompetenz sein.
Jede Situation, die du durch bewusstes Agieren meisterst, macht dich sicherer für die Zukunft.

Warte nicht, bis die Angst verschwindet, sondern geh kleine Schritte und sie wird Stück für Stück weniger.

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Wahrnehmung von Pferdeverhalten – warum sie mehr mit dir zu tun hat als mit deinem Pferd

Ein ideales Freizeitpferd? Zwei völlig unterschiedliche Sichtweisen

In meinem Kundenkreis gibt es ein Pferd, was ich als ideales Freizeitpferd bezeichnen würde: Gelassen, klar im Kopf, macht alles mehr oder weniger unkompliziert mit.
Wenn es sich erschrickt, macht es mal drei halbherzige Galoppsprünge, lässt sich aber jederzeit parieren und kommt auch nicht aus dem Konzept, wenn der Reiter mal auf dem Hals landet oder schräg hängt.
Gedanklich verabschiedet es sich gern mal etwas und „träumt vor sich hin“ – in diesen Moment steht es dann einfach nicht gut an den Hilfen, wird aber auch hier nie kopflos.

Die Besitzerin versteht nicht, warum ich das Pferd als unkompliziert und gelassen bezeichne. Sie hält es für angespannt und nicht geländesicher.

Warum die Einschätzung von der Reiterin abhängt

An ihren Fähigkeiten – und das meine ich nicht wertend!
Sie ist noch nicht so sicher im Sattel, hat noch nicht das Gefühl, jederzeit ihren Körper – und damit auch die Reaktion des Pferdes – kontrollieren zu können.
Wenn das Pferd also mal kurz angaloppiert, verliert sie die Balance und wird unsicher.
Außerdem kann sie noch nicht die Sicherheit und Klarheit vermitteln, die dem Pferd sagt: Wir gehen jetzt hier lang, in dem Tempo und der Gangart, sind hier stabil und in jenem Körperteil lassen wir los. Dadurch fehlt dem Pferd teilweise noch die Orientierung.

Sie arbeitet bereits an sich und die beiden werden auf jeden Fall ein gutes Team werden. Das Pferd bringt alles mit, was sie langfristig braucht und genießen kann. Es liegen auch noch locker 15 reitbare Jahre vor ihnen.

Ich kann absolut nachvollziehen, dass sie es also so anders einschätzt als ich.

Wie unterschiedlich dasselbe Pferd wahrgenommen werden kann

Warum erzähle ich das?
Weil ich anhand dieses Beispiels aufzeigen möchte, wie unterschiedlich ein und dasselbe Pferd wahrgenommen werden kann und dass die Ursache viel weniger beim Pferd als bei uns liegt.
Auch wenn das erstmal unbequem zu hören ist.

Wie man ein Pferd wahrnimmt und seine Eigenschaften beschreiben würde – gelassen oder angespannt, aufmerksam oder zu „drüber“, faul oder entspannt – hängt stark von den eigenen Fähigkeiten ab.

Pferdetypen und der Einfluss des Reiters

Natürlich gibt es unterschiedliche Pferde. Manche sind gelassener – und dafür manchmal auch gedanklich sehr langsam –, andere von Natur aus mehr „an“ – und dafür auch schneller drüber.
Manche haben ein hohes Grundtempo, andere einen sehr niedrigen Tonus.
Manchen tut mehr Vorwärts gut, andere müssen lernen, mehr zuzuhören als einfach zu machen.

Wie einfach oder schwierig du ein Pferd findest, hängt aber in erster Linie davon ab, wie gut du mit dem typischen Verhalten dieses Pferdes umgehen kannst.


Beispiele, wie der Reiter das Pferd „verändert“

Du bist schnell angespannt, mehr oder weniger dauergestresst und hast es mit einem Pferd zu tun, was darauf sehr sensibel reagiert und dann auch angespannt und „nervig“ wird. Du wünschst dir, stattdessen ein einfaches Pferd zu haben, ohne ständig aufpassen zu müssen.
Eine Person, die auch in stressigen Situationen ihren eigenen Zustand gut regulieren kann, wird dasselbe Pferd als einfach und unkompliziert empfinden. Denn wenn der Mensch gelassen bleiben kann, ist dieses Pferd es auch.

Mit einem sehr ruhigen Pferd passt es dagegen vielleicht sehr gut, weil es dir leicht fällt, so viel Energie ins Pferd zu bringen, dass es ein angenehmes Tempo bringt – aber übertreiben liegt ihm nicht in der Natur, also fühlst du dich sicher.
Jemand anderes würde dieses Pferd als träge empfinden und hätte vielleicht Probleme damit, überhaupt ein gutes Vorwärts zu etablieren. Jeder Tag wäre dann mit viel Frust verbunden.

Dementsprechend kann sich bei einem anderen Menschen – beispielsweise bei einem Kauf, oder aber schon bei einer Reitbeteiligung – das Verhalten eines Pferdes ändern.


Meine Stute Fayola als Beispiel

Meine aktuell 22-jährige Stute Fayola ist ein absolutes Traumpferd:
Souveräne Leitstute in der Herde, motiviert und leistungsbereit, sensibel, macht gern Tempo, aber ist immer klar im Kopf, voll bei der Sache, denkt mit und im Gelände oder auch mit unsicheren Reitern ein Verlasspferd.

Ich weiß aber, dass sie ein angepasstes Trainingspensum und gymnastizierende Arbeit braucht. Sonst fühlt sie sich in ihrem Körper nicht mehr so wohl und wird dann etwas unsicherer, unaufmerksamer und verliert ihre Durchlässigkeit.
Außerdem gibt es immer wieder Tage, an denen ich ihr ganz bewusst Ruhe und Sicherheit vermitteln muss, damit sie innerlich wirklich loslässt und sich nicht stresst.

Angenommen, sie würde den Besitzer wechseln und diese Person könnte ihr nicht das geben, was sie braucht, wäre sie nach einem Jahr nicht mehr dasselbe Pferd.
Vielleicht würde sie wieder – wie früher – schnell ins Rennen kommen, wäre körperlich dauerhaft angespannt und gestresst und würde im Gelände schreckhaft.
Bei jemandem, der besser ist als ich, würden sich dagegen vielleicht noch mehr positive Eigenschaften herauskristallisieren, für die ich aktuell einfach noch nicht weit genug bin.

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Warum dieses Wissen wichtig ist

Drei Szenarien fallen mir ein, in denen es dir helfen kann, zu wissen, dass die Beschreibung oder Wahrnehmung eines Pferdes viel mit dem Menschen zu tun hat:

1. Im Umgang mit deinem eigenen Pferd

Gibt es Eigenschaften deines Pferdes, die du als schwierig oder problematisch empfindest?
Oder Situationen, in denen du dich überfordert fühlst?
Welche sind das?
Und was müsstest du können, um damit besser umgehen zu können?
Die Beantwortung dieser Fragen ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer noch sichereren und harmonischen Beziehung mit deinem Pferd. Denn dann weißt du, woran du arbeiten kannst.

2. Mit anderen Pferden

Vor allem, wenn dir andere Pferde beschrieben werden, weißt du jetzt, nicht jedes Wort für bare Münze zu nehmen.
Sondern rechne damit, dass du dasselbe Pferd unter Umständen anders wahrnimmst – und beide Menschen haben recht!

3. Beim Kauf eines Pferdes

Hier ist es ganz besonders wichtig, zu wissen, dass der Anzeigentext und die Beschreibung des Verkäufers nicht dem entsprechen müssen, was du wahrnimmst oder auch, wie sich das Pferd nach dem Kauf bei dir zeigt. (Zumal hier für das Pferd in der Regel noch der Stallwechsel hinzukommt.)

Daher solltest du beim Probereiten natürlich genau schauen, wie das Pferd auf dich reagiert, dir gleichzeitig aber auch bewusst sein, ob es Verhaltensweisen gibt, mit denen du auf Dauer komplett überfordert wärst.
Natürlich muss man mit einem neuen Pferd zusammenwachsen, was durchaus mehrere Jahre dauert.
Und wir können und sollten uns als Pferdemenschen auch immer weiterentwickeln.
Dennoch ist es vielleicht keine glückliche Idee, sich als sehr unsicherer Mensch ein ängstliches Pferd zu kaufen.


Fazit: Deine Wahrnehmung schärfen

Dir bewusst zu sein, dass deine Wahrnehmung und Einschätzung von Pferdeverhalten geprägt ist von dem, wie du bist und was du kannst, hilft dir, realistischere Einschätzungen zu entwickeln und zeigt dir auf, wo du dich selber noch weiter verbessern kannst.

Dabei brauchst du Hilfe?
Dann bist du bei mir im Trainingspaket oder Onlinetraining genau richtig – buch dir unverbindlich einen kostenlosen Kennenlern-Call und erzähl mir, wobei du gern Unterstützung hättest.

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Dein Pferd hat überschüssige Energie – was tun?

Es ist wieder so ein Tag, an dem dein Pferd sich viel bewegen will:
Es kann kaum stillstehen, nimmt einiges vorweg und hält Schritt für völlig überbewertet.

Oft wird ein Pferd dann eben besonders viel bewegt – Freilauf, Longieren, Hauptsache hohe Gangarten über einen längeren Zeitraum.

Warum ich davon nicht viel halte und wie ich als Ausbilderin stattdessen damit umgehe, erkläre ich dir in diesem Blogartikel.

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Wir dürfen nicht vergessen, dass Pferde Fluchttiere sind.

Es ist natürliches Verhalten, innere Anspannung oder Stress über Bewegung zu äußern oder auch loswerden zu wollen. Gleichzeitig kann ein fittes Pferd natürlich auch einfach mal übermäßig viel Freude an der Bewegung haben.

Wie aber unterscheide ich das?
Denn ein gestresstes Pferd wird sich über viel Bewegung in hohen Gangarten eher noch mehr Hochschaukeln und maximal irgendwann müde werden (trifft aber auch nicht auf alle Pferde zu – viele Grüße an alle Besitzerinnen blütiger Pferde). Es braucht eher Hilfe beim Runterkommen und Loslassen. Dem gegenüber hat das bewegungsfreudige Pferd keine stressbedingten Anspannungen.

Der wesentliche Marker bei der Unterscheidung ist daher die Durchlässigkeit.

Das bewegungsfreudige Pferd reagiert also energetischer oder etwas heftiger als sonst, dabei aber relativ prompt und vor allem weich und ohne Widerstand. (Natürlich entsprechend seines Ausbildungsstands!)

Das gestresste Pferd ist angespannter. Es fühlt sich fester an, reagiert völlig über oder mit Widerstand gegenüber den Hilfen. Es ist unaufmerksamer und schreckhafter.

Sollte dein Pferd aufgrund beispielsweise einer Trainingsumstellung generell noch sehr selten durchlässig sein, kannst du für die Beurteilung zusätzliche Faktoren mit einbeziehen:

  • Das Trainingspensum: Hatte dein Pferd die letzten ein bis drei Tage deutlich weniger zu tun als sonst?

  • Die Befriedigung seiner Grundbedürfnisse: Hat es genug gefressen und getrunken? (es kann ausreichen, wenn der Heuballen in der Nacht leer wurde) Konnte es schlafen oder war vielleicht eine auffällig unruhige Nacht für die Herde?

  • Mögliche Veränderungen: Gab es Veränderungen in der Herde? Beim Wetter?

  • Gibt es Anzeichen für Schmerzen?

Dein Pferd kann nicht den Mund öffnen und sagen ‚Ich habe schlecht geschlafen‘, sondern du kannst nur an seinem Verhalten erkennen, ob alles gut ist oder nicht. Das Verhalten kann dabei auch unterschiedlich sein – vor allem blutgeprägte Pferde werden bei Hunger, Müdigkeit oder Schmerzen oft nicht matt, sondern drehen richtig auf.

Und wie gehe ich damit jeweils um?

Mit Bewegungsfreude:

Das ist ein schöner Zustand, in dem man viel Freude miteinander haben kann. Vielleicht bietet es sich auch an, die ein oder andere Sache auszuprobieren, die in der Ausbildung als nächstes ansteht, für die sonst aber noch die nötige Kraft fehlt. Wichtig ist aber, letzteres nicht zu übertreiben, um dem Pferd durch zu viel Ehrgeiz die Freude nicht wieder zu nehmen.
Und: Unbedingt trotzdem vernünftig aufwärmen, auch wenn dein Pferd gern direkt von Null auf Hundert loslegen würde.

Mit Stress:

Das Hauptziel hier sollte unbedingt sein, dass dein Pferd gelassener aus der Einheit geht als es gestartet ist. Dafür braucht es ein klares, ruhiges Auftreten und ein gewisses ‚An die Hand Nehmen‘ des Pferdes – denn von allein findet es selten wieder zur Ruhe.

Achtung: Erfahrungsgemäß sind diese Einheiten sehr viel kürzer und benötigen (bzw. erlauben) sehr viel weniger Bewegung als man vielleicht denken würde.

Wie gesagt, das Pferd sollte in einem positiveren Zustand zurück in die Herde gehen als es beim vorher war. Mehr darf nicht verlangt werden, um den Zustand nicht wieder ins Negative kippen zu lassen.

Wie du merkst, ist es immer sinnvoll, etwas genauer hinzuschauen und herauszufinden, wie es deinem Pferd wirklich geht, anstatt schnell Schlüsse zu ziehen, die unter Umständen nicht zutreffen.

Wenn solche Tage bei euch öfter vorkommen, lade ich dich ein, ab jetzt genauer zu beobachten und auch zu probieren, was wirklich der beste Umgang damit ist.

Und wenn du so gar nicht weiterweißt? Unterstütze ich dich gern mithilfe meines Trainingspakets oder Onlinetrainings!

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Anlehnungsprobleme? Dann fokussiere dich auf diese eine Sache:

Du hast dieses Bild vor dem inneren Auge:

Du reitest dein Pferd in den Grundgangarten, ein paar Hufschlagfiguren und einfache Übergänge.
Dabei geht dein Pferd gleichmäßig und locker, in einer gleichbleibenden Haltung mit schön getragenem Hals und konstantem Zügelkontakt.

Das Problem: Die Realität.
Immer wieder verliert ihr die Haltung, dein Pferd hebt sich heraus oder verkriecht sich – von ‚gleichmäßig‘, ‚gleichbleibend‘ oder ‚konstant‘ kann nicht die Rede sein.

So frustrierend das für dich sein mag oder so sehr du dir deswegen Sorgen machst, was für negative gesundheitliche Konsequenzen das für dein Pferd haben wird, eins darfst du nicht tun: Dich nur auf Zügel und Pferdekopf fixieren.

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Wenn dein Pferd noch nicht in Anlehnung geht oder sie immer wieder verliert, konzentriere dich auf das Erreichen der Losgelassenheit.

Losgelassenheit ist eng gekoppelt an das Gleichgewicht der jeweiligen Situation.
Befindet sich ein Pferd in Balance, kann es die Oberlinie loslassen und über den Rücken gehen. Dann kann es auch Hals und Kopf konstanter in einer Haltung tragen – Anlehnung ist dann relativ einfach.
Ist ein Pferd dagegen nicht losgelassen, ist Anlehnung schlicht unmöglich.

Diese Fragen solltest du dir daher stellen:

  1. Was braucht mein Pferd, um so weit ins Gleichgewicht zu kommen, dass es loslassen kann?
    Vielleicht eine größere Linie, einen fleißigeren Takt, mehr Schub, Hilfe beim ersten Anheben oder Geraderichten des Brustkorbs. Vielleicht stört dein Sitz noch zu sehr oder die Hilfengebung kommt zu plötzlich oder zu spät.

  2. Was muss ich tun, um das zu erhalten, damit es auch in 5 Metern noch im Gleichgewicht und losgelassen ist?
    So lange man sich bewegt, ändert sich das Gleichgewicht von Moment zu Moment und kann daher auch mit der nächsten Bewegung – mit dem nächsten Schritt, Tritt oder Sprung – wieder verloren gehen.

Du musst diese Fragen noch nicht sofort beantworten können. Aber durch die Brille dieser Fragen solltest du dich und dein Pferd beim nächsten Ritt wahrnehmen, um den Antworten näher zu kommen.

Ja, das ist komplex, erfordert viel Konzentration und kann langwierig sein.
Und wenn man die Losgelassenheit hat, bleibt sie dennoch fragil – im nächsten Moment kann sie schon wieder verloren gehen und muss dann wieder neu hergestellt werden.

Aber ohne Losgelassenheit ist alles nichts, sie ist der Marker für harmonisches, gesundes Reiten.

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