Autor: Sally

Mein Pferd lässt sich nicht fallen – was soll ich tun?

Du bist mit deinem Pferd auf dem Reitplatz und beginnst nach dem Aufwärmen im Schritt mit den ersten Trabreprisen. Dabei bemerkst du, dass dein Pferd den Rücken nicht loslässt und seinen Hals festmacht. Das ist nicht ungewöhnlich, da ihr dieses Problem regelmäßig habt, aber es frustriert dich dennoch, denn so langsam würdest du schon gern Fortschritte sehen wollen.
Trotz verschiedener Versuche mit unterschiedlichen Tempi, wechselnden Linien und viel Ruhe in deiner Atmung, Stimme und Körperhaltung kommt dein Pferd einfach nicht zum Loslassen.

Du zweifelst an deinen Fähigkeiten als Besitzerin und Ausbilderin deines Pferdes: Was machst du falsch?

Du bist nicht allein

Das Problem der festgehaltenen Oberlinie begegnet jedem Pferdebesitzer im Verlauf der Ausbildung seines Pferdes. Sie ist eins der deutlichsten Zeichen mangelnder Losgelassenheit und kann verschiedene Ursachen haben: Schmerzen, Verspannungen, Unsicherheit, mangelndes Vertrauen, Stress, unzureichendes Gleichgewicht, verwirrende oder schwammige Hilfengebung.

Um das Problem zu lösen, solltest du also unbedingt die Ursache herausfinden und dort ansetzen.
Gehen wir davon aus, dass dein Pferd tierärztlich und therapeutisch überprüft wurde, Ausrüstung, Haltung und Fütterung passen. Es gibt also eigentlich keine körperlichen Gründe wie Schmerzen, die das Fallenlassen verhindern.

Dann bleibt als nächster großer Grund das mangelnde Gleichgewicht des Pferdes.
Hierbei musst du nun bedenken, dass das Gleichgewicht aus mehreren Faktoren besteht, die alle Ursache sein können. Das sind das mentale Gleichgewicht – die Fähigkeit, sich auf den Reiter konzentrieren zu können – und auf der körperlichen Ebene zunächst einmal entweder ausgeprägte Schiefe, fehlende Tragfähigkeit oder mangelnde Schubkraft.

Außerdem sind Pferde unterschiedlich empfindlich gegenüber Schwierigkeiten in der Balance, sodass wir niemals sagen können, dass Ursache X in der Stärke Y zum Festhalten der Oberlinie führt. Was bei einem Pferd funktioniert, muss nicht zwangsläufig beim anderen auch die Lösung sein.

 

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Ehe du nun lange und mühselig herumprobierst und dir am Ende doch nicht sicher bist, ob deine Diagnose stimmt, kannst du dir gern eine Reihe an Übungen zunutze machen, die ich für dich zusammengestellt habe und welche dir präzise beantworten kann, auf welchen Aspekt des Gleichgewichts du dich bei deinem Pferd aktuell vorrangig fokussieren solltest.
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Während du dann dein Training entsprechend umstellst, vergiss nicht, Geduld zu bewahren und kontinuierlich dranzubleiben. Veränderungen brauchen Zeit.

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Du möchtest noch besser verstehen, welche Rolle die Haltung von Kopf und Hals beim Pferd spielen?
Dann ließ gern meinen ausführlicheren Blogbeitrag dazu.

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Freispringen – eine wertvolle Ergänzung zum Training: So machst du es richtig

Freispringen ist eine hervorragende Möglichkeit, dein Pferd gymnastisch zu fördern und seine Beweglichkeit, Koordination und Kraft zu verbessern. Korrekt durchgeführt kann Freispringen dazu führen, dass sich dein Pferd insgesamt besser und kraftvoller bewegen kann.
Deswegen erkläre ich dir in diesem Blogbeitrag, worauf es dabei ankommt, um diese Effekte auch zu erreichen.

 

Warum Freispringen?

Der häufigste Grund für die Überlegung, sein Freizeitpferd freispringen zu lassen, ist das Bemühen um Abwechslung im Training. Das ist allerdings kein ausreichender Grund (wie ich zum Thema Abwechslung im Training stehe, habe ich bereits in einem anderen Blogbeitrag erklärt: https://www.wiebkehasse.de/wieviel-abwechslung-braucht-mein-pferd/ ), insbesondere des verhältnismäßig hohen Aufwands bei der Vorbereitung und Durchführung.
Der größte Vorteil des Freispringens ist sein gymnastischer Wert:
Freispringen fördert Beweglichkeit, Koordination und Schnellkraft des Pferdes. Durch die vorgegebenen Abstände und Höhen muss es sich ständig neu einstellen und verbessert so seine koordinativen Fähigkeiten. Außerdem kräftigen Absprung und Landung vor und nach dem Sprung Hinter- und Vorhand.

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Die richtige Herangehensweise an das Freispringen

Damit es effektiv und sicher ist, sind beim Freispringen sorgfältige Vorbereitung und Durchführung unerlässlich. Folgende Faustregeln solltest du daher beachten:

Häufigkeit:
Es reicht völlig aus, wenn du dein Pferd nur 1- bis 2-mal im Monat freispringen lässt.

Herangehensweise:
Gehe es unbedingt ruhig und systematisch an. Überfordere dein Pferd zu keinem Zeitpunkt und gib ihm die Zeit, die es benötigt, um sich an die Abläufe und Übungen zu gewöhnen.

Notwendige Bedingungen:

  • Platzgröße – dein Pferd sollte vor und nach der Reihe mindestens 10 Meter geradeaus laufen können
  • Material – verwende stabile Stangen, Sprungständer oder Blöcke. Eventuell vorhandene Spiegel sollten abgehangen werden und die aufgebaute Reihe sollte nicht in Richtung eines Eingangs führen, damit kein Pferd sich eingeladen fühlt, über den Eingang nach draußen zu springen.
  • Helfer – pro springendem Pferd sollten mindestens 2 Personen anwesend sein. Davon führt eine das Pferd an die Reihe heran und treibt von hinten. Die zweite Person steht etwas weiter vorn neben der Reihe und treibt dort nach, wenn es nötig sein sollte

Aufbau:

  • Aufwärmen – lass dein Pferd niemals unaufgewärmt traben, galoppieren oder springen!
  • Einführung – beginne ohne Sprünge und lass dein Pferd in Ruhe durch die Gasse gehen. Je nach Stresslevel kann das auch im Schritt erfolgen. Ruhiges Vorwärts hat die oberste Priorität!
  • Steigerung – wenn sich dein Pferd ruhig im Trab durch die Gasse bewegen kann, füge zunächst nur 2-3 Trabstangen vor dem späteren ersten Kreuz hinzu. Sobald das gut klappt, kommt dann nach den Trabstangen das erste kleine Kreuz, nach welchem das Pferd weiter ruhig im Trab oder Galopp durch die Gasse gehen sollte. Der Abstand zwischen der letzten Trabstange und dem Kreuz sollte dem doppelten Trababstand entsprechen.
    Im nächsten Schritt kommt dann mit ca. 10m Abstand ein weiteres Kreuz hin. Klappt das problemlos, wird das zweite Kreuz zunächst zum Steil und dann zum Oxer umgebaut.
    Für weitere Steigerungen empfehle ich die Bücher ‚Springreiten mit System‘ von Linda Allen und ‚Praxishandbuch Freispringen‘ von Claudia Götz als Inspiration.
Hinzufügen Aufbau: Trabstangen mit zwei Kreuzen
Kleines Kreuz
Gesteigerte Anforderungen durch das Ersetzen des zweiten Kreuzes durch einen kleinen Oxer

Beispiele aus dem echten Leben

Erstes Überwinden von Trabstangen mit erstem Sprung - hier noch mit deutlicher Unterstützung

In meiner bisherigen Ausbilderlaufbahn habe ich mit verschiedenen Pferden unterschiedliche Fortschritte beim Freispringen gemacht. So kam ein Traberwallach nie über das erste Kreuz nach den Trabstangen hinaus, wurde dadurch aber wie nebenbei im regulären Training deutlich koordinierter und stabiler. Damit ist er eher die Ausnahme, zeigt aber auch, dass bereits dieses niedrige Niveau einen gymnastischen Wert für ihn hatte. Eine blütige Stute benötigte aufgrund ihres hohen Stresslevels mehrere Monate, um überhaupt den ersten kleinen Sprung bewältigen zu können. Je routinierter die Pferde werden, desto mehr Freude macht es und auch die Steigerung der Anforderungen geht dann – wie bei allem in der Pferdeausbildung – immer zügiger voran.

Die wichtigsten Grundsätze beim Freispringen sind

  • Es geht nicht um Höhe

…sondern darum, dass das Pferd in seinem Körper kräftiger, beweglicher und generell fähiger wird.

  • Wir haben Zeit

…denn kein Pferd soll sich beim Freispringen gehetzt oder gejagt fühlen und gerade unsichere Pferde können eine Weile kleinschrittigen Übens benötigen, ehe sie die ersten kleinen Sprünge stressfrei bewältigen können.

Wenn du dich an diese Faustregeln und Grundsätze hältst, steht euren Versuchen im Freispringen nichts im Wege. Tu dich gern mit Miteinstellerinnen zusammen, sodass ihr euch gegenseitig beim Aufbau und der Durchführung unterstützen könnt.

Viel Freude dabei!

Fotoreihe
Überwinden desselben Hindernisses durch drei verschiedene Pferde – Unterschiede bedingt durch Ausbildungsstand, Exterieur und Interieur

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Verlernt mein Pferd das Reiten in längeren Pausen? Warum du dir keine Sorgen machen musst

Für viele Pferdebesitzerinnen gibt es kaum etwas Frustrierenderes als eine längere Reitpause.
Die Gründe für eine solche Pause können vielfältig sein: gesundheitliche Probleme beim Pferd oder Menschen, berufliche Verpflichtungen, familiäre Angelegenheiten oder auch saisonale Bedingungen wie ungeeignete Bodenverhältnisse.

Viele von uns sorgen sich dann, dass ihr Pferd in dieser Zeit das Reiten verlernt und es so zu deutlichen Rückschritten kommt, sie nicht an das bisherige Training anknüpfen können oder ihrem Pferd allgemein erstmal nicht gerecht werden können.

Diese Sorge kann ich dir abnehmen: Dein Pferd wird das Reiten nicht verlernen.

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Genau so wenig, wie du das Radfahren verlernt hast, obwohl du vielleicht nur noch 2x im Jahr damit fährst.
Was es aber verlieren kann, sind die körperliche Fitness und muskuläre Stärke, die für den Erhalt von Tragfähigkeit, Geraderichtung, Koordination und Beweglichkeit notwendig sind.

Die wahre Herausforderung: Kraft und Kondition

Nach einer längeren Pause wirkt es oft so, als hätte das Pferd bestimmte Fähigkeiten verlernt:
Es lässt sich nicht mehr so leicht fallen, kann das Arbeitstempo nicht mehr halten, die Übergänge sind holperiger und der Galopp hat auch ganz schön gelitten.
In Wirklichkeit fehlt es ihm aber nicht an Wissen, sondern an der nötigen Kraft und Kondition, um die Anforderungen mit der vorherigen Leichtigkeit zu bewältigen. Es versteht also weiterhin, was gemeint ist, KANN es aber nicht in der früheren Qualität ausführen. Deswegen erscheinen Bewegungen weniger präzise oder kraftvoll als du es bisher von deinem Pferd gewohnt warst und es reagiert weniger rittig.

Es ist vollkommen verständlich, von diesen Reaktionen verunsichert oder besorgt zu sein. Du möchtest das Beste für dein Pferd und befürchtest, dass die Pause alle Fortschritte zunichte gemacht hat bzw. machen wird. Das ist menschlich und zeugt vor allem von dem Verantwortungsgefühl und der Bindung, die du zu deinem Pferd empfindest.

Mögliche Lösungen

Lass uns den Fokus dennoch mehr darauf lenken, was du tun kannst, um dein Pferd entsprechend fit zu halten oder zu bekommen.

Wenn dein Pferd reitbar ist, du aber nicht reiten kannst:

  • Kannst du dein Pferd am Boden weiter bewegen?

Dann achte darauf, es hier – im Rahmen seiner Fähigkeiten! – weiter zu fordern und zu fördern, sodass es ein grundsätzliches Level an Kraft und Kondition behält oder sich dabei sogar verbessert.

  • Möchtest du es von anderen reiten oder bewegen lassen?

Bedenke hierbei unbedingt, dass du bei einem schlechteren oder undifferenzierteren Reiter als du es bist, ein negativeres ‚Ergebnis‘ bekommen wirst als bei einer kompletten Reitpause. Wähle daher die andere Reiterin sorgfältig aus. Du könntest sie auch durch Unterricht bei deiner eigenen Reitlehrerin unterstützen lassen. Alternativ könnte auch deine Trainerin das Pferd regelmäßig mit reiten.
Ähnliches gilt auch, wenn jemand anderes dein Pferd für dich am Boden weiter bewegt. Überlege dir genau, wer die passende Unterstützung sein kann, ob und wie du anleitend unterstützen kannst oder welche Vorgaben, was diejenige mit deinem Pferd tut, du gibst.

Wenn dein Pferd nicht geritten werden kann:

  • Wenn es gesundheitlich ausfällt

Halte dich unbedingt an Vorgaben von Tierarzt und Therapeut, was die mögliche und nötige Belastung für dein Pferd angeht. Zu kurze Regeneration sowie zu schnelles Antrainieren ziehen langfristig mehr negative Konsequenzen nach sich als dem Pferdekörper die Zeit zu geben, die er braucht, um wieder vollständig gesund zu werden.

  • Wenn es an wetterbedingt schlechten Bodenverhältnissen liegt

Fahre die Anforderungen deutlich zurück und achte bei den wenigen Dingen, die dadurch vielleicht überhaupt noch möglich sind, umso mehr auf die Qualität der Ausführung. Überlege dir, wo und wie du vielleicht bessere Bedingungen finden und nutzen kannst.
In den Wintermonaten findest du hierzu übrigens Inspiration in meiner Webinaraufzeichnung ‚Winterarbeit‘ in meinem Shop.

  • Baue es langsam wieder auf

Ein durchdachter Trainingsplan, der schrittweise Kraft und Kondition zurückbringt, ist hier der Schlüssel. Dabei ist es wichtig, geduldig zu sein und realistische Ziele zu setzen.
Deine Trainerin sollte dich hierbei gut unterstützen können.

Fazit

Längere Pausen sind kein Grund zur Panik, auch wenn du sie lieber vermeiden würdest.
Mit der richtigen und durchdachten Herangehensweise könnt ihr die Pause gut überstehen und sobald hinterher Kondition und Kraft wieder ausreichend vorhanden sind, nahtlos an euer bisheriges Können anknüpfen.

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So gewinnst du das Vertrauen deines Pferdes

Du möchtest, dass dein Pferd dir mehr vertraut?
Dass es willig und gelassen auf dich reagiert?
Dir Fehler wie eine schlechte Tagesform oder unüberlegte Hilfengebung nicht krumm nimmt?
Auch in schwierigen Situationen versucht, zu tun, wonach du fragst?

Stattdessen nimmt es dir eine aus Versehen zu deutlich gegebene Hilfe drei Tage lang übel, entscheidet in Schrecksituationen komplett ohne dich und wenn du es mal etwas eiliger hast als sonst, geht direkt gar nichts mehr?

Egal, was für eine Vorgeschichte oder welchen Charakter dein Pferd hat – es ist definitiv möglich, das Vertrauen zwischen euch zu verbessern!

Was dafür nötig ist, zeige ich dir in diesem Blogartikel.

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So funktioniert das Beziehungskonto

Lass uns mit einer Metapher starten:
Du weißt, wie ein Konto funktioniert. Du zahlst ein, dadurch hast du ein Guthaben in einer bestimmten Größenordnung, und wenn es nötig ist, kannst du davon nehmen, um etwas zu bezahlen.

Dieses Prinzip übertragen wir jetzt auf ein sogenanntes Beziehungskonto, welches beschreibt, wieviel Vertrauen in einer Beziehung aufgebaut worden ist. Dein Verhalten zahlt entweder ein – weil du dich als freundlich, zuverlässig und umsichtig erweist – oder es bucht ab – wenn du dich unsensibel, egoistisch und ignorant verhältst.
Je höher das aktuelle Guthaben, desto größer das Vertrauen deines Gegenübers in dich. Er wird dir eher Fehler verzeihen, im Zweifel von einer guten Absicht ausgehen und nimmt dir missglückte Kommunikation weniger krumm.
Je geringer das aktuelle Guthaben, desto kleiner das Vertrauen in dich. Kleinere Fehler werden größere Reaktionen auslösen, die dir vielleicht ungerechtfertigt vorkommen.

Diese Metapher für zwischenmenschliche Beziehungen (die ich übrigens aus dem Buch ‚Die 7 Wege zur Effektivität‘ von Stephen R. Covey übernommen habe) übertragen wir jetzt auf die Beziehung zwischen dir und deinem Pferd.
Im Gegensatz zu einer zwischenmenschlichen Beziehung wird hier vorrangig von einer Seite eingezahlt und abgebucht – von deiner.
Aber auch hier gilt: Jede Interaktion mit deinem Pferd zahlt entweder ein oder bucht ab. Und je höher das Guthaben, desto größer das Vertrauen deines Pferdes in dich. Du hast dich mit deinem Verhalten als zuverlässig, liebevoll und umsichtig bewiesen.

Lass mich dir zeigen, wie das im Alltag aussehen kann und wie du dafür sorgst, mehr einzuzahlen als abzubuchen.

Was Pferde als Einzahlungen empfinden:

  • Du gehst im Umgang und Training auf die natürliche Reaktionszeit deines Pferdes ein – sei es Typ ‚Lange Leitung‘ oder ‚Ich mach schon mal‘.

  • Du sorgst dafür, deine Gedanken, Emotionen und Anspannungen schon im Voraus zu regulieren und sie nicht deinem Pferd aufzubürden.

  • Du bist voll und ganz beim Pferd, anstatt 80% der Zeit mit deinen Miteinstellerinnen zu schnacken. Eine gute Zeit für einen Schnack am Stall ist, wenn das Pferd auf der Koppel bzw. dem Paddock steht. 😉

  • Du nimmst Rücksicht auf seine Vorlieben, Stärken, Schwächen sowie seine Tagesform.

  • Ihr macht regelmäßig gemeinsam Dinge, die deinem Pferd Spaß machen, auch wenn sie nicht deine Lieblingsbeschäftigung sind.

  • Du bereitest Anforderungen an dein Pferd in verständlichen Schritten vor.

  • Du überfällst es nicht, sondern hilfst ihm beispielsweise, vom Mittagsschlaf einen guten Übergang in die nötige Aufgewecktheit für einen Ausritt zu finden.

Grundsätzlich gilt: Jede Interaktion, jede Kleinigkeit zählt. Deswegen ist es Voraussetzung für Einzahlungen, dass du mitdenkst. Immer.
Versuche auch, das Wesen Pferd besser zu verstehen, um ihm mehr und mehr gerecht werden zu können.

Je höher das aufgebaute Vertrauensguthaben, desto weniger werden Abbuchungen wie bspw. die folgenden ein Problem sein:

  • Dein Pferd hat Angst, ist dank deiner bisherigen Einzahlungen aber noch in der Lage, auf dich zu achten. Schließlich hast du dich wiederholt als zuverlässig erwiesen.

  • Ihr landet unvorbereitet in einer schwierigeren Situation; vielleicht ein außergewöhnliches Hindernis im Gelände. Dein Pferd behält einen klaren Kopf, denkt mit und achtet trotz erhöhter Anspannung noch genau auf deine Hilfen.

  • Du hast Zeitstress und bist daher ungeduldiger als sonst. Dein Pferd versucht dennoch, mitzumachen anstatt ebenfalls Stress zu bekommen.

Zwei weitere Beispiele für Abbuchungen noch aus dem Alltag mit meinem eigenen Pferd:
Meine Stute Fayola fährt zwar regelmäßig aber nicht gern Hänger. Wir haben beim Verladen keine Probleme (mehr), dennoch war es definitiv eine Abbuchung, als ich vor einigen Wochen aufgrund mehrerer Umstände sehr gehetzt verladen musste. Wir sind zum Hänger gerannt, jede Minute zählte. Noch vor ein paar Jahren wäre sie unter diesen Umständen dem Hänger vehement fern geblieben. Nicht so diesmal: Fayola stieg trotzdem anstandslos und gelassen ein.
Noch eine Weile zuvor musste sie aufgrund einer Schwellung in Bewegung gehalten werden, als ich im Urlaub war. Dabei halfen mir freundlicherweise einige meiner Miteinstellerinnen, die sie mit auf Spaziergänge nahmen. Eine Sache, die Fayola grundsätzlich gern und unkompliziert macht.
Als ich wieder da war, zeigte sie sehr deutlich, dass sie erstmal wieder mehr Einzahlungen braucht. Also habe ich meine Ansprüche hintenangestellt und dafür gesorgt, dass ich viel Zeit mit ihr und für sie hatte, war im Training etwas nachlässiger als sonst und bin mehr ins Gelände gegangen (mit mir ist das für sie etwas anderes als mit ‚fremden‘ Menschen). Nach wenigen Tagen war sie wieder die Alte und unsere Beziehung wieder auf dem gewohnten Level.

Um das Vertrauen deines Pferdes zu gewinnen und eine noch bessere Beziehung aufzubauen, behalte also euer Beziehungskonto im Auge und sorge dafür, beständig für dein Pferd einzuzahlen.

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Was Physio und Osteo für dein Pferd tun können

Wie schön wäre das denn: Einmal im Jahr kommt die Physiotherapeutin oder Osteopathin, löst und richtet im Pferdekörper, was zu lösen und zu richten ist und anschließend habt ihr die perfekten Voraussetzungen für die gemeinsame Arbeit. Bis zum nächsten Jahr, sofern nicht vielleicht ein Sturz, Schlag o.ä. dazwischen kommt.

So einfach ist es natürlich nicht, ein Pferd ist kein Auto, dem im Regelfall eine Durchsicht pro Jahr ausreicht. Lebewesen sind da etwas komplexer als Maschinen.

In der Realität sieht es also eher folgendermaßen aus:

Am Anfang konzentriert sich die Therapeutin auf die wichtigsten oder größten Probleme und behandelt so viel und so weit, wie das Pferd es verträgt.
Sie gibt Hinweise, worauf im Training zu achten ist und schlägt vor, in welchem Abstand der nächste Termin für die nächsten Themen sinnvoll ist.
In der Zwischenzeit richtest du die Arbeit – am besten mit Unterstützung deiner Ausbilderin – darauf aus, was dein Pferd braucht, um nicht wieder in denselben Verspannungen und Blockierungen zu landen, sondern sein Bewegungsbild nach und nach zu verbessern.

So schafft die Therapeutin anfangs vor allem Voraussetzungen, die eine Korrektur der Arbeit ermöglichen.

Denn: Den größten Anteil an einer nachhaltigen Verbesserung hat immer die Art der regelmäßigen Bewegung des Pferdes!

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Über die Jahre hinweg sollte daher bei guter Ausbildung des Pferdes für die Therapeutin immer weniger zu tun sein. Ausnahmen durch Stürze, Schläge, Verletzungen o.ä. natürlich ausgenommen (in so einem Fall sollte zeitnah ein Termin vereinbart werden).
Ihre Rolle wird dagegen mehr und mehr eine des Feedbacks:
Sie hat in größeren Abständen den Blick von außen und kann Rückmeldung geben, was sich durch die Arbeit gut entwickelt und worauf als nächstes stärker geachtet werden sollte.

Am besten ist es dementsprechend auch, wenn Therapeutin und Ausbilderin im Austausch stehen, um dein Pferd und dich ideal unterstützen zu können.

Aufhorchen solltest du vor allen in zwei Fällen:

  1. Dein Pferd geht oder verhält sich nach den Behandlungen immer deutlich schlechter als üblich. Das ist in der Regel ein Zeichen dafür, dass die Therapeutin – wenn auch gut gemeint – mehr gelöst hat, als das Pferd aktuell verträgt. Das darf bei der nächsten Behandlung nicht mehr passieren. Werden vonseiten der Therapeutin solche Rückmeldungen wiederholt übergangen, kann es sinnvoll sein, die Zusammenarbeit zu überdenken.

  2. Dein Pferd hat über Jahre hinweg bei Behandlungen immer dieselben Probleme in mehr oder weniger der gleichen Ausprägung. Das ist ein Hinweis auf unzureichende Qualität in der Arbeit mit dem Pferd.
    In diesem Fall solltest du dein eigenes Training unbedingt überdenken und mit deiner Ausbilderin Rücksprache halten. Wird auch hier der bisherige Stiefel weiter gefahren, anstatt das Vorgehen anzupassen, ist der Ausbildungsansatz und auch die Ausbilderin unter Umständen nicht (mehr) die richtige für euch ist.

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Gute Seite, schlechte Seite – Schiefe beim Pferd

Dein Pferd fällt auf einer Hand deutlich nach innen? Geht am liebsten in Außenstellung? Möchte vielleicht sogar an der Longe nur auf einer Hand gehen?

Dann hat dein Pferd ein Problem mit seiner Schiefe.
Das ist per se erstmal nicht ungewöhnlich – alle Lebewesen auf diesem Planeten sind schief und Geraderichtung ist deswegen wesentlicher Bestandteil einer guten Pferdeausbildung.
Wahrscheinlich würdest du sagen, dein Pferd hat eine ‚gute‘ und eine ‚schlechte‘ Seite, denn auf der einen Hand klappt es ja deutlich besser als auf der anderen.

In diesem Zusammenhang hast du vielleicht auch schon einmal von der ‚Schokoladenseite‘ und der ‚Zwangsseite‘ gehört, welche im Prinzip nichts anderes meinen. Erklärt werden diese Unterschiede in der Regel damit, dass die gute bzw. Schokoladenseite die hohle und die schlechte bzw. Zwangsseite die händige Seite des Pferdes ist.

Die Konsequenz aus dieser Erklärung ist dann, die schlechte Seite mehr zu biegen, um zu einem geradegerichteteren, symmetrischeren Pferd zu kommen.

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Das Problem bei der ganzen Sache: Für viele Pferde trifft diese Zuschreibung nicht zu, denn ihre Schiefe ist genau andersherum!

Bei vielen Pferden ist die hohle – also angeblich bessere – Seite viel instabiler, sodass sie nach innen kippen, das fehlende Gleichgewicht durch Außenstellung von Kopf und Hals auszugleichen versuchen oder vor allem an der Longe sogar jede Gelegenheit nutzen, um die Hand wieder zu wechseln.

Woran das liegt?

Ohne es sicher zu wissen, vermute ich die größere Beweglichkeit (Hypermobilität) der heutigen Pferde, die zwar spektakulärere Bewegungen zulässt, aber deutlich mehr Instabilität mit sich bringt.
Unabhängig von Rasse oder Zuchtziel sind alle Pferde heute – vom Shetty über Konik und Haflinger bis zum Schweren Warmblut – deutlich weicher im Gewebe als noch vor wenigen Jahrzehnten. Was auch immer die Ursache ist, Tatsache bleibt: Die altbekannte, weit verbreitete Denkweise trifft heute oft nicht mehr zu.

Woher weiß ich jetzt, wie die Schiefe meines Pferdes ist?

Wesentlich aussagekräftiger als die Frage, auf welcher Hand sich ein Pferd schlechter biegt oder generell gut arbeiten lässt, sind folgende Punkte:

  • Auf welcher Seite ist der Rücken höher bzw. tiefer?

  • Welche Schulter ist breiter bzw. schmaler?

  • Welches Vorderbein fußt – insbesondere in Wendungen – lotrecht und welches eher schräg in Richtung des anderen Vorderbeins?

Schau also die nächsten Tage mal mit diesen Gedanken im Hinterkopf auf die Bewegungen und den Körper deines Pferdes, um herauszufinden, wie es um seine Schiefe tatsächlich steht. Unter Umständen musst du anschließend deine Strategie der Geraderichtung umdrehen – mit aber deutlich größerem Erfolg.

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Trageerschöpfung – was tun?

Dein Pferd ist trageerschöpft. Das hat dir die Therapeutin deines Pferdes gesagt oder vielleicht bist du auch selber darauf gekommen.

Endlich hast du eine Erklärung für Symptome wie:
Löcher über den Schulterblättern, einen breiten Hängebauch, eine feste Lende, Berührungsempfindlichkeit im Brust- und Gurtlagenbereich, hölzerne und unrunde Bewegungen oder auch beginnende Atemwegsprobleme, Headshaking oder Stolpern.

Du bist einerseits erleichtert, gleichzeitig aber auch erschrocken und vielleicht machst du dir auch Vorwürfe, wie es soweit kommen konnte.

Zuerst einmal: Keine Panik! Eine Trageerschöpfung ist nicht das Ende der Welt und es gibt einen Weg heraus.
Dabei möchte ich dir in diesem Artikel helfen.

Achtung: Ich gehe in diesem Text von Pferden aus, die nicht aufgrund von Schmerzen in eine Trageerschöpfung gerutscht sind, sondern aufgrund (unbeabsichtigter) Trainingsfehler!

 

Das Wichtigste, was du zu diesem Thema wissen musst, ist:
Trageerschöpfung und Tragfähigkeit sind zwei Enden desselben Spektrums.

Und im Laufe seines Lebens bewegt sich ein Pferd immer entweder in die eine oder die andere Richtung dieses Spektrums: Entweder hin zu mehr Tragfähigkeit oder wieder stärker in die Trageerschöpfung.
Ein tragfähiges Pferd befindet sich gut im Gleichgewicht, kann sich und auch seinen Reiter gut tragen. Je weniger tragfähig ein Pferd ist, desto stärkere Probleme hat es mit seinem Gleichgewicht – erst mit, später auch ohne Reiter, bis hin zu Problemen mit oder Schäden an den Sehnen, der Lunge oder anderen Körperteilen und Organen.
Daher ist eine vernünftige Grundausbildung für jedes Pferd essentiell und auch im weiteren Verlauf seiner Ausbildung sollte immer darauf geachtet werden, dass sich die Tragfähigkeit verbessert.

Früher konnte man sagen, dass dieses Spektrum und auch die Begrifflichkeit ‚Trageerschöpfung‘ für Pferde an sich kein Problem sind, wenn sie einfach nur Pferd sind und kein Mensch Ansprüche an ihren Körper stellt – sei das Reiten, Fahren, Springen oder Bodenarbeit.
Leider haben wir Pferde durch Zucht unseren Wünschen und Ansprüchen entsprechend verändert, sodass es inzwischen auch eine Reihe an Pferden gibt, die ohne ein konstantes Arbeiten hin zur Tragfähigkeit auch nicht mal mehr einfach nur auf der Koppel gesund bleiben können. Das gilt besonders für Pferde mit Hypermobilität, MIM (früher: PSSM2) und / oder ECVM.
Das heißt, auch wenn dein Pferd objektiv gesehen gar nicht viel tut, vielleicht auch gar nicht geritten wird, kann es trotzdem trageerschöpft sein und unter den Folgen leiden.

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Wenn du Zusammenhänge, gesundheitliche Auswirkungen und Symptome noch mehr im Detail verstehen möchtest, empfehle ich dir mein Video dazu: Zum Video

Trageerschöpfung beginnt dann, wenn ein Pferd sich nicht (mehr) gesund bewegen kann, wenn es die Anforderungen nicht mehr leisten kann oder es gesundheitliche Auswirkungen gibt. Meist beginnt dieser Prozess schleichend und die Reiterin oder Besitzerin merkt es erst, wenn die Symptome dann schon stärker geworden sind, es deutliche Probleme in der Rittigkeit oder auch gesundheitlicher Art gibt oder eben die Physio oder Osteo sie bei der Behandlung darauf ansprechen.

Diese Entwicklung kann aus zwei Gründen entstehen:

1. Dem Pferd wird in der Ausbildung mehr abverlangt, als es leisten kann.

Zu schnell, zu viel, zu ehrgeizig, zu wenig Pausen oder auch zu wenig Rücksicht auf die Tagesform des Pferdes.
Wie viel ‚zu viel‘ ist, hängt dabei immer vom jeweiligen Pferd ab. Manche Pferde sind zarter besaitet oder haben körperlich größere Schwierigkeiten mit vermeintlich einfachen Dingen als andere.

2. Es gibt keinen roten Faden in der Arbeit mit dem Pferd. Es wird heute so und morgen so gemacht, mal diesen Ansatz mal jenen Trainer ausprobiert, immer ein bisschen nach Tageslaune, gut soll es sich anfühlen und zu anstrengend darf es vielleicht auch nicht sein.

Man kann also auf beiden Seiten vom Pferd fallen: Zu viel und ehrgeizig ist nicht gut, zu wenig und ohne Fahrplan aber auch nicht.

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Was kannst und solltest du jetzt tun, wenn dein Pferd trageerschöpft ist?

  • Ändere die Arbeit mit deinem Pferd grundlegend.

Dafür solltest du einmal in dich gehen und reflektieren, welcher der zwei genannten Gründe bei euch zutrifft.
Ist dir der Ehrgeiz bisher manchmal mit dir durchgegangen oder du hast dich von Aussagen wie ‚Der ist jetzt so und so alt, der muss jetzt dieses und jenes können!‘ zu mehr Druck verleiten lassen, musst du jetzt lernen, etwas langsamer und ruhiger zu machen und mehr Geduld an den Tag zu legen.
Warst du bisher eher beliebig und wolltest nur eine schöne Zeit mit deinem Pferd haben, vielleicht als Ausgleich zu deinem sonstigen Alltag, musst du jetzt lernen, deiner Verantwortung für dieses Lebewesen noch besser gerecht zu werden und mehr System oder Struktur in eure Arbeit zu bringen.

  • Verfalle nicht in Panik oder Aktionismus.

Dass du dir Sorgen um dein Pferd machst und den aktuellen Zustand gern so schnell wie möglich ändern möchtest, ist völlig verständlich.
Der Pferdekörper braucht aber Zeit, um seine Fähigkeiten zu verändern und sich dem neuen Ansatz anzupassen – egal, wie gut der neue Ansatz ist! Also: Einmal durchatmen. Der jetzige Zustand ist schleichend über einen längeren Zeitraum entstanden, deswegen gib dir auch für den Lösungsweg Zeit.
In einem Jahr solltet ihr bei korrekter Arbeit wieder eine gute Basis erreicht haben.

  • Finde heraus, wo du jetzt ansetzen kannst.

Pferde sind Individuen. Daher gibt es keinen pauschalen Weg aus der Trageerschöpfung, der allen Pferden hilft, oder Übungen, die jedes Pferd machen sollte.
Stattdessen solltest du dein Pferd fragen, was es aktuell als größtes Problem empfindet.
Wenn du dort dann ansetzt, wird sich das Gleichgewicht deines Pferdes am deutlichsten verbessern und euch wieder mehr in Richtung Tragfähigkeit bringen.
Die Antwort deines Pferdes findest du am besten mit meinem Selbsttest heraus: Zum Test

  • Achte auf gute Qualität in den einfachen Übungen.

Ob das Übergänge, Hufschlagfiguren oder Stangen sind – entscheidend ist vor allem, WIE dein Pferd sie ausführt. Ausgehend vom Ergebnis deines Pferdes im oben erwähnten Selbsttest weißt du dann auch, welcher Aspekt in der Ausführung aktuell am wichtigsten ist. Und welche du dafür erstmal (!) vernachlässigen kannst.

  • Hole dir dabei Unterstützung.

Wenn du schon länger intensiv mit einer Ausbilderin zusammen arbeitest und dein Pferd trotzdem in der Trageerschöpfung gelandet ist, solltest du diese Zusammenarbeit nochmal überdenken. Vielleicht könnt ihr miteinander sprechen und sie ist bereit, ihren Ansatz für dein Pferd komplett zu ändern. Vielleicht aber auch nicht und dann ist es leider nicht die richtige Unterstützung für dich und dein Pferd.
Außerdem sollte euch eine Therapeutin (Physio oder Osteo) begleiten. Anfangs wird die Therapie vor allem dabei helfen, bessere Bewegungen überhaupt zu ermöglichen, später dient sie vor allem dem Feedback: Geht die Entwicklung deines Pferdes in die richtige Richtung?
Übrigens: Wenn du eine neue Ausbilderin suchst, frag bei den Therapeuten nach, wen sie dir empfehlen würden, wenn du eine gesunde Entwicklung bei deinem Pferd bewirken möchtest. Sie haben oft den besten Einblick, bei welcher Ausbilderin sich die Pferde körperlich am besten entwickeln.

Gern kannst du auch meine Unterstützung nutzen:

Das geht mit dem Trainingspaket oder Onlinetraining, oder zweimal im Jahr in meinem Onlinekurs.
Außerdem findest du auch in meinem Blog weitere Tipps und Hinweise für ein erfolgreiches Training mit deinem Pferd:

Willst du noch mehr für dich und dein Pferd lernen?

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Vom Groben zum Feinen!?

Bestimmt ist dir die Aussage schon einmal untergekommen: Wir kommen in der Pferdeausbildung vom Groben zum Feinen.
In der Regel wird sie als Begründung dafür genutzt, dass Dinge während der Ausbildung nicht immer oder nicht gleich harmonisch oder fein aussehen. Und oft auch als Rechtfertigung dafür, ein junges Pferd oder ein Pferd, welches gerade etwas Neues lernen soll, mit mehr Druck zu arbeiten.
Natürlich kann kein Pferd alles von allein und nicht alles sieht gleich so aus, wie wir es langfristig anstreben.

Dennoch ist es falsch, weniger Können mit mehr Druck zu begegnen.

Wenn mein Pferd etwas noch nicht kann, weil ihm Kraft oder Koordination dafür fehlen oder es etwas noch nicht verstanden hat, liegt die Lösung nicht darin, stärker einzuwirken, bis das Pferd macht, was ich möchte.
Die Lösung liegt vielmehr darin, die eigene Herangehensweise zu überprüfen und zu verbessern, dabei weiterhin feine und präzise Hilfen zu geben – und dem Pferd gegenüber gleichzeitig sogar etwas nachlässiger zu sein.
So lange ich selbst noch schief sitze, kann kein Pferd korrekt gerade gehen, egal, wieviel Bein oder Zügel ich dafür einsetze. Übergänge ohne Vorbereitung überraschen das Pferd und führen immer zum Verlust der Losgelassenheit.
Ich muss also mir selbst gegenüber immer wieder sehr streng sein, damit ich fein einwirken kann – unabhängig davon, wie fein das Pferd bereits reagieren kann.

Nachlässigkeit als Ansporn für dein Pferd

Denn die Ausführung des Pferdes darf auch bei idealer Vorbereitung und Hilfengebung anfangs noch unkoordinierter oder zeitverzögerter sein, schließlich übt und lernt es ja noch.
Diese gewissermaßen ‚Nachlässigkeit‘ dem Pferd gegenüber ist auch auf psychologischer Ebene wichtig:
Da das Pferd keinen Rüffel bekommt, wenn es etwas nicht sofort versteht oder nicht direkt umsetzen kann, erhalte und stärke ich sein Vertrauen in den Menschen.
Es wird dann auch in der Zukunft willig neue Anforderungen und unbekannte Situationen angehen, denn ich habe mich als vertrauensvoller Partner bewährt.

Also: Ja, wir kommen vom Groben zum Feinen.
Aber damit sollte immer der Anspruch gegenüber dem Können des Pferdes gemeint sein und keine Rechtfertigung für gefühllose Kraftreiterei.

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So löst du Probleme mit deinem Pferd

Die junge Araberstute pariert nicht gut durch. Also üben wir durchparieren.

Der Tinkerwallach kommt beim Longieren auf der linken Hand immer rein. Also üben wir, ihn deutlich genug rauszuschicken.

Der ältere Vollblutwallach hebt sich beim Reiten ständig heraus. Also zeigen wir ihm mithilfe der Zügel, dass er den Kopf unten lassen kann.

Die Haflingerstute ist unter dem Sattel schreckhaft. Also beruhigen wir sie.

Der Sportpferdewallach überholt beim Führen. Also schicken wir ihn immer wieder nach hinten, damit er lernt, wo er gehen soll.

Als Ausbilderin kann ich dir sagen: Keine dieser Strategien wird langfristig funktionieren!
Warum?
Sie alle unterliegen einem fundamentalen Denkfehler, der da lautet: Das Problem ist das Problem.

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Das will dein Pferd dir sagen

Das, was wir als Problem wahrnehmen – also jede der oben geschilderten Situationen –, ist immer ein Verhalten des Pferdes, was uns als Menschen stört, verunsichert oder nicht dem entspricht, was wir für richtig halten.
Für das Pferd ist allerdings sein Verhalten die EINZIGE Möglichkeit, mit uns zu kommunizieren!

Lass uns die oben genannten Situationen unter dieser Prämisse, nämlich als Kommunikationsversuch, noch einmal anschauen. Dann müssen wir uns nämlich fragen: Was will das Pferd mir damit sagen?

Das Pferd pariert nicht. Bedeutet: Das Pferd schafft es nicht, anzuhalten.
Das Pferd kommt auf der rechten Hand auf dem Zirkel immer rein. Bedeutet: Das Pferd schafft es nicht, draußen bzw. auf der Linie zu bleiben.
Das Pferd hebt sich raus. Bedeutet: Das Pferd kann seinen Rücken bzw. seine Oberlinie nicht loslassen.
Das Pferd ist unter dem Reiter schreckhafter als am Boden. Bedeutet: Das Pferd fühlt sich mit Reitergewicht unsicherer.
Das Pferd überholt beim Führen. Bedeutet: Das Pferd kann nicht im Tempo des Menschen bleiben.

Wenn diese ‚Übersetzungen‘ der Kommunikationsversuche bei dir jeweils ein Warum auslösen – Warum schafft es nicht, anzuhalten? Warum kann es sich nicht loslassen? Warum fühlt es sich mit Reitergewicht unsicherer? –, dann bist du genau auf der richtigen Spur!

Denn du kannst jetzt über dein Verhalten und über ein Anpassen der Anforderungen weitere Fragen an dein Pferd stellen, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Kannst du das Parieren anders vorbereiten, deine eigene Umsetzung und dein inneres Bild überprüfen, eine andere Linie oder einen einfacheren Übergang wählen?
Das Pferd, welches sich ständig heraushebt: Wie sieht das in einem anderen Tempo oder auf einer anderen Linie aus? Beherrschst du deine eigene Umsetzung gut genug und wie klar (und positiv) ist dein inneres Bild? Kannst du die Anforderungen vereinfachen?
Wann genau hebt es sich heraus? Wann lässt es sich fallen? Was passiert im Moment davor?

Über all diese Änderungen wirst du – vielleicht auch erst einmal sehr kleine! – Momente bekommen, die besser klappen.
Wenn du weißt, was du in diesen Momenten getan hast, kannst du sie reproduzieren.
Je öfter du sie reproduzierst, desto länger und deutlicher werden sie … bis das ursprüngliche Problem irgendwann gar nicht mehr auftaucht.

Probleme = Kommunikationsversuche

Probleme mit dem Pferd löst du, indem du sie als Kommunikationsversuche siehst, versuchst, sie aus Pferdesicht zu verstehen und der Ursache auf den Grund gehst, indem du weiteres Verhalten beobachtest.

Auf diese Art und Weise funktioniert übrigens auch mein Selbsttest für dich: Welcher Bewegungstyp ist mein Pferd?

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Hinterhand aktivieren – darauf kommt es an

Lisas Wallach soll an der Hinterhand mehr aufmuskeln. Deswegen hat sie vor einer Weile das Training angepasst: mehr Übergänge, regelmäßig Stangenarbeit, mehr Arbeit in den höheren Gangarten und Fokus auf ein insgesamt frischeres Tempo. Einen Unterschied kann sie aber beim besten Willen nicht erkennen – die Hinterhand sieht immer noch kantig aus.
Auch beim Reiten hat sie das Gefühl, hinter dem Sattel sei gar kein Pferd mehr, da ‚kommt nix von hinten‘. Sie treibt mehr, aber ohne Erfolg. Schaut sie sich aber auf Videos an, wie das ‚da kommt nix von hinten‘ aussieht, sieht sie ein recht hohes Tempo und auch sehr weites Untertreten der Hinterbeine. Wie kann das sein? Und warum tut sich trotz aller Bemühungen nichts?

Auch Sandras Stute soll eine kräftigere Hinterhand bekommen. Deswegen achtet Sandra darauf, den Schwerpunkt ihrer Stute mehr auf die Hinterhand zu verlagern. Das soll außerdem die Vorhand freier machen. Daher spielt Versammlung in ihrem Training eine große Rolle: Seitengänge, versammeltes Tempo, versammelnde Lektionen.
Das betreibt sie nun schon länger sehr gewissenhaft, aber wirklich zufrieden ist sie nicht – ihre Stute sieht weiterhin eher schwach aus.

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Wie sollen die beiden nun vorgehen, damit sie bei ihren Pferden endlich Ergebnisse sehen?

Beide – Lisa und Sandra – müssen mehr oder weniger das Gegenteil von dem tun, was sie aktuell machen, um ans Ziel zu gelangen. Gleichzeitig ist das Gegenteil von Lisas Ansatz nicht der von Sandra und das Gegenteil von Sandras Herangehensweise ist nicht die von Lisa.

Lass mich das genauer erklären.

Lisa möchte mehr Schub und mehr aktives Arbeiten der Hinterhand. Soweit so gut. Allerdings schießt sie mit ‚Mehr hilft mehr‘ zu sehr übers Ziel hinaus.
Schub ist nur möglich, wenn die Hinterbeine des Pferdes nicht mit bereits voll gestrecktem Knie und Sprunggelenk auffußen. Die Gelenkswinkel müssen sich nach dem Auffußen noch weiter öffnen können, um Kraft zu entfalten und den Rumpf vorwärts schieben zu können. Kürzere Schritte bzw. Tritte und weniger Raumgriff sind hier die bessere Lösung.

Schub ist zusätzlich auch nur dann möglich, wenn die Hinterhand nicht einer nach vorn rennenden oder fallenden Vorhand hinterher eilt. Wenn dein Fahrrad bergab zu schnell wird, kommst du auch nicht mehr zum Treten. Um mehr Schubkraft zu erzielen, darf Lisa ihr Pferd also nicht schneller schicken, als es mit seiner Vorhand noch gut balancieren kann und auch wirklich mit der Hinterhand zum Schieben kommt, anstatt mit der Vorhand zu ziehen.
Dafür ist eventuell auch erst einmal Arbeit an der Vorhand nötig.

Egal ob Stangen, Übergänge, Trab oder Galopp – erst wenn Lisa darauf achtet, dass ihr Pferd die jeweilige Anforderung korrekt ausführt, wird sich ein Erfolg einstellen können.

Dann bekommt sie das Gefühl, im Sattel von der Hinterhand mitgenommen zu werden. Die Bemuskelung ihres Pferdes wird harmonischer, die Kruppe ausgefüllter und ganz nebenbei werden noch die Knie stabiler und die Bewegungen der Hinterbeine insgesamt geschmeidiger.

Sandra verfällt einem ähnlichen Irrtum, allerdings fällt sie sprichwörtlich auf der anderen Seite vom Pferd.
Um die Hinterhand zu kräftigen und die Vorhand freier zu bekommen, müssen die Hinterbeine mehr schieben, nicht weniger. Die Vorhand kann nur freier werden, wenn sie zu ihren eigenen Aufgaben (Stabilisieren und Geraderichten des Rumpfs) nicht noch die der Hinterhand (Vorwärtsbewegung) übernehmen muss. Zusätzlich nimmt der Gedanke, das Gewicht nach hinten verlagern zu wollen, dem Pferd das natürliche Vorwärts – man denkt schließlich von vorn nach hinten. Die Hinterhand bekommt so gar keine Chance, zu arbeiten. Dadurch wird weder die Vorhand freier noch die Hinterhand kräftiger.

Sandra sollte also tatsächlich erst einmal weniger an Versammlung denken und mehr darauf achten, etwas mehr Vorwärts zu reiten und die Hinterhand wirklich ins Schieben zu bringen. Ideal ist der Eindruck, die Pferdebewegung käme mehr ins Fließen nach vorn oder als hätte das Pferd jetzt mehr „Wind im Segel“.


Dieser Eindruck muss (!) auch später in der Versammlung erhalten bleiben – mit dem Unterschied, dass die Energie dann mehr nach oben umgeleitet wird und deswegen die Kraft der Hinterhand als Tragkraft wirkt. Was für ein Kraftakt fürs Pferd!
Auch auf diesem Weg ist immer wieder Arbeit an der Vorhand nötig, denn wir können einzelne Körperteile nicht grundsätzlich getrennt voneinander betrachten.

Wenn du dich bei Lisa oder Sandra ein bisschen wieder gefunden hast, lass mich dir Folgendes mitgeben:

Entscheidend ist am Ende weniger, welche konkreten Übungen und Lektionen ihr nutzt oder übt. Entscheidend ist, wie dein Pferd sie ausführt. Und das setzt immer voraus, dass du verstehst, worum es geht und worauf zu achten ist.

Klingt schlüssig, aber du hättest dabei gern Unterstützung? Die findest du in all meinen Angeboten: Trainingspaket oder Onlinetraining sowie in meinem Onlinekurs.

Du möchtest zu dem Thema dieses Artikels noch mehr ins Detail gehen? Dann empfehle ich dir das Buch von Maren Diehl Die Pferde sind nicht das Problem.

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