Autor: Sally

Wie du dein Pferd garantiert kaputt bekommst

Hinweis: Dieser Blogbeitrag enthält Spuren von Ironie.

Mentaltraining ist heutzutage in aller Munde. Jeder weiß, dass es bei der Bewältigung von Herausforderungen persönlicher, beruflicher, sportlicher, künstlerischer und zwischenmenschlicher Art eine große Hilfe sein kann. Was und wie ich denke, welchen Gedankengängen ich Raum gebe und welchen nicht – all das entscheidet über die Erfolgswahrscheinlichkeit meines angestrebten Ziels.

Aber ist dir bewusst, dass das genauso für den gesundheitlichen Zustand deines Pferdes gilt?

Vielleicht fragst du dich, warum alle Pferdebesitzer:innen um dich herum immer wieder mit körperlichen Schäden bei ihren Vierbeinern zu tun haben:

Ein Sehnenschaden hier, eine Spatdiagnose dort, der Fesselträgerschaden, wiederkehrende Koliken, die Hufrollenentzündung, ständige Magenprobleme, chronische Atemwegsprobleme oder Arthrosen in den Gelenken der Vorderbeine oder den Halswirbeln.

Die Antwort liegt auf der Hand: Es ist alles eine Frage der richtigen Einstellung!

Wenn du dich bei den Reiter:innen deines Umfelds mit einreihen möchtest, findest du hier garantiert erfolgreiche Tipps:

Es reicht nämlich völlig aus, wenn du folgende – und ähnlich lautende – Gedankengänge so lange regelmäßig wiederholst, bis sie dir in Fleisch und Blut übergegangen sind: 

  • ‚Ich entscheide jedes Mal spontan, was wir machen‘  

  • ‚Regelmäßig an eher simplen Dingen zu üben, ist mir zu langweilig – ich möchte lieber machen, was mir Spaß macht‘

  • ‚Der ist jetzt schon 11, deswegen habe ich jetzt einfach mal angefangen, ein bisschen Traversalen zu üben‘

  • ‚Ich schaffe es nur 2x pro Woche, richtig etwas mit meinem Pferd zu machen – wegen [hier nach Belieben ein 2. Hobby, die Familie, den Job, … einsetzen]‘ 

  • ‚Ich möchte mich nicht permanent mit Dingen auseinandersetzen müssen, die mir schwer fallen‘  

  • ‚Übergänge und Konditionstraining sind irgendwie öde. Wann können wir endlich an der Versammlung arbeiten und uns mit Seitengängen, Kontergalopp und Co befassen?‘ 

  • ‚Ja ok, sie bekommen nur zweimal am Tag einen kleinen Haufen Raufutter und der staubt auch meistens ganz schön, aber weiter als 15 Minuten mag ich nicht in den Stall fahren. Außerdem sind die Trainingsbedingungen hier so schön‘

  • ‚Wie bekomme ich es hin, dass er den Kopf unten lässt?‘ 

  • ‚Ich wähle das Tempo immer so, dass es sich für mich gut anfühlt‘

  • ‚In dem Stall, wo sie als Jungpferd stand, waren die Paddocks jetzt nicht sonderlich groß, dafür konnte ich aber mehrmals pro Woche bei ihr sein und gleich von Anfang an eine enge Bindung zu ihr aufbauen‘

  • ‚Der zickt jedes Mal beim Gurten. Rechte Hand läuft er auch schlechter, und links macht er beim Angaloppieren erstmal einen kleinen Buckler, aber danach geht’s dann. Der ist schon immer so.‘

Je nachdem, wie stabil der Körper deines Pferdes gebaut und wie stark sein Charakter ist und auch wie seine bisherige Vergangenheit aussah, kann es bis zur ersten größeren Diagnose durchaus einige Jahre dauern.

Machst du nach der ersten Diagnose und dem Verstreichen der nötigen Zeit zur Rekonvaleszenz weiter wie bisher, verkürzt sich erfahrungsgemäß der Zeitraum bis zur nächsten Diagnose deutlich.

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Jetzt aber mal im Ernst:

Fühlst du dich bei manchen der oben genannten Punkte vielleicht ertappt?

Keine Sorge, damit bist du nicht allein – das ging jedem von uns auf seinem Weg mit den Pferden schon einmal so. 
Wichtig ist jetzt, dass du dieses unangenehme Gefühl zum Anlass nimmst, etwas genau in diesem Bereich zu ändern!

Das kann bedeuten, Ziele realistischer zu formulieren – sodass sie besser zu den Bedürfnissen deines Pferdes, aber auch deinen Lebensumständen passen –, sich Wissen in einem bestimmten Bereich anzueignen oder auch die eigene Einstellung zu manchen Themen zu überdenken.

Denn ungünstigerweise sind die oben aufgeführten Gedanken Ausdruck von ganz oder teilweise

  • fehlendem Bewusstsein für die körperlichen und psychischen Bedürfnisse des Pferdes
  • nicht vorhandenem Verständnis davon, wie Lernprozesse ablaufen müssen, um eine erfolgreiche Weiterentwicklung bewirken zu können
  • fehlendem Überblick über eine gesunde und nachhaltige Pferdeausbildung
  • mangelnder Kenntnis grundlegender Trainingsprinzipien

Du weißt nicht, wo und wie beginnen?

Gern helfe ich dir im Rahmen des Trainingspakets oder des Onlinetrainings dabei, dein Wissen zu erweitern und an den entscheidenden Stellschrauben zu drehen, um eure Entwicklung voranzubringen und dein Pferd dabei langfristig gesund zu erhalten!

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Ein Plädoyer für die grundlegendsten Bahnfiguren

Heute möchte ich eine Lanze brechen für die ganz grundlegenden und „einfachen“ Bahnfiguren: Ganze Bahn, Zirkel und Durch die Ganze Bahn Wechseln.

Für viele Reiter gehören diese Figuren zum Repertoire der Reitanfänger oder vielleicht noch ganz an Anfang und Ende einer Einheit. Doch sobald ‚richtig‘ geritten wird, beschäftigt man sich mit anspruchsvolleren Bahnfiguren und Lektionen – vielleicht auch, um sich von den Experten an der Bande nicht vorwerfen lassen zu müssen, gedankenlos Runden zu schrubben.

So abgetan zu werden, wird ihnen aber bei Weitem nicht gerecht. Was wäre, wenn du nur mithilfe dieser Hufschlagfiguren dein eigenes Können und die Bewegungsqualität deines Pferdes spürbar verbessern könntest? Ein großer Vorteil der grundlegenden Bahnfiguren ist die relativ gleichförmige Linienführung und dass etwaige Änderungen nicht sehr schnell aufeinanderfolgen. Das bietet dir die Möglichkeit, dich in Ruhe auf ein bis zwei Aspekte zu konzentrieren – insbesondere, wenn du schnell einen Knoten in Kopf oder Körper bekommst oder dich manchmal fragst, wie du ein Schulterherein gut balanciert hinbekommen sollst, wenn es schon so anspruchsvoll ist, einen Zirkel in gutem Gleichgewicht zu reiten (und ja, ein gut gerittener Zirkel IST schwer!).

Solche Aspekte können sein:

1. Deine Atmung beim Reiten

Insbesondere wenn du oder dein Pferd (oder beide) dazu neigt, unsicher oder ängstlich zu sein, ist der Fokus auf die Atmung ein wesentlicher Baustein für mehr Ruhe und Sicherheit. Die Atmung ist unsere einzige Möglichkeit, auf das vegetative Nervensystem einzuwirken, dessen Funktionen (wie beispielsweise Steuerung von Herzfrequenz und Verdauung) ansonsten von uns nicht bewusst steuerbar sind. Unter Stress, Unsicherheit und Angst führt das automatisch zu körperlichen Reaktionen, die Losgelassenheit und Vertrauen in dich selbst und dein Pferd schwer bis unmöglich machen.

Und dass ein Pferd auf einen angespannten Reiter immer mit eigener Anspannung und Unsicherheit reagiert, ist dir sicher klar.

Ist das also immer mal wieder Thema in deiner Reiterei, kannst du die einfachen Bahnfiguren nutzen, um dich voll und ganz darauf zu konzentrieren, bewussten Einfluss auf die Qualität deiner Atmung zu nehmen, zum Beispiel folgendermaßen:

  • gleichmäßige Atmung
  • ruhige Atemfrequenz
  • tiefes Ein- und Ausatmen
  • tiefe Atmung bei gleichzeitigem Erhalt der Körperspannung

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2. Dein Sitz im Sattel

Neben der Atmung gibt es noch unzählige andere Dinge, die jeder Reiter an seinem Sitz verbessern kann – egal, wie lange du schon reitest und auf welchem Niveau du dich befindest.

An erster Stelle sollte natürlich die Korrektur stehen, an welcher du aktuell mit deiner Trainerin bearbeitest. 

Zusätzlich dazu habe ich noch ein paar Vorschläge für dich:

  • Achte darauf, ob es dir gelingt, dauerhaft im Gleichgewicht zu bleiben. Das bedeutet beispielsweise: beide Sitzbeinhöcker sind durchweg gleich belastet; beide Hüften befinden sich auf gleicher Höhe, beide Knie befinden sich auf gleicher Höhe und du fällst weder nach vorn noch nach hinten.
  • Übe das Reiten mit verschiedenen Bügellängen: Vom tiefen Sitz mit elastisch-langen Bein bis zum leichten Sitz mit ganz kurzen Bügeln. Achtung: Auch bei langer Einstellung der Bügel, sollte dein Bein im Kniegelenk noch etwas gebeugt sein!
  • Übe, dauerhaft aufmerksam in deinen und den Körper deines Pferdes hineinzuspüren, um jede Änderung wahrzunehmen.
  • Übe, deine Hilfengebung noch mehr zu differenzieren, indem du jede Einwirkung rechtzeitig und konzentriert vorbereitest und deinen eigenen Körper – insbesondere von den Knien bis zum Rumpf – stärker in die Pflicht nimmst, präzise zu arbeiten.
Bahnfigurenreiten4
Gerade Vorwärts an der kurzen Seite

3. Der Takt von dir und deinem Pferd

 Damit kommen wir zu Themen, die mehr auf das Pferd fokussiert sind: Ein gleichmäßiger Takt hilft nicht nur beim Erreichen und Erhalten der Losgelassenheit, sondern ist bereits ein erster Schritt zur Geraderichtung.

  • Achte darauf, sowohl auf der Geraden als auch in jeder Wendungen, einen gleichmäßigen Takt beizubehalten.
  • Finde heraus, wie flach oder tief die Ecken sein können, ohne dass ihr den Takt verliert.
  • Verkürze den Raumgriff in Wendungen minimal und erweitere ihn auf gerade(re)n Linien wieder etwas, ohne den Takt zu verlieren.

4. Die halbe Parade

Als eins DER wirkungsvollsten Tools in der Pferdeausbildung kann man Halbe Paraden eigentlich nicht zu oft durchführen. Sie bereiten jeden Übergang, jeden Wechsel in eine Lektion vor und verbessern die Tragkraft jedes Pferdes.

  • Achte darauf, in den Halben Paraden im Sitz nicht schief zu werden.
  • Achte darauf, dass der Pferderumpf in der Halben Parade nicht schief wird.
  • Achte darauf, dass der Pferderumpf in der Halben Parade dir unter dem Sattel spürbar etwas entgegenkommt.
  • Achte darauf, in der Halben Parade den Takt nicht zu verlieren.
  • Übe, deine eigene Körperspannung in der Halben Parade beizubehalten bzw. idealerweise noch etwas zu erhöhen, ohne dabei hart oder fest zu werden.
  • Übe, dein Zügelmaß der zunehmenden Aufrichtung deines Pferdes angemessen anzupassen, ohne zu viel Druck entstehen zu lassen oder den Kontakt zum Pferdemaul zu verlieren.
 
Halbe Parade in der darauffolgenden Ecke

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Bahnfigurenreiten2
Beginnendes Aufrichten beim Antrainieren nach mehrmonatiger Krankheitspause

5. Die Übergänge

Auch in den Übergängen – sowohl nach unten als auch nach oben – kannst du darauf achten, dass

  • ihr beide nicht schief werdet
  • der Pferderumpf oben bleibt
  • das Pferd nicht ins Stocken kommt und kurzzeitig den Takt verliert
  • du weder ins Ziehen noch ins Schieben oder Drücken kommst, um die Gangart zu wechseln, sondern die Hilfen in erster Linie aus deinem Rumpf kommen und so Kopf, Hals und Rücken in ihren Bewegungen nicht gestört werden.

Dabei können Übergänge auch erstmal etwas länger dauern, sofern euch das hilft, sie in einer besseren Qualität – ohne Verlust von Takt, Losgelassenheit oder Anlehnung – durchzuführen.

Steigern kannst du das Ganze später durch das Reiten verschiedener Tempi, vor allem in Trab oder Galopp, mit denselben Ansprüchen und dann durch Übergänge, die eine Gangart überspringen, wie beispielsweise Trab-Halt oder Schritt-Galopp.

 

6. Geraderichtung deines Pferdes

Nicht zuletzt kannst du das Reiten auf großen einfachen Linien nutzen, um den Pferderumpf geradezurichten.

Bei jedem Schritt, Tritt oder Sprung kannst du üben, den Pferderumpf etwas stärker von der händigen Seite hin zur hohlen Seite schwingen zu lassen, bis sich dein Pferd unter dir auf beiden Händen gerader anfühlt und die Linien konstanter halten kann.

Achte darauf, dabei selber immer gerade und mittig sitzenzubleiben sowie Zügel und Bein nur minimal einzusetzen.

 Wie du siehst, können je nach Ausführung, damit alle Punkte der Ausbildungsskala – inklusive der vorher nötigen Zwanglosigkeit – zumindest in ihren Anfängen abgedeckt werden: Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichtung und Versammlung. Während es für den Betrachter an der Bande vielleicht weiterhin nur nach ‚ein bisschen außen rum reiten‘ aussieht.

Mach es dir also nicht unnötig schwer, indem du dich zu Abfolgen zwingst, die euch aktuell noch überfordern, sondern nimm dir die Zeit, anhand der grundlegenden Bahnfiguren eure Fähigkeiten in den Grundgangarten zu verbessern. 

Je souveräner dir die Ausführung gelingt, desto leichter ist dann der Schritt zu kleineren gebogenen Linien, schneller aufeinander folgenden Bahnfiguren und später Lektionen wie den Seitengängen.

Geraderichten des Rumpfs auf gerader Linie

Fazit:
Durch das Reiten von Ganzer Bahn, Zirkel und Durch die Ganze Bahn Wechseln kannst du enorm viel für eure gemeinsame Entwicklung tun!

Außerdem hoffe ich, dass du dir auch anderen Reitern gegenüber nun bewusst bist, dass auch wer ‚immer nur Zirkel reitet‘, vielleicht ganz aufmerksam daran arbeitet, ihr Gleichgewicht gemeinsam mit ihrem Pferd qualitativ zu verbessern. 

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Das ideale Arbeitstempo für dich und dein Pferd

  • Du möchtest dein Pferd im Trab trainieren, vielleicht, um die Ausdauer zu verbessern, die Hinterhand oder die Rumpfträger zu kräftigen, und dein Pferd ist den Großteil der Zeit zu eilig, zu angespannt und zu gestresst unterwegs.
  • Du kommst mit den Hilfen nicht recht durch und wenn dein Pferd dann reagiert, dann oft zu stark: So pariert es fast durch, wenn du es nur etwas ruhiger traben möchtest, und treibst du dann wieder nach, schießt es viel zu heftig wieder los.
  • Deine bisherigen Versuche, mehr Ruhe in dein Pferd zu bekommen – durch Stangenarbeit, vermehrte Biegung oder häufigere Linienwechsel – waren bisher nicht nachhaltig von Erfolg gekrönt: Sofern es sich innerhalb der Übung überhaupt etwas entspannt hat, war der Effekt wenige Sekunden später beziehungsweise bei der nächsten Ablenkung gleich wieder vorbei.

Wenn du dich und dein Pferd hier wiederfindest, hast du sicher bereits gemerkt, dass dieser Zustand deines Pferdes einem konzentrierten Training und insbesondere dem Erreichen der Losgelassenheit komplett entgegensteht.
Dabei sind das doch genau die Dinge, die deinem Pferd guttun und euch langfristig voranbringen würden.

Im für sich idealen Trabtempo, dem sogenannten Arbeitstrab, kann ein Pferd Takt und Tempo ohne vermehrte Anstrengung, wie sie später beim Erarbeiten von vermehrter Biegung, verschiedenen Tempi oder Lektionen wie Seitengängen erstmal nötig sein wird, halten. 

Es befindet sich in einem guten Grundgleichgewicht und kann deswegen in der Oberlinie loslassen – die ideale Voraussetzung für die weitere Ausbildung.
Gleichzeitig hat das losgelassene Gehen auch aus gesundheitlicher Sicht große Vorteile, denn dauerhaft angespanntes Gehen schränkt die Atmung ein, erhöht den Stresslevel des Pferdes und beeinträchtigt die Funktion von Gehirn, Immunsystem und Verdauung – um nur einige zu nennen.

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Das Arbeitstempo ist also Grundvoraussetzung pferdegerechter Ausbildung!

 

Allerdings hast du ja bereits gemerkt, dass es nicht ausreicht, einfach abzuwarten, bis das Pferd von allein das passende Tempo gefunden hat.

Was also tun, um es gemeinsam stressfrei zu erarbeiten?

Um insbesondere den zu starken Reaktionen deines Pferdes zu begegnen, ist es wichtig, Nuancen in Hilfengebung und Reaktion zu finden.

Lass uns hierfür eine Skala von 0 bis 10 zu Hilfe nehmen:
Bei der Arbeit im Trab wäre die Zahl 0 die niedrigere Gangart, also Schritt, und 10 die höhere Gangart, Galopp.
Unser angestrebtes Tempo, der Arbeitstrab, ist die 5.

Du beginnst, indem du das Tempo deines Pferdes erst einmal ständig innerhalb dieser Skala einordnest: Bei jedem Tritt, in jeder Sekunde solltest du eine Zahl zwischen 0 und 10 benennen können.

Eine Zirkelrunde könnte also in deinem Kopf folgendermaßen aussehen:
6 – 6 – 4 – 3 – 5 – 6 – 7 – 7 – 6

oder an einem spritzigeren Tag eher so:
8 – 9 – 7 – 8 – 2 – 8 – 6 – 3 – 8

Diese stetige und genaue Beobachtung erfordert einiges an Konzentration und Übung. Sie ist aber notwendig, denn darauf baut anschließend die Abstimmung deiner Hilfen auf: Bei jedem Tritt, in jeder Sekunde gibst du eine Hilfe, die dein Pferd von seiner aktuellen Zahl näher in Richtung der angestrebten 5 bringt.

Rennt es also in einem relativ hektischen Tempo von 8, solltest du sanft und ruhig parierend einwirken. Reagiert es, indem es sofort auf 1 herunterschaltet und fast durchpariert, ist sofort eine freundlich treibende Erinnerung notwendig.

Beispiel_unter_5_-_zu_niedrig_2
Hier ist das Tempo unter 5 und damit zu niedrig.
Hier ist das Tempo auch noch zu gering.
Beispiel_5_-_ideales_Tempo
Ideales Tempo gefunden!
Auch das ist noch das perfekte Tempo.
Beispiel_über_5_-_zu_hoch
Hier ein Beispiel für zu hohes Tempo über 5
Beispiel_über_5_-_zu_hoch_2
Hier ist das Pferd auch noch zu schnell.

Jede Reaktion deines Pferdes ist gleichzeitig Feedback für dich:

War meine Hilfe ausreichend oder muss ich beim nächsten Mal etwas deutlicher einwirken, um eine Reaktion zu bekommen? War meine Hilfe zu stark und ich sollte beim nächsten Mal probieren, etwas weniger zu tun, damit die Reaktion dichter an der 5 stattfindet?

Achte darauf, nie zu abrupt oder zu heftig einzuwirken, denn dein Pferd wird darauf ebenfalls zu stark reagieren und anschließend zu weit auf der anderen Seite der 5 landen, d.h. zu deutlich bremsen oder aus dem zu langsamen Tempo sofort ins Eilen kommen.

Treibende Hilfen kannst du gern animierend mit etwas erhöhter Energie unterstützen, parierende Hilfen dagegen eher beruhigend ausführen.

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Was du tun kannst, damit dein Pferd von der Stangenarbeit tatsächlich profitiert

Es hilft beim Muskelaufbau, erklärt dem Pferd das Anheben des Brustkorbs, verbessert Beweglichkeit, Koordination und Anlehnung und ist wichtig, um Abwechslung in den Trainingsalltag zu bringen – zu all diesen Zwecken wird Stangentraining schnell und oft angepriesen.

Sobald ein Pferd sich bei der Stangenarbeit allerdings überfordert fühlt, wird es sich verspannen und auch mental gestresst reagieren. Das wiederum verhindert ein regelmäßiges An- und Abspannen der Muskulatur (und bei Daueranspannung kein Muskelwachstum!), das Anheben des Brustkorbs, verstärkt hektischen Beinsalat sowie kompensatorische Bewegungsmuster und macht tatsächliches Lernen unmöglich.

Wie bei allem in Reiterei und Pferdeausbildung ist auch bei der Stangenarbeit das WIE der Ausführung ganz entscheidend.

Denn dadurch wird bestimmt, ob körperliche und auch seelische Gesundheit unseres Pferdes davon langfristig profitieren oder wir den Verschleiß verschnellern.

Ist die Ausführung losgelassen, taktmäßig, mit schwingendem Rücken und gleichmäßig schiebenden Hinterbeinen, wird Stangenarbeit die Bewegungsabläufe verbessern und kann einen guten Anteil zum Muskelaufbau beitragen.

Wie du das erreichen kannst, möchte ich dir in diesem Blogartikel zeigen: Wir werden uns dabei auf die Stangenarbeit an der Longe in der Arbeitsgangart Trab konzentrieren.

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Bevor du dein Pferd wirklich über Stangen longieren kannst, müssen zwei Voraussetzungen gegeben sein:

  1. Dein Pferd trabt an der Longe losgelassen und taktmäßig. Es kommt nicht ständig aus dem Gleichgewicht, verspannt sich, rennt oder stoppt andauernd.
  2. Ihr könnt im Trab an der Longe Tritte minimal verkürzen oder verlängern, ohne dadurch Takt und Losgelassenheit zu verlieren.

Sind diese Punkte bei euch noch nicht erfüllt, solltest du erst mal Zeit investieren, sie zu erarbeiten. Denn kann dein Pferd ohne Stangen noch nicht losgelassen traben, wird es das auch mit Stangen nicht lernen. Stangenarbeit erhöht die Anforderungen an das Pferd – was in diesem Fall definitiv zu Überforderung führen würde.

Nimm dir also die Zeit, das passende Arbeitstempo für dein Pferd zu finden und die Hilfengebung zu verfeinern. Auch wenn Stangenarbeit dadurch erst mal mehrere Wochen nach hinten rückt, wird dein Pferd von der Arbeit an diesen Aspekten schon profitieren: Es wird gelassener, aufmerksamer und auch muskulär sollte bereits eine Verbesserung sichtbar sein.

Sobald ihr die Voraussetzungen erfüllt, könnt ihr mit der folgenden Übung starten:

Longiere dein Pferd auf einer geraden Linie über eine einzelne, am Boden liegende Stange, ohne dass Takt und Losgelassenheit darunter leiden.

 Der wesentliche Aspekt der Übung betrifft deine eigenen Fähigkeiten:

Du übst anhand der einzelnen Stange, korrekte Abstände zu sehen. Dein Pferd sollte mit dem Huf eine halbe Trittlänge vor der Stange landen, bevor es die Stange überwindet.

Gern kannst du erstmal im Schritt üben, ehe du dein Pferd traben lässt.

Nun wird es sicher passieren, dass die Abstände nicht ganz passen und dein Pferd zu dicht oder nicht dicht genug an die Stange herankommt. 

Dem kannst du entgegenwirken, indem du dein Pferd die letzten Tritte vor der Stange etwas verkürzen lässt. Wieviel vorher du damit beginnen musst, hängt davon ab, wie lange es dauert, bis dein Pferd auf deine Hilfe reagiert – das solltest du also wissen und den Zeitpunkt deiner Hilfe so wählen, dass die Umsetzung auf den letzten 2 – 3 Metern vor der Stange stattfindet.

Kommt dein Pferd dagegen ins Stocken, solltest du kurz vor der Stange sanft nachtreiben, um Bewegungsfluss und Takt zu erhalten.

Zuletzt kannst du diese Übung gleich noch nutzen, um den Abstand für die weiteren Trabstangen herauszufinden.

Dabei beobachtest du jetzt das Auffußen deines Pferdes nach der Stange. Der Abstand zur nächsten Stange sollte so gewählt sein, dass dein Pferd genau mittig zwischen beide Stangen fußt. 

Wenn du den Abstand definiert hast, lege eine zweite Stange dazu und überprüfe jetzt, ob du richtig lagst und dein Pferd beide Stangen überqueren kann, ohne die Trittlänge anpassen zu müssen, Zwischentritte zu machen, ins Stocken zu kommen oder anderweitig den gleichmäßigen Gang zu verlieren. Gegebenenfalls passt du den Abstand nun noch an, bis er korrekt ist.

Und jetzt das Wichtigste: Miss diesen Abstand in Fußlängen ab und merke ihn dir!

Deine Füße hast du immer dabei – diese Art der Messung ist also die einfachste, um auch in Zukunft sicherzustellen, dass die Abstände für dein Pferd passen.

Nun habt ihr alle Voraussetzungen geschaffen und du kannst Anzahl, Höhe und Abstände der Stangen gezielt für eure Trainingszwecke ändern.

Abschließend möchte ich dir nun noch 7 Faustregeln für erfolgreiche Stangenarbeit mit an die Hand geben:

  1. Takt und Losgelassenheit müssen immer gegeben sein.
    Gehen sie verloren, ist mit den Anforderungen so weit zurückzugehen, bis das Pferd sie wieder finden kann.
  2. Beginne immer einfach und steigere die Schwierigkeit nur in kleinen Schritten.
  3. Anfangs passt du immer die Abstände an das Pferd an.
    Erst, wenn es mehrere Stangen losgelassen mühelos überwinden kann, kannst du die Anforderungen so steigern, dass es seine Fußung aktiv anpassen muss.
  4. Erst wenn dein Pferd die aktuelle Aufgabe in 9 von 10 Durchführungen stressfrei bewältigen kann, ist die nächst schwierigere Anforderung angebracht.
  5. Ändere immer nur eine Komponente: Höhe, Anzahl oder Abstand der Stangen.
    Nie mehrere auf einmal.
  6. Je höher die Stangen, desto kürzer die Abstände.
  7. Wenn dein Pferd die Trittlänge anpassen kann und soll:
    Immer zuerst verkürzen bzw. erhöhen üben und erst anschließend vorsichtig verlängern.

Und nun wünsche ich dir und deinem Pferd viel Freude beim gemeinsamen Üben!

 

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