Autor: Sally

So findest du das richtige Pensum für dein altes Pferd

Früher oder später kommt jeder Pferdebesitzer an diesen Punkt, an dem er der Tatsache ins Auge blicken muss: Mein Pferd wird alt. 

Vielleicht sind es die ersten weißen Haare am Kopf, etwas weniger Beweglichkeit an kalt-feuchten Tagen, Futter- oder Muskelzustand sind nicht mehr ganz so einfach zu erhalten oder auch erstmal nur der Fakt, dass das Alter deines Pferdes jetzt mit einer 2 beginnt.

In jedem Fall wird dir bewusst, dass sich in den nächsten Jahren einiges für euch ändern könnte und wird. Dein Pferd wird nicht für immer alles leisten können, gleichzeitig möchtest du aber auch dafür sorgen, dass es so lange wie möglich fit und gesund bleibt.

Das Pensum entsprechend anzupassen, ist anfangs nicht unbedingt einfach. Deswegen findest du in diesem Artikel eine Orientierung, die dir diesen Übergang erleichtert.

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Wann ist mein Pferd alt?

Wirklich ‚alt‘ ist ein Pferd eigentlich erst, wenn sein Körper trotz passenden Trainings und angepasster Haltung und Fütterung nur noch schwer auf einem Niveau zu halten ist bzw. bei gleichem Pensum abbaut, obwohl es an sich gesund ist.

Das ist aus meiner Erfahrung heraus nicht vor 26 oder 27 Jahren der Fall. Bis dahin kann man die meisten Pferde noch normal arbeiten, d.h. Gleichgewicht und Qualität der Bewegung nochmal deutlich verbessern und auch deutlich Muskulatur aufbauen. Auch bei Befunden wie Arthrosen, Atemwegserkrankungen oder fehlenden Zähnen.
Hat ein Pferd in seinem Leben hohen Verschleiß erfahren – was nicht nur von den Anforderungen, sondern auch von seinem Typ abhängig ist –, kann es durchaus sein, dass dieser Punkt schon deutlich eher erreicht ist. In der Regel hat es dann auch bereits eine lange Liste an chronischen oder wiederkehrenden Befunden.

Wann und was muss ich anpassen?

Hast du nun ein Pferd, welches sich an diesem Punkt befindet, dann gilt in der täglichen Arbeit grundsätzlich erst einmal dasselbe wie bei allen anderen Pferd auch, nämlich: Herausfinden, wie der heutige Zustand ist, das Pferd dort abholen und dann langsam herantasten, wie weit die Anforderungen sich steigern lassen, ohne dass dein Pferd überfordert wird.

Behalte es dabei unbedingt auch am folgenden Tag im Blick. Selbst wenn es am gleichen Tag keine Anzeichen von Überforderung zeigt, am nächsten Tag aber steifer, abgelenkter oder auch sonst ‚weniger es selbst‘ ist, können diese Reaktionen ein Zeichen für Überforderung sein, die du unbedingt ernst nehmen solltest.

Habe außerdem immer auch ein Auge auf den Blick deines Pferdes: Ein ruhiges, waches und weiches Auge ist ein gutes Zeichen. Sollte der Blick irgendwann starrer, härter oder zurückgezogener werden, kann es nötig sein, das Pensum wieder anzupassen (es kann auch sein, dass dein Pferd Schmerzen hat, insbesondere bei sehr abrupten und deutlichen Änderungen!).

Mit aufmerksamer Beobachtung und etwas Probieren findest du so das passende Pensum, ohne Gefahr zu laufen, deinem Pferd blind das abzuverlangen, was im letzten Jahr noch problemlos möglich war, es jetzt vielleicht aber nicht mehr leisten kann.

Am besten lässt du dein Pferd regelmäßig vom Osteopathen deines Vertrauens durchchecken, der dich darauf hinweist, wenn du die Anforderungen anpassen musst.

So kannst du das Pensum anpassen:

  • Mehr Pausen innerhalb einer Einheiten, d.h. öfter oder länger Bewegung am langen oder hingegebenen Zügel, ggf. auch Pausen im Stand
  • Kraftarbeit innerhalb einer Einheit reduzieren, d.h. weniger Übergänge und Lektionen üben
  • Arbeitsphase innerhalb einer Einheit verkürzen
  • Schrittstrecken auf Ausritten absteigen und führen
  • Weniger Tage pro Woche reiten, dafür aber am Boden bewegen

Beim Longieren beispielsweise bewegt sich dein Pferd dennoch genauso viel, aber mit weniger Belastung.

Reiten ist auch mit alten Pferden möglich, so lange sie dafür tragfähig genug sind. Osteopath und Trainer sollten hier im Zweifelsfall klare Aussagen treffen können!
Mögliche Anzeichen schwindender Tragfähigkeit können sein:

  • Dein Pferd verliert Muskulatur und sieht kantiger aus.
  • Dein Pferd bewegt sich unter dem Sattel holperiger oder steifer, beginnt, zu stolpern oder fühlt sich instabiler an als du es von ihm gewöhnt bist.

Achtung: Geschwindigkeit ist KEIN Zeichen für Fitness!

In der Regel ist das Gegenteil der Fall. Wird ein Pferd unter dem Sattel immer deutlich schneller als ohne Reiter, deutet das auf mangelnde Balance und Kraft hin. Es rennt also regelrecht seinem Gleichgewicht hinterher. Anstatt die Schlussfolgerung zu ziehen, es würde sich ja noch gern bewegen, solltest du das Training auf Bodenarbeit verlegen.

Regeneration als wichtiger Trainingsbestandteil

Zum Erhalt von Fitness und Gesundheit gehört auch die Regeneration, weswegen es wichtig ist, auch die Haltungsbedingungen im Blick zu behalten.

Die Anforderungen eines Pferdes können sich mit zunehmendem Alter durchaus ändern. Pferde sollten immer ausreichend Platz und Ruhe haben, um dösen und schlafen zu können.

Angeschlagene Fessel-, Karpal- und / oder Sprunggelenke sind immer ein Zeichen, dass hier Anpassungsbedarf besteht: sei es, dass die Liegefläche dicker eingestreut werden muss, weil sich ein älteres Pferd im Ablegen nicht mehr so gut abfangen kann oder aber, dass andere Pferde zu viel Unruhe verbreiten, das Pferd sich zu wenig ablegen kann und dadurch eine sogenannte Pseudonarkolepsie entwickelt – also im Stand einschläft und dann hinfällt.

Insbesondere als Pensionspferdehalter, der auf die Zusammenstellung einer Herde in der Regel keinen Einfluss hat, kann es nötig sein, das älter werdende Pferd in eine ruhigere Herde umzustellen. Ein guter Stallbetreiber wird immer versuchen, im Rahmen seiner Möglichkeiten für jedes Pferd die passende Gruppe zu finden und gleichzeitig ständige Wechsel zu vermeiden.

Eine andere Möglichkeit wäre es, das Pferd täglich für mehrere Stunden in ein eigenes Abteil mit Unterstand, Fressmöglichkeit und vor allem Liegefläche abzutrennen, damit es dort zur Ruhe kommen kann.

Ein weiterer Punkt ist die Fütterung.

Mit zunehmendem Alter kann ein leichtfuttriges Pferd durchaus schwerfuttriger werden und benötigt dann entweder mehr Zugang zu Raufutter oder aber regelmäßiges Zufüttern. Verlass dich also nicht darauf, dass du dein Pferd inzwischen 18 Jahre lang kennst und weißt, wie es tickt, sondern bleib offen dafür, dass sich seine Bedürfnisse immer wieder ändern können.

Ziel des Trainings beim älteren Pferd

Im Laufe eines Pferdelebens ändert sich die Aufgabe des Trainings immer wieder:
Das junge Pferd wird an alles, was ihn in seinem Leben erwartet, gewöhnt und systematisch dafür vorbereitet und gekräftigt.

Im Laufe der weiteren Ausbildung werden die Ansprüche insbesondere an seinen Körper zunehmend gesteigert und sich je nach Vermögen des Pferdes und Zielen des Reiters auf bestimmte Disziplinen spezialisiert.

Mit einem älteren Pferd bewegen wir uns – auch wenn es durchaus noch 5 oder 10 Lebensjahre vor sich haben kann – nun auf das Ende dieses Zyklus zu. Der Fokus im Training liegt daher immer weniger auf einem Lernen, Vorankommen oder sonstigen Steigern der Anforderung, sondern vorrangig auf der Erhaltung seiner Fähigkeiten, insbesondere Kraft und Ausdauer. Das bedeutet nun nicht, dass ältere Pferde nichts mehr lernen können, aber übermäßiger Ehrgeiz ist hier definitiv nicht mehr angebracht.

Wie bei uns Menschen halten Bewegung und sportliche Betätigung auch Pferde länger fit und gesund.
Auch wenn du deine Ansprüche entsprechend der Möglichkeiten deines Pferdes also irgendwann zunehmend herunterfahren musst, solltet ihr dennoch weiterhin etwas tun.

Die eigenen Bedürfnisse zugunsten der Gesundheit des Pferdes zurückzustellen sind wir den Pferden als lebenden Wesen ohnehin bis zum Schluss schuldig.

Gibt es zu wenig Training?

Ältere und alte Pferde bauen in Trainingspausen in der Regel zunehmend schneller ab und brauchen deutlich länger, um dann wieder aufzubauen. Daher ist es übrigens sinnvoll, die Ausrüstung, inbesondere den Sattel, regelmäßig überprüfen zu lassen.

Eine hohe Priorität bei der Arbeit mit älteren Pferden sollte es also haben, für regelmäßige Bewegung zu sorgen und längere Pausen zu vermeiden.

Der größte Fehler, der mit Pferden über 20 gemacht werden kann, ist daher, ein Pferd, welches abgebaut hat (aufgrund von Unter- oder Überforderung, einer krankheits- oder verletzungsbedingten Pause, Haltungsänderung, …), mit den Gedanken ‚Der sieht nicht mehr so gut aus. Naja, ist ja auch schon alt jetzt, da kann man nix mehr machen, das ist halt so.‘ in Rente zu schicken.

Nicht nur tun wir der körperlichen Gesundheit der Pferde so keinen Gefallen, sondern auch ihrer Psyche: Die meisten Pferde möchten gern weiterhin wichtig sein, täglichen Kontakt zu ihrer Bezugsperson haben und im Rahmen ihrer Möglichkeiten körperlich und mental weiterhin gefordert werden.
Und wenn es zum Ende hin nur noch kurze Spaziergänge, ein paar Tricks mit dem Clicker und Massagen sind.

Was kann ich also mit meinem älteren Pferd nun noch tun?

  1. Auf jeden Fall regelmäßig dranbleiben, also mindestens 4x/ Woche, besser mehr.

  2. Pausentage im Schritt sind besser als gar nichts zu tun.

  3. In der Regel erstmal das weiter machen, was ihr bisher gemacht habt – sofern dein Pferd grundsätzlich fit genug dafür ist.

Dabei kannst du aber das Pensum reduzieren.

  • Handarbeit: löst, hält geschmeidig und beweglich, kann außerdem Stabilität erhalten.

  • Longieren: erhält die allgemeine Fitness, ergänzt die Handarbeit sehr gut.

  • Handpferdereiten: dein Pferd kommt trotzdem auch in höheren Gangarten noch mit ins Gelände, muss aber keinen Reiter mehr tragen.

  • Ausbildung junger bzw. unerfahrener Pferdemenschen:

Ältere Pferde sind in der Regel abgeklärter und Fehlern des Menschen gegenüber toleranter. Es bietet sich daher an, sich eine Pflegebeteiligung zu suchen, die unter deiner Aufsicht oder mithilfe deiner Trainerin Grundlagen gymnastizierender Bodenarbeit mit deinem erfahreneren Pferd erlernen kann. Die Gefahr der Überforderung deines Pferdes ist dabei in der Regel gering.

  • Ausbildung junger bzw. unerfahrener Pferde:

Da junge Pferde sehr gut und schnell lernen, wenn sie erleben, wie gelassen ein erfahrenes Pferd sich in derselben Situation verhält, sollte man sich das zunutze machen, wo es geht: Sei es im Gelände (so können Spaziergänge zu Ritten mit dem Jungpferd als Handpferd später zu Ritten auf dem Jüngeren mit dem dann älter gewordenen Senior werden), beim Kennenlernen von Hindernissen wie Wasser, Brücken etc., beim Verladen oder bei Ausflügen in fremde Umgebung.

Wie immer sollten die Anforderung dem angepasst werden, was beide Pferde realistisch leisten können.

Mit einem aufmerksamen Blick auf dein Pferd, dem Mut, Inhalte immer wieder neu zu ändern und anzupassen und der Offenheit für Einschätzungen von Fachleuten, die dein Pferd gut einschätzen können, hast du die besten Voraussetzungen, um eure gemeinsame Zeit bis an und über die 30 hinaus pferdegerecht zu gestalten.

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5 Tipps, wie du mehr aus den Übergängen herausholen kannst

Reitest du Übergänge nur im Unterricht und auch nur, weil die Reitlehrerin es halt verlangt?

Finden bei euch Übergänge nur nebenbei statt, weil ihr ja von einer in die nächste Gangart wechseln müsst, aber wie genau, darauf achtest du meistens weniger?

Oder sind Übergänge für dich ein großes Problem, weil es bei den anderen so leicht aussieht und bei dir und deinem Pferd einfach nicht recht klappen will?

Auch wenn es sich für dich gerade nicht so anfühlt, verspreche ich dir: Übergänge sind eine tolle Sache!

Sie erfüllen viele Zwecke und sind ein wichtiger Baustein einer pferdegerechten Ausbildung. Und das direkt von Anfang an, denn weder du noch dein Pferd müssen viel können, um sie schon zielführend nutzen zu können.
Auf dem grundlegendsten Level geht es erst einmal um ein Sicherheitsgefühl des Menschen (‚Ich habe Einfluss auf die Gangart‘) und die Aufmerksamkeit des Pferdes uns gegenüber.

Anschließend sind sie sowohl Test als auch Übung gleichermaßen: Sie zeigen uns, wie es um das Gleichgewicht des Pferdes steht und helfen ihm gleichzeitig, dieses zu verbessern.
Und je besser das Gleichgewicht, desto besser die Bemuskelung, desto mehr Gelassenheit, desto feiner und direkter die Reaktion auf meine Hilfen, desto tragfähiger, gerader und stabiler das Pferd.

Deswegen gebe ich dir in diesem Blogbeitrag 5 Tipps mit an die Hand, damit auch du und dein Pferd die Übergänge gewinnbringend anwenden könnt.

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Keine Anhäufung gedankenloser Wiederholungen

Tipp #1: Jeder Übergang ist nur so gut wie seine Vorbereitung.

Achte darauf, dein Pferd nicht zu überfallen, sondern bereite es durch eine Anpassung von Tempo, Takt und Körperspannung entsprechend vor auf den Gangartenwechsel, den du vorhast.

Tipp #2: Bleibe im Übergang aufmerksam.

Ein durchlässiges, rittiges und fein an den Hilfen stehendes Pferd ist eines, was in jedem Moment auf jede Änderung reagiert. Das wiederum verlangt von uns, in jedem Moment ‚da‘ zu sein. Es reicht also nicht aus, die Hilfe für den Übergang zu geben und dann an die nächste Übung zu denken oder sich gedanklich auszuruhen. Sondern auch im Übergang solltest du aufmerksam bleiben, damit du ggf. reagieren kannst, wenn dein Pferd etwas noch nicht schafft.

Tipp #3: Was passiert hier eigentlich?‘

Ebenso gibt dir jeder Übergang – egal, wie gut oder schlecht er geklappt hat – Feedback, anhand dessen ihr immer besser werden könnt.
Du möchtest also möglichst genau mitbekommen, was dein Pferd vor und während des Übergangs tut:

  • Verschnellert es den Takt von allein zu sehr und wird dadurch fest?
  • Geht es zu früh aus und bremst deswegen zu stark?
  • Kippt es vermehrt auf eine Schulter?
  • Nimmt es deine Hilfen vorweg, weil ihr an derselben Stelle bereits dreimal den gleichen Übergang gemacht habt?
Tipp #3: Passe Anforderung und Hilfengebung entsprechend dieses Feedbacks an.

Anhand seiner Reaktion im Übergang kannst du also immer genauer herausfinden, wann und wie dein Pferd sein Gleichgewicht noch nicht halten kann. Das wiederum hilft dir, die Anforderungen von Übergang zu Übergang besser anzupassen.

  • Wie kannst du sanft Einfluss auf den Takt nehmen, um den hektischen Übergang weicher und ruhiger werden zu lassen?
  • Wie viel musst du nachtreiben, damit dein Pferd nicht zu früh ausgeht, aber den Übergang dennoch ausführt?
  • Welche Muskeln in deinem Körper musst du wie anspannen, damit dein Pferd im Übergang gerader bleibt?
  • Ist es nötig, den Übergang an einer anderen Stelle durchzuführen?

Beachte dabei: Wenn du dich darauf konzentrierst, einen Aspekt des Übergangs zu verbessern, dürfen andere Aspekte auch erst einmal ‚schief gehen‘. Um sie kannst du dich kümmern, wenn ihr den aktuellen Aspekt verbessert habt.

Tipp #5: Mache dir bewusst, was du mit den Übergängen bezweckst.

Dieser Tipp hätte auch am Anfang stehen können. Ganz bewusst steht er aber am Ende, denn grundsätzlich ist es viel wichtiger, dass du regelrecht neugierig bist und herausfindest, was genau eure Übergänge eigentlich brauchen. Langfristig ist es dennoch sinnvoll, sich immer wieder bewusst zu werden, welches Ziel du eigentlich befolgst. Denn normalerweise gibt es immer einen Trainingsschwerpunkt, dem ihr euch für einige Wochen verstärkt widmet. Das kann beispielsweise die Verbesserung der Losgelassenheit, Verstärkung der Energie im Pferd oder die Geraderichtung sein.

So wichtig es also einerseits ist, jeden Tag neu offen zu bleiben, so wichtig bleibt es andererseits, den Blick auf den aktuellen Schwerpunkt nicht zu verlieren.
Du kannst die Übergänge dann gleich so planen oder unter der aktuellen ‚Lupe‘ beobachten.

Nicht mit dem Ziel beginnen

Du merkst: Es geht gar nicht darum, 20 perfekte Übergänge hinzubekommen.
Sondern es ist ein gemeinsames Üben, ein gemeinsames ‚Wir finden immer genauer heraus, was wir tun müssen, um dem Ideal ein Stück näher zu kommen‘.

Wenn eure Übergänge übrigens immer perfekt klappen – also auf den Punkt, ohne Verlust der Durchlässigkeit, mit angehobenem Brustkorb, gerader Schulterpartie und aktiver Hinterhand –, ist es höchste Zeit, zu schauen, wie du die Anforderungen steigern kannst, indem ihr beispielsweise auf gebogene Linien geht, euch von der Bande entfernt oder eine Gangart überspringt.

Wenn du dir ganz unsicher bist, was genau heute euer Thema bei den Übergängen sein könnte – vielleicht, weil du noch nie darauf geachtet hast, oder weil es eigentlich kein spürbares Problem gibt –, dann taste dich im Laufe der Einheit langsam von einfachen zu immer schwereren Anforderungen.

Du beginnst also mit Schritt-Halt- und später Schritt-Trab-Übergängen auf dem Hufschlag und gestaltest sie sehr auslaufend. So kannst du während der Vorbereitung (Langsamer werden fürs Durchparieren, fleißiger werden vor dem Antraben) bereits beobachten, ob dir Änderungen im Gleichgewicht oder Reaktion deines Pferdes auffallen.

Ich bin gespannt, was du mithilfe dieser Tipps über dein Pferd und dich und eure Übergänge herausfindest!

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14 Grundsätze für ein erfolgreiches Vorankommen mit deinem Pferd

Planlos im Trainingsalltag? Frustriert, weil es nicht vorangeht? Mit diesen 14 Trainingsgrundsätzen kannst du deinen Blick jeden Tag neu aufs Wesentliche lenken:

 1. Selten wird eine Einheit besser als ihre Vorbereitung.

Daher ist Trainingsgrundsatz Nummer Eins: Hilf deinem Pferd, in einen lernfähigen Zustand zu kommen.
So lange dein Pferd gestresst, angespannt, abgelenkt oder allzu tiefenentspannt ist, ist gemeinsames Üben schwer bis unmöglich. Sorge daher im ersten Schritt immer erst einmal dafür, gemeinsam mit deinem Pferd in ein positives und konzentriertes Miteinander zu kommen. Erst, wenn das gelungen ist, kannst du an ‚Arbeit‘ denken.

2. Nie zwei Tage hintereinander dasselbe tun.

Damit der Pferdekörper sich von einer Belastung wie beispielsweise Reiten oder Ausdauertraining erholen kann – denn ohne Pause kein Aufbau und keine Entwicklung –, solltest du am darauffolgenden Tag den Schwerpunkt immer anders legen. Nach dem Reiten, also etwas ohne Reitergewicht, nach dem Fokus auf Kraft dann den Fokus auf Ausdauer oder lösende Inhalte, oder nach körperlich anstrengender Arbeit dann Aufgaben, die vor allem das Mitdenken des Pferdes herausfordern.

3. Eine aktive Pause ist besser als ein freier Tag.

Bewegung im Schritt, beispielsweise im Gelände zum Seele-baumeln-Lassen oder durch lösende Übungen an der Hand, ist immer besser als dein Pferd komplett stehenzulassen. Das gilt auch für Pferde im Offenstall. Pausentage bieten sich außerdem gut für Kopfarbeit wie Übungen mit dem Clicker an. Am stärksten profitieren ältere Pferde von aktiven Pausen, getreu dem Motto: ‚Wer rastet, der rostet.‘

4. Deine Fähigkeiten vor denen des Pferdes.

Kein Pferd kann dauerhaft etwas besser ausführen als der Mensch, der es in diesem Moment begleitet oder die Anforderung stellt. Daher solltest du bei allem, was ihr tut, sicherstellen, erst einmal deine eigene Hilfengebung zu üben, bis sie dir in Fleisch und Blut übergegangen ist. Da Pferde ohnehin immer auf alles reagieren, was wir tun – egal, ob es bewusst oder unabsichtlich war –, verbessern sich manche Probleme wie von allein, wenn wir das Pferd neben oder unter uns zu einem gewissen Grad ignorieren, um an uns selbst zu arbeiten.

5. Jede Reaktion des Pferdes ist Feedback auf das, was (und wie) du gerade tust.

Wenn also etwas nicht klappt, frage dich: Was kann ich beim nächsten Mal anders machen, um ein besseres Ergebnis zu erzielen?
Wie kann ich es besser vorbereiten? Sollte ich mehr Vorbereitungszeit einplanen? War ich streng genug gegenüber meiner eigenen Ausführung und Hilfengebung? Sollte ich die Anforderungen reduzieren?
Unter Umständen dauert es einige Versuche über mehrere Tage hinweg, bis du herausgefunden hast, welche Änderung(en) nötig ist/sind. Langfristig weißt du so aber immer besser, was hilft und was nicht – und kannst deine Ziele innerhalb einer Einheit daher zunehmend selbständiger und zügiger erreichen.

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6. Immer nur EIN Kriterium.

Wenn ihr etwas übt, solltest du dir im Klaren darüber sein, welchen Aspekt ihr gerade verbessern möchtet. Und dann achte nur auf diesen! Alles andere darf währenddessen schiefgehen.

Ein Beispiel:
Das Kriterium ist das Finden eines ruhigeren Arbeitstempos. Dein Pferd fällt währenddessen auf dem Zirkel immer mal nach innen oder zieht nach außen. Außerdem hebt es sich ab und an heraus.
Da das Tempo aber zunehmend ruhiger wird und dann auch konstant ruhiger bleibt, ist das Kriterium erfüllt – also alles richtig. Wenn du unsicher bist, was aktuell euer Kriterium ist, frage deine Ausbilderin.

7. Übungen und Lektionen sind Mittel zum Zweck.

Sie erfüllen ihre Aufgabe, wenn das Pferd anschließend besser macht, woran aktuell gearbeitet wird.

Ein Beispiel:
Das Pferd lässt in der Oberlinie los, nachdem es ein paar ruhige Übergänge sowie zwei verschiedene gebogene Linien gegangen ist. Die Übergänge und Linien waren dabei nicht perfekt, habe ihren Zweck – das Loslassen der Oberlinie – aber hervorragend erfüllt.

8. Eine Übung kann verschiedene Zwecke – und damit Kriterien – haben.

Je nachdem, was gerade geübt wird und auf welchem Ausbildungsstand das Pferd sich aktuell befindet, können sich Kriterien bei ein und derselben Übung ändern.

Ein Beispiel:
Einfache Übergänge nach unten. Zuerst war es wichtig, auf eine gute Vorbereitung zu achten. Danach war das Kriterium, die Zwanglosigkeit nicht zu verlieren. Später ging es darum, im Übergang gerade zu bleiben. Anschließend sollte der Rücken etwas höher kommen und der Rahmen sich etwas verkürzen. Und aktuell soll der Übergang prompter stattfinden, ohne dass irgendeine der vorher erarbeiteten Qualitäten verlorengeht.
Das bedeutet, die Qualitätsanforderungen an die Ausführungen steigen mit steigendem Können von Pferd und Reiter.

9. Ziel ist es, etwas zu verbessern – nicht, etwas perfekt zu können.

Du machst nicht erst alles richtig, wenn es perfekt funktioniert. Gute Ausbildung ist ein stetiges Verbessern und Vorankommen. Das geht allen Reiterinnen so, auf jedem Niveau! Mit der Aussage ‚Der Weg ist das Ziel‘ ist genau das gemeint: Permanente Entwicklung, mit all ihren Hochs und Tiefs.

Jedes Mal, wenn du etwas verbesserst, hast du alles richtig gemacht und bewegst dich mit deinen Fähigkeiten in die richtige Richtung. Auch wenn der Unterschied manchmal vielleicht geringer war als du für nötig gehalten hättest.

10. Qualität geht vor Quantität.

Diese Faustregel ist insbesondere in zwei Fällen wichtig: Erstens, wenn du wenig Zeit hast und zweitens, wenn etwas nicht so recht klappen will.
Die Konzentration darauf, dann weniges kurz, aber gut zu tun, bringt euch nachhaltiger voran als Vieles schneller und ungenauer durchzudrücken. Gerade dann, wenn etwas nicht gut funktioniert, ist es lohnenswert, noch einmal genauer hinzuschauen und zu – fühlen, die Qualität zu überprüfen und zu verbessern.

11. Keine Anstrengung ohne Cool-down.

Mach es dir zur Gewohnheit, nach der Arbeitsphase bzw. nach dem anstrengenderen Part des Ausritts, dein Pferd noch mindestens zehn Minuten in ruhigem, zwanglosem Schritt abzuwärmen.
Tust du das nicht, erhöhst du die Wahrscheinlichkeit von Muskelkater in deinem Pferd signifikant.

12. Hab Geduld und bleib dran!

Damit ihr etwas Neues verstanden habt, dann umgesetzt bekommt und dann verinnerlicht, müsst ihr über einen längeren Zeitraum konzentriert an diesem Thema dran bleiben.
Zusätzlich bedeutet ein Weiterkommen mit dem Pferd immer auch, dass sein Körper anderen oder stärkeren Anforderungen ausgesetzt ist. Um sich diesen anzupassen, brauchen die Strukturen über Monate (!) hinweg regelmäßig diesen Input.

Sichtbare Ergebnisse sind erfahrungsgemäß erst nach mehreren Monaten sichtbar – und möglich. Angelehnt an Denny Emerson könnte man auch sagen: ‚Im Februar für August üben. ‘

13. Erhöhe die Trainingsintensität alle 5 bis 6 Einheiten.

Sobald die Anforderungen gestiegen sind, solltet ihr für fünf bis sechs Einheiten auf diesem Niveau bleiben, ehe sie erneut gesteigert werden. Das gilt weniger für koordinative oder lösende Übungen, aber umso mehr für Kraft und Ausdauer. Beachte beim Erhöhen der Anforderungen außerdem, immer nur entweder die Länge oder die Intensität der Ausführung zu steigern – nie beides gleichzeitig.

14. Die Entwicklung des Pferdes ist stets das wichtigste Feedback zum Trainingsfortschritt.

Auch das ist ein Aspekt, der sich in größeren Abständen oft besser beurteilen lässt als von Tag zu Tag.
Das Wohl und die Entwicklung des Pferdes muss immer an erster Stelle stehen, weswegen es von Monat zu Monat aufmerksamer, gelassener, durchlässiger, balancierter und besser bemuskelt werden sollte. Ist das nicht der Fall, solltest du sicherstellen, dass dein Pferd keine Schmerzen hat und prüfen, ob der eingeschlagene Weg angepasst oder geändert werden sollte.

Es ist an der Zeit, anzufangen

Wenn dir unter diesen Grundsätzen gleich einer heraussticht, nach dem Motto ‚Das wird aber schwer!‘, dann ist das dein Zeichen, mit diesem anzufangen.

Wenn dich die Liste überwältigt, fange von oben an und nimm dir für jeweils 14 Tage nur einen der Grundsätze vor. So kannst du nach und nach alle verinnerlichen.

Und wenn du dich doch mal wieder planlos fühlst oder frustriert bist, weil es trotz aller Bemühungen nicht vorangehen will, komm immer wieder zurück auf diese Grundsätze, die den Blick aufs Wesentliche lenken.

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Die drei weitreichendsten Entscheidungen für das Leben eines Pferdes

Dieser Blogartikel ist ganz bewusst ein Appell, da mir die Konsequenzen dieser Entscheidungen tagtäglich begegnen und viele Pferdebesitzer mit ihrem erwachsenen Freizeitpferd haben, die viel Zeit, Geld und Nerven kosten, obwohl sie vermeidbar gewesen wären. Diese drei Entscheidungen sind:

  1. Die Anpaarung der Eltern
  2. Die Aufzucht
  3. Die Grundausbildung

Es ist deine Entscheidung

Vorab: Mir ist bewusst, dass nicht alle Entscheidungen direkt in deiner Hand liegen. Indirekt triffst du aber auch beim Kauf eines erwachsenen Pferdes eine Entscheidung für oder eben gegen diese Kriterien. Da sie den größten Einfluss auf das komplette Leben eines Pferdes haben, erntest du die Früchte dieser Entscheidungen nämlich auch noch, wenn du die 5. Besitzerin eines jetzt bereits 19jährigen Pferdes bist und für bestmögliche Haltung, Fütterung und Bewegung sorgst.

Natürlich ist es nicht einfach, diese Kriterien zu erfüllen. Ich möchte aber sicherstellen, dass du dir dieser Faktoren und ihrer möglichen Konsequenzen bewusst bst, wenn du eine Entscheidung triffst. Daher lass uns jetzt gemeinsam schauen, wie die Wahl der Eltern, der Aufzucht und der Grundausbildung ein Pferdeleben beeinflussen.

1. Die Anpaarung der Eltern

Mit der Wahl der Elterntiere werden schon die ersten Weichen gestellt. Sie vererben idealerweise einen stabilen Körper, der für seinen Zweck gut gebaut ist, sowie charakterliche Eigenschaften wie Zugewandtheit zum Menschen, Neugier, Mut, Durchhaltevermögen oder Arbeitswillen.

Anpaarung der Eltern

Unpassende Anpaarungen können dann beispielsweise dazu führen, dass man später einen guten Weg finden muss, um den sensiblen und schnell gestressten Friesengeist im klobigen Haflingerkörper gut regulieren zu können. Oder den Arbeitswillen des Trakehners im schwachen Bindegewebe des Tinkers.

Ja, das sind Extrembeispiele – wobei nicht mal die Ungewöhnlichsten, die mir bisher begegneten – und eine ungewöhnliche Anpaarung kann auch gut gehen. Das weiß man allerdings leider erst hinterher. Geht die Hoffnung nicht auf, hat das Pferd vielleicht ein Leben lang mit zwei Gegensätzen im eigenen Körper zu leben. Am leichtesten mit sich und seiner Umwelt tut sich ein Pferd in erster Linie, wenn sein Körper und sein Geist für das Gleiche gemacht sind (und das dann auch tun dürfen).

Und dann dürfen wir auch Erbkrankheiten wie beispielsweise PSSM1 und 2 oder ECVM nicht vergessen, welche im besten Fall hohe Ansprüche an das alltägliche Management von Haltung, Fütterung und Training stellen und im schlimmsten Fall die Lebensdauer des Pferdes deutlich verkürzen. Ganz abgesehen von der Nutzung, die wir für oder mit dem Pferd im Sinne haben.

Sei dir also bewusst: Auch wenn individuell passendes Management in Haltung, Fütterung, Umgang und Nutzung großen Einfluss darauf haben, ob und wie viel ein Pferd sein Potential ausschöpfen kann – angeborene genetische Faktoren wie Körperbau oder Grundcharakter eines Pferdes sind nicht veränderbar.

 
Aufzucht in der Gruppe

2. Die Aufzucht

Wusstest du, dass die Grundqualität vieler Strukturen im Pferdekörper – wie Sehnen und Bänder, Knochen, aber auch des Verdauungstrakts – nicht nur in den ersten Lebensjahren, sondern bereits in den ersten Lebensmonaten eines Fohlens bestimmt wird? Oder dass Sozialverhalten untereinander vor allem in den ersten zwei Lebensjahren durch Beobachten der anderen Herdenmitglieder erlernt wird?

Das Beste für ein junges Pferd ist es daher, vom ersten Tag an draußen zu leben, sich permanent auf unterschiedlichem Terrain in allen Gangarten bewegen zu können und von erwachsenen Pferden zu lernen, wie man welche Probleme untereinander regelt oder wer in der Gruppe welche Aufgaben übernimmt. Damit hat es die idealen Voraussetzungen für einen gesunden und starken Körper sowie ein gutes Sozialverhalten anderen Pferden gegenüber.

Fehlt das, insbesondere in den ersten Monaten, ist vor allem der gesundheitliche Aspekt auch bei später bestem Management nicht mehr vollständig nachzuholen. Das merkt man nicht unbedingt sofort, aber die Zipperlein und Verschleißerscheinungen im Alter kommen früher und deutlicher, als hätte sein müssen.

Auch das Sozialverhalten zu lernen ist für ein erwachsenes Pferd wesentlich schwerer bis nahezu unmöglich. Dafür muss außerdem die Herde auch geeignet sein: keine Fluktuation, Ressourcen sind für alle zugänglich, es ist ausreichend Platz für alle und die anderen Pferde haben ein souveränes Miteinander.

Im schlimmsten Fall ist das Pferd sein Leben lang anfällig für unterschiedliche gesundheitliche Probleme, kann deswegen nicht voll belastet werden und hat außerdem aufgrund seines Sozialverhaltens eine lange Liste spezieller Anforderungen an den idealen Pensionsstall. Alles Dinge, die ich persönlich als Pferdebesitzerin vermeiden wollen würde!

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3. Die Grundausbildung

Am Ende einer guten, sorgfältigen Grundausbildung hat das Freizeitpferd im Wesentlichen folgende Dinge gelernt:
• Es kennt die üblichen Ausrüstungsgegenstände und Orte für ein Leben als Freizeitpferd und kommt damit ganz unaufgeregt und gelassen zurecht. Dazu gehören beispielsweise Kappzaum, Trense, Zügel und Sattel sowie verschiedene Reitplätze, Hallen und das Gelände mit allem, was dazugehört.

Die Grundausbildung

• Es kann sich in allen Gangarten auf einfachen Linien und in einfachen Übergängen gut ausbalancieren, auch mit einem Reiter. Dafür hat es ausreichend Koordination und Muskulatur gebildet.

• Es hat das Vertrauen zum Menschen behalten.

Deswegen ist es allen Menschen gegenüber zugewandt, freundlich, Neuem gegenüber offen und gelassen. Es ist dadurch unkompliziert im Umgang sowie der weiteren Ausbildung. 

Verglichen mit einem rohen Jungpferd beinhaltet diese Liste sehr viel Input, weswegen eine vernünftige Grundausbildung mindestens zwei Jahre dauert, tendenziell länger.

Muss diese später nachgeholt werden, bedeutet das in der Regel im Gegensatz zum Jungpferd ein Umlernen der bisherigen Gewohnheiten und Bewegungsmuster – also mehr Aufwand. Und ein ausgewachsenes Pferd hat auch ein bereits gefestigtes Weltbild, wir können uns also die natürliche Neugier und den Lerneifer des jungen Pferdes nicht mehr zunutze machen. 

Insbesondere für ein ausgewachsenes rohes Pferd kann es schwer werden, zu akzeptieren, dass der Mensch jetzt Anforderungen stellt und Rücksicht einfordert. Ein erwachsenes, noch rohes Pferd hat langfristig außerdem ebenfalls eher schwache Knochen, denn bis es ausgewachsen ist, passen sich die Strukturen weiterhin gemäß der Belastung an. Eine angepasste Grundausbildung ab einem Alter von 3, spätestens 4, Jahren sorgt also auch für den nötigen Input an die körperlichen Strukturen, sich entsprechend stabil auszubilden.

Maßgeblich entscheidend ist bei der Grundausbildung aber der letzte Punkt, das Vertrauen in den Menschen. Hier liegt auch das größte Problem, vor allem bei einem zu schnellen Start ins Reitpferdeleben. Macht ein Pferd in dieser Phase die Erfahrung, dass es permanent überfordert wird, für sein mangelndes Können oder die Äußerung dieser Überforderung dann noch gemaßregelt oder übergangen wird, kann das sein Vertrauen in den Menschen nachhaltig zerstören und dazu führen, dass es sich sein Leben lang eine gewisse Grundskepsis erhält.

Das wiederum erschwert dann auch das Nachholen der Grundausbildung, denn das Pferd wird Ungewohntem eher negativ gegenüber stehen und entweder abschalten – was einem Miteinander, was wir für Rittigkeit und Bewegungsqualität brauchen, entgegen steht –, sich wehren – was wiederum jeden Lernversuch zur Herausforderung machen kann – oder dauerhaft ängstlich sein und unter Stress stehen.

Triff deine Entscheidungen bewusst!

Hast du ein Fohlen, such also den Aufzuchtplatz sorgfältig aus und mach dir bewusst, dass die Haltung dort für seine Gesundheit wichtiger ist als dass du nebenan wohnst und es täglich besuchen kommen kannst. Die Zeit kannst du beispielsweise dafür nutzen, dir eine vernünftige Ausbilderin für die spätere Grundausbildung zu suchen und an deinen eigenen Fähigkeiten zu arbeiten.

Ich möchte dir auch nicht verbieten, dir einen Friesenmix mit schwachem Rücken aus schlechter Haltung zu kaufen. Aber es ist mir wichtig, dass du weißt, was du damit auf dich nimmst: nämlich unter Umständen ein lebenslang nicht normal reitbares Pferd, welches dann vielleicht auch noch zum Frührentner wird. Wenn es dir das wert ist, deine eigenen Bedürfnisse nach beispielsweise einem verlässlichen Geländereitpferd für die nächsten Jahre nicht bedienen zu können, dann spricht nichts gegen diesen Kauf.

Als Käufer oder Besitzer eines Fohlens oder noch rohen Jungpferdes rate ich dir, diese Faktoren unbedingt zu priorisieren, um deinem Pferd die Grundlage für ein langes gesundes Leben mitzugeben.

Als Käufer eines erwachsenen Pferdes solltest du dir in Ruhe ganz rational Gedanken darüber machen, was du mit deinem Pferd wirklich gern machen können möchtest, was du realistisch leisten kannst (Ausbildung mit Unterstützung, Zeit, Geld) und welche Kompromisse oder welchen Frust du bereit bist, in Kauf zu nehmen.

In jedem Fall lass die Dinge nicht einfach irgendwie geschehen, sondern triff deine Entscheidung(en) bewusst – für viele schöne gesunde Jahre gemeinsam mit deinem Pferd!

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Mehr aus den Hufschlagfiguren herausholen – so geht’s

Hufschlagfiguren – wertvolle Werkzeuge

Hufschlagfiguren sind für viele Reiterinnen ein eher nebensächliches Thema. Sie gehören schon irgendwie dazu, aber so wirklich interessant sind sie nicht.

Dabei haben Hufschlagfiguren natürlich einen Zweck und können – ja, sollten! – sehr hilfreiche Werkzeuge in eurer Ausbildung sein. Auch, wenn euch Biegung noch schwerfällt oder Galopp nur auf der Ganzen Bahn funktioniert. Wie das möglich ist, zeige ich dir in diesem Blogartikel.

Warum reiten wir überhaupt im Viereck und nicht einfach nur im Gelände?

Auch wenn die Bewegung im Gelände der Natur des Pferdes wesentlich besser entspricht, lassen sich während der Ausbildung die Anforderungen in der Halle oder auf dem Reitplatz wesentlich leichter an das momentane Können des Pferdes anpassen. Der ebene und griffige Boden vereinfacht dem Pferd das Finden von Losgelassenheit und Gleichgewicht vor allem in Wendungen deutlich. Im späteren Verlauf der Ausbildung bietet das Viereck die Möglichkeit, den Grad der Biegung und die Abfolge verschiedener Lektionen auf unterschiedlichen Linien individuell und spontan auszuwählen anstatt in erster Linie Zäune, Bäume, anspruchsvollere Untergründe oder Wegführungen berücksichtigen zu müssen.

Welche Zwecke können Hufschlagfiguren erfüllen?

Hufschlagfiguren helfen dir dabei, die Orientierung im Raum zu behalten, damit du dein Pferd zielsicher führen kannst und ihr nicht zufällig irgendwo auf dem Viereck landet. Sie verhindern, dass Wendungen aus Versehen viel zu eng werden, ihr mit dem Kopf zur Bande stoppen und du neu überlegen musst, was jetzt eigentlich der Plan war.

Du solltest also damit beginnen, die Hufschlagfiguren und ihren korrekten Verlauf zu kennen. Eine gute Quelle dafür ist zum Beispiel Band 1 der Richtlinien für Reiten und Fahren der FN.

Zusätzlich kannst du sie hervorragend nutzen, um Feedback zur Ausführung zu bekommen. Ohne ein konkretes Ziel oder Ideal im Kopf hast du keinen Vergleich, der dir aufzeigt, was ihr noch verbessern könnt. 

So ein Feedback kann beispielsweise sein, dass ihr auf allen Geraden ohne Bande (bei Handwechseln oder auf dem zweiten Hufschlag) einen Drift nach rechts habt. Oder das Abwenden immer erst drei Meter nach dem jeweiligen Buchstaben (der ja bei der Orientierung helfen soll) stattfindet. Oder die zweite Hälfte des Zirkels immer etwas größer werden möchte als die erste.

All das sind dann Informationen, mit denen du weiter arbeiten kannst. Du kannst deine Vorbereitung und die Hilfengebung während der Hufschlagfigur so verbessern, dass die Abweichung vom Ideal von Mal zu Mal geringer wird.

Manchmal wird das Feedback auch sein, dass die geplante Figur doch noch zu schwer für euer Können ist und sich die Probleme erst verbessern lassen, wenn du die Linie wieder vergrößerst oder nicht so schnell von einer zur nächsten wechselst. 

Und nicht zuletzt bieten die Hufschlagfiguren für jeden Ausbildungsstand mögliche Abläufe, die weder unter- noch überfordern. So muss nicht jeder Reiter das Rad neu erfinden und sich täglich neue Linien ausdenken, die zum aktuellen Können passen. Die Vielzahl der Hufschlagfiguren ist nämlich gar nicht unbedingt dafür da, es möglichst ‚abwechslungsreich‘ zu machen. Gerade in der Grundausbildung birgt der Fokus auf Abwechslung oft die Gefahr der Überforderung und mangelnden Routine. Ihr Zweck liegt vielmehr darin, Geraden, Wendungen und Handwechsel entsprechend des aktuellen Ausbildungsstands des Pferdes anzulegen.

Denn je kleiner die Wendungen, je schneller die Wechsel und je höher die Gangart, desto mehr braucht das Pferd Kraft aus der Hinterhand, Symmetrie zwischen den Schultern, einen angehobenen Rumpf und einen kürzeren Rahmen bei gleichzeitig hoher Aufmerksamkeit und Durchlässigkeit.

Damit schließt sich der Kreis zum ersten Punkt: Du musst nicht nur wissen, welche Figuren es grundsätzlich gibt, sondern auch, welche einfacher sind als andere. Und wie du sie möglichst stufenlos anspruchsvoller machen kannst, um dich und dein Pferd voranzubringen, ohne ins kalte Wasser (und damit die Überforderung) springen zu müssen.

 

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Und wie kannst du dies nun konrekt umsetzen?

  1.  Du hast sichergestellt, dass du die Hufschlagfiguren und ihren korrekten Verlauf kennst.

  2.  Du machst dir bewusst, dass Abläufe einfacher sind, je größer die Wendung, je flacher die Kurve, je mehr Zeit zwischen verschiedenen Linien und je niedriger die Gangart.
    Das bedeutet, du kannst Anforderungen für ein Jung- oder Korrekturpferd vereinfachen, indem du Kurven flacher reitest, Durchmesser vergrößerst oder zwischendrin mal etwas länger auf dem Hufschlag bleibst und euch neu sortierst.
    Einfache Hufschlagfiguren sind beispielsweise: Ganze Bahn, Durch die Ganze Bahn Wechseln, Zirkel.

  3. Dementsprechend sind kleinere Wendungen, rundere Kurven, schneller aufeinander folgende Abläufe sowie höhere Gangarten anspruchsvoller. Sie erfordern nicht nur mehr Durchlässigkeit und Balance, sondern auch aufmerksameres und schnelleres Denken
    Du kannst Anforderungen also steigern, indem du gebogene Linien kleiner werden lässt, schneller zwischen verschiedenen Hufschlagfiguren wechselst, die Gangart erhöhst oder das Ganze noch zusätzlich mit Übergängen oder später auch Lektionen kombinierst.
    Anspruchsvolle Hufschlagfiguren sind unter anderem: Volten, Schlangenlinien durch die Ganze Bahn 4 Bögen, Doppelte Schlangenlinie und Kombinationen aus Figuren mit Volten.

  4.  Achtung: Es geht nicht vorrangig darum, möglichst viele Hufschlagfiguren korrekt reiten zu können, sondern MITHILFE der Hufschlagfiguren das Pferd auszubilden. Also: Geraderichtung, Schubkraft und Tragfähigkeit zunehmend zu verbessern und dadurch über die Jahre ein immer rittigeres, durchlässigeres und balancierteres Pferd zu bekommen.
Durch die Ganze Bahn wechseln grün, Schritte zum Wechsel durch die Halbe Bahn rot
Ganze Bahn und Mittelzirkel, regulär grün, vereinfacht blau
Schlangenlinien durch die Ganze Bahn 4 Bögen grün, mögliche Volten blau

Mit diesem Wissen im Hinterkopf gehst du mit deinem Pferd aufs Viereck und beginnst mit den einfachsten Hufschlagfiguren. Dabei überprüfst du immer wieder, ob du eine klare Vorstellung der idealen Linie hast. (Wenn nicht – üben! Und erst dann Ansprüche ans Pferd stellen, wenn du Klarheit über die Linie hast.)

Auf diesen einfachen Linien stellst du erst einmal sicher, dass dein Pferd einen gleichmäßigen Takt und ein passendes Arbeitstempo  findet.

Wenn nötig, kannst du die Linien noch weiter vereinfachen, indem du die Ecken stärker abkürzt und statt der Zirkel bei A oder C den Mittelzirkel nutzt und diesen etwas ovaler werden lässt.

Sind Takt und zumindest Zwanglosigkeit sichergestellt, beginnst du jetzt ganz vorsichtig, die Linien etwas anspruchsvoller werden zu lassen. Die Zirkel werden also runder und die Ganze Bahn vom Oval wieder mehr zum Viereck. Du kannst den Zirkel minimal verkleinern und dich Stück für Stück vom Durch die Ganze Bahn Wechseln an Durch die Halbe Bahn Wechseln und Aus der Ecke Kehrt herantasten, indem ihr den Hufschlag immer etwas früher erreicht bzw. an immer etwas früher abwendet.

Dabei bleibst du ganz aufmerksam, damit du genau mitbekommst, wann dein Pferd beginnt, den Takt oder das ideale Tempo zu verlieren, sich fest zu machen oder schiefer zu werden. All das sind Zeichen, dass ihr euch jetzt an der Grenze des aktuellen Könnens befindet. Du solltest also die Linien jetzt NICHT weiter verkleinern, sondern zurück zu den einfacheren Linien gehen und dich erneut an die anspruchsvolleren herantasten.

Da du weißt, ab welchem Punkt dein Pferd die Probleme zeigen wird und auch, wie (Takt, Tempo, Verlust der Zwanglosigkeit bzw. Losgelassenheit, Schiefe), ist es deine Aufgabe, dein Pferd durch deine Hilfengebung dabei zu unterstützen, diese Qualität beizubehalten, wenn es an seine momentanen Grenzen geht.

Diesen Ablauf – vom Einfachen aus Stück für Stück anspruchsvoller werden, kurz an der Grenze bleiben (wenige Schritte bzw. Tritte!) und dann wieder zurück zum Einfachen – durchlauft ihr jetzt in jeder Einheit mehrmals. Da du so immer wieder an die Grenzen gehst, dort aber nicht zu viel oder zu lange forderst, verbesserst du euer Können, ohne es zu übertreiben und Frust zu verursachen.

Vergiss beim Üben außerdem niemals: Kein Pferd kann besser gehen als es in dem Moment vom Menschen geführt wird!

Frage dich also immer wieder:

  • Habe ich rechtzeitig und passend vorbereitet und eingeleitet?
  • Oder zu spät, zu wenig, zu plötzlich, …?
  • Habe ich es geschafft, die Linie gleichmäßig zu halten? 
  • Oder sind meine inneren Hilfen stärker als die äußeren, die linke Körperhälfte klarer als die rechte, vergesse ich in Wendungen das Vorwärts, …?

Mit der Zeit bekommst du auf diesem Weg ein immer besseres Gespür dafür, auf welche Details in Vorbereitung und Hilfengebung du achten musst, welchen Aspekt des Gleichgewichts dein Pferd tendenziell zuerst verliert, wie groß Wendungen aktuell sein und wie schnell Wechsel aufeinander folgen dürfen, wenn sie gut ausgeführt werden können sollen.

Die Arbeit auf und mit den Hufschlagfiguren erfordert damit durchaus mehr Aufmerksamkeit auf das, was ihr tut und wie es klappt. Das macht es gleichzeitig viel interessanter und aufschlussreicher, denn bei jedem Schritt, Tritt oder Sprung kannst du etwas lernen und bist in der Lage, eure Fähigkeiten selbständig immer weiter zu steigern, ohne es permanent zu übertreiben oder vermeintlich ganz sein lassen zu müssen.

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Die vier Dimensionen des reiterlichen Gleichgewichts

Ein guter Reiter hat einen guten Sitz.

Er oder sie bleibt in allen Situationen scheinbar mit Leichtigkeit im Gleichgewicht und sitzt so still und gleichzeitig geschmeidig, dass Hilfengebung und Interaktion mit dem Pferd von außen nicht mehr sichtbar sind. Sie wirken nicht mehr wie zwei Individuen, sondern wie eine Einheit. Diese Fähigkeit streben wir alle an, mal mehr, mal weniger erfolgreich. Um auf dem Weg dahin wirklich voranzukommen, solltest du dir bewusst sein, was alles dazugehört: Dein Pferd wird erst auf feinste Hilfen reagieren, wenn ihr gemeinsam im Gleichgewicht seid. Und kein Pferd kann im Gleichgewicht bleiben oder ins Gleichgewicht finden, wenn der Reiter es selbst nicht hat.

Das reiterliche Gleichgewicht hat mehrere Dimensionen:

Zum einen die Ebene ‚vorn/hinten‘. Eine fähige Reiterin kommt nie hinter die Senkrechte und nur in einzelnen Situationen (Phasen des Leichttrabens und des Galopps sowie in entlastenden Sitzarten) davor. Sie ist in der Lage, ihren Schwerpunkt immer genau über dem des Pferdes zu halten, auch in höheren Gangarten und Übergängen.

Zweiter Aspekt ist die Ebene ‚oben-unten‘. Ein guter Sitz ist trotz satten Kontakts zum Pferderücken nicht zu schwer und belastend, trägt sich genug selbst, um die Pferdebewegung nicht zu stören, aber verliert auch nicht bei jeder Gelegenheit die Verbindung zum Sattel.
Die dritte Dimension ist die Rechts-Links-Ebene. Ein Reiter im Gleichgewicht sitzt symmetrisch und gerade, ohne sich zu verdrehen, einseitig einzuknicken oder das Pferd ungleich zu belasten. Und das auf allen Linien und in sämtlichen Lektionen gleichermaßen.
Kannst du sagen, welche der drei körperlichen Dimensionen bei dir selbst aktuell am meisten Beachtung erfordert?
Was kannst du tun, um dich darin zu verbessern?
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Das geistige Gleichgewicht

Neben diesen drei Dimensionen gibt es nun noch eine vierte. Sie hat nichts mit dem körperlichen Gleichgewicht zu tun, ist aber von allen Ebenen eigentlich die wichtigste: Das geistige Gleichgewicht.
Eine gute Reiterin kann sich auf die tagesaktuelle Form des jeweiligen Pferdes einstellen. Sie lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, wenn äußere Umstände ihren Plan durcheinander bringen. Sie wird nicht frustriert, wenn das, was sie mit ihrem Pferd übt, trotz aller Bemühungen so gar nicht klappen mag. Eigenen Fehlern – und auch unerwarteten Reaktionen des Pferdes – kann sie gelassen begegnen. Und sie ist sich ihres eigenen Zustands stets bewusst und kann damit konstruktiv umgehen.
Und trotz aller Gelassenheit, Ruhe und Geduld ist sie zielstrebig und konzentriert und kommt so unermüdlich in der Ausbildung immer weiter voran.

Wenn du ehrlich mit dir selbst bist: Das ist bei Weitem die schwierigste Dimension guten Reitens! Ich kann dich insofern beruhigen, als dass du damit nicht allein bist. Den meisten Reiterinnen geht es so, auch wenn sich manch eine mit dem einen Aspekt leichter tut und die nächste mit dem anderen. Aber niemand, der sich wirklich verbessern möchte, kommt darum herum, sich damit auseinanderzusetzen. 

Die gute Nachricht: Es ist genauso möglich, sich darin zu verbessern, wie beim körperlichen Gleichgewicht.

Welcher Aspekt des geistigen Gleichgewichts fällt dir am schwersten? Ist es einer, den ich hier gar nicht erwähnt habe? Oder musst du dich vielleicht erst einmal etwas selbst beobachten, um es herauszufinden?

Wenn du dein Reiten verbessern möchtest, lohnt es sich, mit offenen Augen durch den Pferdealltag zu gehen und durch Selbstbeobachtung herauszufinden, welche Dimensionen des Gleichgewichts für dich aktuell die größte Herausforderung bilden. Denn nur, wenn du weißt, was dein Stand ist, hast du eine Chance, deinem Ziel wirklich näherzukommen.

 

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Wenn du Autofahren gelernt hast, kannst du auch eine bessere Reiterin werden

Erinnerst du dich noch an deine Anfänge als Autofahrerin?

Wie es unheimlich viel Konzentration brauchte, kuppeln, schalten, blinken, Schulterblicke, beschleunigen und lenken in der richtigen Reihenfolge durchzuführen, ohne Verkehrszeichen zu übersehen und gleichzeitig sämtliche anderen Verkehrsteilnehmer im Blick zu behalten? Vielleicht noch gekoppelt mit der Angst, das Auto mitten auf der Kreuzung abzuwürgen und den Verkehrsfluss vollends zu blockieren?

Und jetzt kannst du dich in der Rush Hour beim Fahren nebenbei mit jemandem unterhalten, etwas essen und die Musikauswahl ändern.
Du hast diese anfangs so schwierigen Abläufe automatisiert, sodass du jetzt nur noch in Ausnahmesituationen bewusst darüber nachdenken musst, was deine Arme, Beine und Augen beim Fahren eigentlich tun. Und weil es in der Regel ausreicht, Autofahren so weit zu beherrschen, dass du von A nach B kommst, gab es keine Notwendigkeit, sich mit neuen, schwierigeren Abläufen zu befassen, um irgendwelche anspruchsvolleren Manöver fahren zu können.

Beim Reiten hattest du ebenfalls eine herausfordernde Anfangszeit …

… bis du in der Lage warst, in allen drei Gangarten oben zu bleiben und grundsätzlich über Gangart, Tempo und Richtung bestimmen zu können.

Allerdings reicht das nicht aus, denn Reiten IST anspruchsvoller als Autofahren. Auch wenn ein Pferd nicht dieselben Geschwindigkeiten erreicht wie ein Auto, so haben wir es doch mit verhältnismäßig starken Kräften zu tun, die beim Reiten auf unseren Körper einwirken. Im Gegensatz zum Auto haben wir auf dem Pferd keine Lehne, die uns beim Beschleunigen hält, keinen Gurt, der uns beim Bremsen stützt und kein Lenkrad, an dem wir uns gegebenenfalls festhalten können.

Dazu kommt, dass wir von einem Auto keine eigenständigen oder unerwarteten Aktionen erwarten – oder befürchten – müssen, sondern wissen, dass nur das passiert, was wir mittels der Pedale, Gangschaltung und des Lenkrads vorgeben. Ein Pferd dagegen pariert oder beschleunigt auch mal von selbst oder verliert in der Wendung die geplante Linie.
Auf dem Pferd müssen wir lernen, unser Gleichgewicht ganz allein zu halten – und zwar so gut, dass wir auch unerwartete Reaktionen abfangen können.
Hinter jedem bezwungenen Hügel neu erlernter Fähigkeiten wartet der nächste Berg darauf, von dir bezwungen zu werden. Du möchtest – den Pferden und auch dir selbst zuliebe – immer besser werden, immer mehr können.

Deswegen bist du nicht wie beim Autofahren an dem Punkt stehengeblieben, an dem dich ein Pferd von A nach B trägt, während du dich nebenbei mit jemandem unterhältst, etwas isst und den passenden Soundtrack auswählst.

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Immer besser sitzen, immer feiner einwirken und interagieren zu können, immer anspruchsvollere Figuren, Übergänge und Lektionen reiten zu können und deinem Pferd immer besser gerecht werden zu können, bedeutet, dass du dich auch immer wieder so fühlen musst wie bei deinen Anfängen des Reitens oder Autofahrens.

Versuch also nicht, die Erinnerungen an deine ersten Fahrstunden zu verdrängen. Denn immer, wenn du dich fühlst wie in deinen ersten Fahrstunden, bist du gerade dabei, neue Fähigkeiten hinzuzufügen und den nächsten Durchbruch deines Reitens vorzubereiten, um dafür zu sorgen, dass dein Pferd gesund bleibt und ihr noch lange miteinander und aneinander Freude haben könnt.

Übrigens, was machst du eigentlich, wenn in deinem Auto eine Warnleuchte angeht, sich das Bremspedal lockerer anfühlt, das Lenkrad wackelt oder beim Beschleunigen ein ungewohntes Geräusch zu hören ist?

Wenn du es noch eine Weile nutzen können oder verhindern möchtest, unterwegs stehen zu bleiben, lässt du eine solche Veränderung auf ihre Ursache hin prüfen und beheben.

Wie machst du das bei deinem Pferd? 

Wenn es beginnt, beim Satteln einen halben Schritt zur Seite zu gehen, ihr in Linkswendungen den Takt nicht mehr halten könnt, die Übergänge nach unten holperiger werden oder die Reaktion auf die treibenden Hilfen schlechter wird?

Jede Veränderung zum schlechteren ist eine Warnleuchte deines Pferdes. Nimm sie ernst, geh darauf ein, lass sie auf ihre Ursache hin prüfen und tu, was du kannst, um sie nicht nur zu beheben, sondern auch ein erneutes Aufkommen zu verhindern. Und wie du beim Auto die Experten aus der Werkstatt hinzuziehst, lass dir bei deinem Pferd ebenso von Experten wie Tierarzt, Therapeut, Hufbearbeiter und Trainer helfen.

Du merkst: Auch wenn dein Auto und dein Pferd auf den ersten Blick erstmal nichts gemeinsam haben, gibt es doch einige Aspekte, die sich übertragen lassen und dir dabei helfen können, eine bessere Reiterin für dein Pferd zu werden.

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Möchtest du, dass dein Pferd dir unter dem Sattel mehr vertraut?

Immer wieder lässt dich dein Pferd ratlos zurück:

Dein Pferd und du sind am Boden ein hervorragendes Team, dein Pferd reagiert auf alle Hilfen an der Longe, an der Hand und im Gelände zuverlässig.
Und kaum sitzt du im Sattel – bist also eigentlich viel dichter am Pferd dran –, ist dieses Gefühl der Einheit verschwunden.

Dein Pferd geht bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit über, auf oder hinter dem Zügel; kann keinen Übergang mit langer Oberlinie gehen; lässt sich im Gelände viel schlechter im Tempo regulieren und scheint die Hilfen zum Abwenden immer mal wieder zu vergessen. Auch wenn es unsicher ist oder erschrickt, kommt es nicht so zuverlässig und schnell wieder runter wie bei der Bodenarbeit.
Du fragst dich, warum es unter dir nicht loslassen und dir im Sattel nicht vertrauen kann und weißt nicht, was du noch tun sollst, denn am Boden klappt schließlich alles problemlos.

Ich kann dich insofern beruhigen, als dass dieses Problem in der Regel NICHT daran liegt, dass dein Pferd dich nicht mag oder dir grundsätzlich nicht vertraut.

Wenn es um das Vertrauen deines Pferdes geht, bist du Teil des Problems – aber vor allem auch der Lösung!

Doch gehen wir erst einmal zurück zum Pferd: Der Pferderücken – der Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule – ist DIE Schaltstelle in der Pferdebewegung.

Er überträgt Kraft und Energie, die aus der Hinterhand kommen, bis zum Pferdemaul und sorgt für eine lange Oberlinie. Der Trainingszustand der Rumpfträger entscheidet darüber, wie stark nicht nur der Rücken, sondern das gesamte Pferd ist. Je gerade gerichteter der Rumpf ist, desto symmetrischer Belastung und Bewegung des Pferdekörpers.
Ein losgelassener, tragfähiger und gerade gerichteter Rücken bedeutet ein rittiges und gesundes Pferd.

Ist der Pferderücken dagegen schwach, schief oder fest, sind all die eben genannten Dinge nicht mehr gegeben. Das Pferd verspannt sich, die Oberlinie bleibt kurz und fest, es kommt ins Rennen oder wird immer triebiger, Linie halten wird schwierig bis unmöglich und das Aussitzen fühlt sich an wie auf einer Rüttelplatte. Es wird schwieriger, den Takt zu halten, das Pferd versucht, die Probleme im Rücken, mit Hals und Kopf auszugleichen und geht über, hinter, auf dem Zügel oder verwirft sich.

Mit einem oder mehreren dieser Schwierigkeiten konfrontiert, kann kein Pferd mehr direkt, weich und durchlässig auf Hilfen reagieren.
Da außerdem kein Muskel und keine Faszie getrennt vom Rest des Körpers funktioniert, wirken sich diese Verspannungen und Kompensationen auch auf die Aktivität der Organe aus. Allen voran die Atmung: Wenn sie nicht bereits durch den Stress des körperlichen Unwohlseins eingeschränkt wird, dann durch die verminderte Aktivität des Atemmuskels, des Zwerchfells. Da es verbunden ist mit Brustbein, Rippen und Lendenwirbelsäule, wirken sich mangelnde Tragfähigkeit, ein schiefer Brustkorb und sämtliche Verspannungen direkt auch auf diesen Muskel aus.

Und wer die Luft anhält oder flach und hochfrequent atmet, kann auch nicht mehr gelassen sein, sondern wird angespannt, unaufmerksam oder auch schreckhafter.

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Ohne Rücken also keine Losgelassenheit und keine Rittigkeit.

Leider sitzen wir beim Reiten genau auf dieser wichtigen und gleichzeitig so anfälligen Schaltstelle! Das bedeutet, ein nicht ausreichend guter, balancierter Sitz kann den Rücken des Pferdes stören und zu den oben genannten Reaktionen führen.

Unabhängig davon, wie gut eure Beziehung grundsätzlich ist, kann es sein, dass sein Körper deinem Sitz im Sattel noch nicht vertrauen kann.

Wenn ich meinen Körper und meine Reaktionen nicht ausreichend unter Kontrolle habe, muss mein Pferd immer damit rechnen, dass es mal einen mehr oder weniger deutlichen ‚Rumpler‘ oder ‚Plumpser‘ gibt und wird sich durch ein Festhalten im Rücken dagegen gewissermaßen schützen. Wenn ich mich zu sehr in den Sattel drücke und permanent mit den Beinen dran bin, um mein Pferd mehr zu schließen, die Hinterhand zu aktivieren oder mehr Vorwärtszubekommen, reagieren die meisten Pferde mit einem Festhalten im Rücken – und werden umso zäher und triebiger.

Wenn ich ohne Körperspannung auf einem Pferd mit noch eher schwachem Rumpftrageapparat sitze, wird es sein Gleichgewicht noch mehr nach vorn-unten verlieren und unter Umständen immer schneller werden.

Wenn meine eigene Schiefe bedeutet, dass mein rechter Sitzbeinhöcker dauerhaft stärker belastet wird und mein rechtes Bein stabiler und kräftiger anliegt, wird mein Pferd langfristig mit dem Rumpf nach links ausweichen und schief werden.

(Was ‚nicht ausreichend gut und balanciert‘ konkret bedeutet und was zu viel oder zu wenig ist, entscheidet übrigens immer das Pferd.)

Vorausgesetzt, dass dein Pferd nicht durch andere Ursachen Schmerzen hat, solltest du also daran arbeiten, es vom Sattel aus immer weniger zu stören und ihm durch deinen Sitz mehr und mehr dazu zu verhelfen, dass sein Rücken seine Funktion auch mit Reiter ausführen kann.

Wenn du also das nächste Mal reitest, belasse deinen Fokus mal mehr bei dir als bei deinem Pferd und beobachte:
Sitzt du im Gleichgewicht? In allen Gangarten, auf allen Linien und in allen Lektionen?
Wenn nicht: Was genau klappt noch nicht ideal? Was kann ich entsprechend ändern?

Dasselbe gilt, wenn dein Pferd nicht so reagiert, wie du es gern hättest.

Anstatt dein Pferd zu korrigieren oder dich zu ärgern, beobachte genau, wie es in diesem Moment um dein Gleichgewicht und deine Körperkontrolle stand.

So hast du die Chance, deine Fähigkeiten nach und nach zu verbessern und es deinem Pferd zu ermöglichen, unter dem Sattel immer losgelassener und rittiger zu werden.

Hol dir regelmäßig Feedback von außen – nutze Spiegel, filme dich und lass deine Eigenwahrnehmung immer wieder von deiner Trainerin abgleichen.

Das Pferd nicht zu stören, ist die halbe Miete guten Reitens!

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Wie dich ein fremdes Pferd zu einer besseren Reiterin macht

Reiten ist gar nicht so einfach.

Diese Tatsache an sich würde schon ausreichen, aber es kommt ja noch erschwerend hinzu, dass du den Anspruch hast, dein Pferd gesunderhaltend zu reiten und gleichzeitig immer wieder merkst, dass dir selbst immer wieder die Balance, Sicherheit oder Selbstkontrolle fehlen.
Und so hast du regelmäßig das Gefühl, vor einem verhältnismäßig großen Berg an Schwierigkeiten zu stehen:

Deine Hilfengebung in Übergängen reicht nicht aus, um die Oberlinie deines Pferdes losgelassen und lang genug zu halten.
In Wendungen bricht dein Pferd über die äußere Schulter aus und dir gelingt es nicht, davon unbeirrt weiter gerade sitzenzubleiben.

Im Galopp schaffst du es nicht, dein Klemmen loszuwerden, was dazu führt, dass dein Pferd im Galopp immer ins Rennen kommt – was wiederum dazu führt, dass du klemmst.

Im Trab verlierst du immer wieder den Kontakt zum Pferdemaul und kannst aber gar nicht so recht sagen, ob es an deinen unruhigen Händen liegt oder ob deine Hände unruhig sind, weil dein Pferd seine Haltung ständig ändert und du mit der Kontaktaufnahme kaum hinterherkommst.

Und nun ist es mit dem eigenen Pferd nach all der gemeinsamen Zeit gar nicht so einfach, herauszufinden, welchen Anteil an den bestehenden Problemen von dir und welcher vom Pferd kommt.
Ebenso hast du dein Gefühl vielleicht noch nicht weit genug geschult, um auch ohne das direkte Feedback deiner Trainerin immer einschätzen zu können, ob deine Hilfengebung passend war – oder doch zu stark oder aber zu wenig, um eine Änderung herbeizuführen.

Daher habe ich einen relativ simplen, aber unheimlich hilfreichen Tipp für dich:

Tausch doch mal dein Pferd und reite ein anderes – oder auch zwei 😉

Warum?
Weil sich ein anderes Pferd anders anfühlt, dich im Sattel anders hinsetzt und anders reagiert.
Unser Gehirn funktioniert durch Kontraste. Wir wissen, was kalt bedeutet, weil wir heiß kennen, verstehen hell im Vergleich zu dunkel, groß im Vergleich zu klein, fest im Vergleich zu locker.
Bleibt der sensorische Input dagegen länger ähnlich oder ändert sich über einen längeren Zeitraum beständig in eine Richtung, wird es immer schwerer, zu erkennen, wo genau wir uns jetzt eigentlich befinden. Wie im Büro bei geschlossenen Fenstern – der fehlende Sauerstoff und leicht miefige Geruch fällt uns erst auf, wenn wir zur Mittagspause draußen waren und anschließend die Innenräume erneut betreten.

Dein eigenes Pferd gibt dir – trotz aller Herausforderungen, die ihr vielleicht noch habt – ein vertrautes Gefühl. Du weißt, mit welchen Reaktionen du rechnen kannst, ihr habt eure gemeinsame Komfortzone und Normalität gefunden (wenn vielleicht auch eine nicht zufriedenstellende) und du hast jedes Mal mehr oder weniger dasselbe Gefühl im und unter dem Sattel.

Um klarer erkennen zu können, was dein Stand eigentlich ist, damit du dich reiterlich weiterentwickeln und verbessern kannst, fehlt dir also der Kontrast.

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Und hier kommt das fremde Pferd ins Spiel.

Ein anderes Pferd zu reiten, kann dir dabei helfen, das eigene Gefühl für Sitz und Hilfengebung, aber auch die Erwartung an bestimmte Reaktionen oder Ausführungen vonseiten des Pferdes neu zu kalibrieren.
Es gibt dir Feedback, ob Schwierigkeiten, an denen du schon länger knabberst, primär von dir oder von deinem Pferd kommen. Lassen sich alle Pferde links schlechter abwenden oder kommen im Trab tendenziell ins Eilen, liegt der Verdacht nahe, dass es nicht am Pferd liegt.
Kannst du dagegen mit deiner üblichen Hilfengebung auf fremden Pferden Dinge problemlos reiten, die mit deinem Pferd einfach nicht oder nur selten funktionieren, weißt du, dass du herausfinden musst, warum dein Pferd nicht in der Lage ist, darauf zu reagieren.
Außerdem hilft dir das Reiten eines anderen Pferdes, deine Einwirkung abzugleichen und anzupassen.

Musst du schneller oder langsamer, energischer oder beruhigender, sanfter oder direkter einwirken, als du es gewohnt bist?

Reagiert das Pferd deutlicher, schwammiger, schneller oder langsamer als dein eigenes?
Und nicht zuletzt kannst du aus dem Feedback des anderen Pferdes auch Rückschlüsse über dein eigenes Pferd ziehen. Vielleicht stellst du fest, dass …

  • … dein Pferd, obwohl es dir so oft so zäh vorkommt, vergleichsweise doch recht prompt und direkt auf deine Hilfen reagiert.
  • … es den Takt inzwischen unbeirrter halten kann, als du annahmst.
  • … es weicher oder instabiler im Rücken ist, als du gedacht hättest.
  • … ihr in Wendungen doch schon ziemlich balanciert bleiben könnt.
  • … ihr euch doch mal etwas mehr Übergängen widmen solltet, um sie noch gerader, weicher oder stabiler hinzubekommen.

Am besten suchst du dir jetzt also eine Miteinstellerin oder Freundin mit eigenem Pferd, mit welcher du dir ein solches Experiment vorstellen könntest. Wenn du die Möglichkeit hast, kannst du dir gezielt ein Pferd ähnlichen Typs oder aber mit gänzlich anderen Reaktionen als die deines eigenen Pferdes suchen.

Idealerweise bietest du der Pferdebesitzerin gleichermaßen an, auch dein Pferd zu reiten, damit auch sie eine ähnliche Erfahrung machen kann.

Seid euch darüber im Klaren, dass es nicht darum geht, während des Reitens einen gemütlichen Plausch zu halten, sondern im Sattel des anderen Pferdes mehr über sich selbst und sein eigenes Pferd zu erfahren. Das erfordert einiges an Konzentration.
Besprecht vorher, was für die Besitzerin des Pferdes jeweils in Ordnung ist, welche Grenzen sie für ihr Pferd setzen möchte und ob ggf. ‚Sicherheitshinweise‘ nötig sind. Bedenkt bei letzteren auch, dass Reaktionen, über die eine Reiterin nur müde lächelt, bei einer anderen Reiterin große Unsicherheit auslösen können.

Was du beim Reiten dann beachten solltest

Im Sattel achtest du dann erst einmal darauf, dich erst einmal selbst gut ins Gleichgewicht zu setzen und beginnst mit dem Beobachten und Probieren:

  • Setzt dich das Pferd breiter oder schmaler hin?
  • Fühlt sich sein Rücken gerader / abfallender / tiefer / höher / stabiler / weicher / instabiler / fester an, als du es sonst gewohnt bist?
  • Wie ändert sich dieses Gefühl in Übergängen und verschiedenen Tempi innerhalb einer Gangart?
  • Wie prompt und balanciert lässt es sich nach rechts und links wenden?
  • Setzt es dich schief hin, vielleicht in manchen Wendungen mehr als in anderen?
  • Wie reagiert es – also wie ändert sich seine Bewegungsqualität –, wenn du in deinem Sitz die Korrekturen anwendest, die du vom Unterricht auf deinem Pferd kennst?
  • Musst du manches noch deutlicher tun, um eine Reaktion zu bekommen?
  • Zeigt es dir Lücken in deinem Sitz oder deiner Hilfengebung auf, die auf deinem Pferd gar kein Thema sind?

Die Besitzerin des Pferdes kann die Zeit deines Reitens genauso konstruktiv nutzen.
Sie hat die Möglichkeit zu sehen, wie ihr Pferd auf einen anderen Reiter reagiert und wie diese Reaktionen von außen aussehen. Das gibt ihr ebenso einen Vergleich zu dem, was sie sonst beim Reiten nur fühlen kann.
Du kannst sie auch für Feedback einbeziehen, wenn du dir bei dem, was du im Sattel wahrnimmst, nicht sicher bist, ob das Ergebnis so ausfällt, wie du denkst.
Es ist auch denkbar, dass sie Ausschnitte filmt, damit du dein Gefühl später mit dem vergleichen kannst, was im Video zu sehen ist.
Vermeiden solltet ihr dagegen ‚Reitunterricht‘ durch die Pferdebesitzerin.

Gern könnt ihr später gemeinsam reflektieren:

  • Was fiel dir mit diesem Pferd im Vergleich zu deinem eigenen auf?
  • Was lief besser, als du erwartet hast, was war schwieriger?
  • Wie hat die Besitzerin ihr Pferd mit dir wahrgenommen und deine Fähigkeit, dich darauf einzustellen?

Seid euch darüber im Klaren, dass es nicht darum geht, sich gegenseitig den Bauch zu pinseln, es besser zu wissen als die andere oder sich im Sattel in irgendeiner Form beweisen zu müssen. Vielmehr sollte es ein konstruktiver, wohlwollender Austausch sein zwischen zwei Personen, die sich weiterentwickeln und lernen wollen, die genauer wissen wollen, wo sie sich vielleicht selbst noch fehleinschätzen und welche Änderungen zu Verbesserungen führen können.

Ein-, zweimal im Jahr ein anderes Pferd zu reiten, kann schon sehr aufschlussreich sein.

Noch besser wären unterschiedliche Pferde und ein paar Termine mehr pro Jahr.
Und natürlich lässt sich das Prinzip ganz genauso aufs Longieren oder die Arbeit an der Hand übertragen!

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So findest du die richtige Art der Bodenarbeit für dein Pferd und dich

Bodenarbeit als sinnvolle und zielführende Ergänzung zum Reiten

Bodenarbeit als sinnvolle und zielführende Ergänzung zum Reiten ist glücklicherweise keine exotische Idee mehr, sondern gehört für viele Pferdebesitzer zum Alltag dazu. Gleichzeitig gibt es aber auch so viele verschiedene Varianten davon, dass du vielleicht gar nicht so recht weißt, welche davon denn nun die Richtige für euren Zweck ist.

Oder du machst schon alles, was es gibt, hast deswegen aber so viel – zu viel? – Abwechslung im Training, dass ihr bei nichts so wirklich Fortschritte macht.

Deswegen möchte ich dir in diesem Artikel einen Überblick geben, welcher die Auswahl ein wenig eingrenzt und dadurch vereinfacht. Du wirst erfahren, was für welchen Zweck sinnvoll ist und welche Grenzen es gibt, sodass du leichter entscheiden kannst, worauf ihr euch als nächstes konzentrieren solltet und welche Inhalte auch mal pausieren dürfen.

Bodenarbeit ist aus verschiedenen Gründen sinnvoll und nötig:

  • Sie hilft bei der körperlichen und mentalen Vorbereitung eines jungen Pferdes auf seine späteren Aufgaben – ohne die sofortige Beanspruchung durch Gewicht und Einwirkung eines Reiters.
  • Später kannst du dir dieses Prinzip auch noch einmal zunutze machen, wenn es um Situationen oder Inhalte geht, die du als Reiter selbst noch nicht gut genug beherrschst – oder bei denen dir Unsicherheit oder Angst im Weg stehen. Es kann dann sinnvoll sein, die Ausbildung von Pferd und Reiter für einen begrenzten Zeitraum und für ein spezifisches Thema noch einmal voneinander getrennt anzugehen.
  • Bodenarbeit unterstützt den langsamen Aufbau eines sich in der Reha befindlichen oder trageerschöpften Pferdes ebenso wie das Training eines älteren, nicht mehr durch einen Reiter belastbaren, Pferdes.
  • Aber auch der Rücken eines ausgewachsenen und voll im Training stehenden, ausgebildeten Reitpferdes sollte Pausen von der Kompression von Sattel und Reitergewicht bekommen.
  • Und manche Dinge darf man – sofern das Pferd dafür entsprechend vorbereitet wurde – auch einfach mal nur tun, weil sie dem Pferd Freude bereiten.

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Die gängigsten Arten der Bodenarbeit …

… sind die Arbeit an der Hand, das Longieren, die Arbeit an der Doppellonge, oder auch die Arbeit am Langzügel. Außerdem gehören dazu Zirkuslektionen und Tricks, Freiarbeit, Spaziergänge, Schrecktraining und Freispringen.

Was genau sie jeweils bewirken können und wo ihre Grenzen liegen, erkläre ich dir jetzt:
Die Handarbeit (manchmal auch als Kurzzügelarbeit bezeichnet) eignet sich vor allem für die Geraderichtung des Rumpfs und die Stabilisierung der Vorhand, inklusive der Halsbasis. Da du sowohl innen als auch außen neben dem Pferd gehen kannst, sind an der Hand sämtliche Bahnfiguren möglich.

Im weiteren Verlauf der Ausbildung findet an der Hand vor allem vermehrte Aufrichtung bis hin zur versammelnden und versammelten Arbeit – inklusive der Seitengänge – statt.
Sobald es um die höheren Gangarten geht, hat die Handarbeit ganz klare Grenzen, insbesondere in der Grundausbildung, bei welcher das freie Vorwärts unbedingt Vorrang haben sollte.

Wie viel Handarbeit möglich ist…

… hängt also nicht nur davon ab, ob das Pferd intensivere Unterstützung bei der Geraderichtung oder Stabilisierung der Vorhand benötigt, sondern auch von seinem Ausbildungsstand und natürlich vom Größenverhältnis zwischen Mensch und Pferd.

Daher ist das Longieren eine hervorragende Ergänzung, denn hier sind grundsätzlich alle Gangarten möglich – auch unabhängig von deiner Größe als Pferdebesitzerin. 😉
Es eignet sich vor allem für die Erarbeitung der Schubkraft, für Ausdauertraining und Stangenarbeit.
Auch an der Longe sind mit etwas Übung alle Bahnfiguren möglich, inklusive Handwechseln im Trab.

Im weiteren Verlauf der Ausbildung kannst du mithilfe der Longe die Schubkraft langsam zur Tragkraft werden lassen und hast gleichzeitig die Möglichkeit, Rahmen und Raumgriff jederzeit wieder deutlich zu erweitern, ohne – wie bei der Handarbeit – an die Grenzen deiner eigenen Beinlänge zu stoßen.

Bei der Arbeit an der Vorhand, also Geraderichtung und erstes Anheben des Rumpfes, ist das Longieren anfangs oft erstmal ungenauer als Handarbeit es zu vermitteln vermag.
Um nicht im Viereck zu ‚versauern‘, ist es für die Psyche und auch den Körper des Pferdes absolut notwendig, regelmäßige Ausflüge ins Gelände zu machen. Junge Pferde werden so systematisch aufs Ausreiten vorbereitet, geländeerfahrene und gelassene Pferde können so an einem Pausentag auch mal ‚die Seele baumeln lassen‘, während Rehapferde über Spaziergänge langsam wieder Kondition aufbauen, ohne ausschließlich Runden auf dem Platz drehen zu müssen.
Zusätzlich lassen sich Koordination und Propriozeption durch das Gehen auf verschiedenen Untergründen, bergauf und bergab und über Baumstämme hervorragend wie nebenbei verbessern.

Hast du die Möglichkeit dazu, ist es sinnvoll, ein Pferd regelmäßig als Handpferd mitzunehmen, denn dann sind auch die höheren Gangarten ohne die Belastung durch einen Reiter möglich.
Wie bei allen Trainingsinhalten ist es natürlich auch beim Spazierengehen nötig, die Anforderungen systematisch aufzubauen und kein Pferd durch unzureichende Vorbereitung zu überfordern.

Gerade jüngere Pferde, die sich noch in der Phase der Gewöhnung befinden, profitieren hier sehr von der Unterstützung durch ältere, erfahrenere und vor allem ruhige Pferde, an denen sie sich orientieren können.

Gymnastisches Freispringen

Eine weitere Möglichkeit, Koordination und Beweglichkeit zu verbessern und den Pferdekörper insgesamt zu kräftigen, ist regelmäßiges gymnastisches Freispringen. Es sollte hierbei ausdrücklich nicht darum gehen, das Pferd möglichst hoch springen zu lassen, sondern es mit der Zeit dazu zu befähigen, mit klarem Kopf, kraftvoll und losgelassen verschiedene Abstände, Höhen und Aufbauten (Kreuze, Steilsprünge oder Oxer) zu taxieren und in guter Manier zu überwinden.
Die meisten Pferde benötigen dabei daher einige Durchläufe ohne Sprünge oder mit nur einem einzelnen, aus dem Trab zu überwindenden Kreuz, ehe sie bereit für mehrere Sprünge aus dem Galopp sind.

Nachteil des Freispringens ist vor allem der notwendige Aufwand: Es muss auf- und abgebaut und für jedes Pferd Abstände und Höhen entsprechend angepasst werden. Da für die Durchläufe ohnehin pro Pferd mindestens zwei Personen notwendig sind, ist es also sinnvoll, sich innerhalb der Stallgemeinschaft dafür zusammenzutun.

Diese vier Arten der Bodenarbeit – Handarbeit, Longieren, Spaziergänge und nach Möglichkeit Freispringen – sind in der Ausbildung für jedes gesunde Freizeitpferd nützlich, vor allem auch, weil sie sich gegenseitig gut ergänzen.

Das bedeutet ebenso, dass andere Möglichkeiten der Bodenarbeit nicht zwingend nötig oder vielleicht nicht unbedingt sinnvoll sind.

Die Arbeit am Langzügel beispielsweise setzt die Grundlagen der Handarbeit voraus, um Halsbasis und Schultern des Pferdes so stabil gemacht zu haben, dass das Pferd dort der Hilfengebung nicht ausweichen kann und wieder schiefer wird oder den Rumpf hängenlässt.

Die Arbeit mit der Doppellonge setzt ebenfalls das normale Longieren voraus und erfordert darüber hinaus für das konstante und weiche Handling zweier Leinen (und dann auch noch in Bewegung über deutlich mehr Entfernung hinweg als bei Langzügel oder Handarbeit) sehr viel Übung vonseiten des Menschen.

Gleichzeitig ist es an der einfachen Longe ganz genauso möglich, Muskeln aufzubauen, die Hinterhand zu kräftigen oder Balance und Durchlässigkeit zu verbessern. Pferd und Mensch profitieren also wesentlich schneller von der Arbeit an der einfachen Longe.

Langzügel und Doppellonge gehören also einfach an einen späteren Punkt der Ausbildung und sind für die Erarbeitung einer guten Grundlage von Muskulatur und Gleichgewicht nicht nötig – das geht mit den oben genannten Typen der Bodenarbeit problemlos.

Wie sieht es aber mit Zirkuslektionen und Freiarbeit aus?

Aus Sicht der Gymnastizierung und Ausbildung eines Pferdes sind beide nicht nötig.
Freiarbeit bietet sich vor allem an, um die Hilfengebung aus dem eigenen Körper zu überprüfen und manche Bewegungsabläufe noch etwas spielerischer anzugehen, erfordert aber von beiden Seiten genau so viel Konzentration wie Bodenarbeit mit Longe, Zügeln oder am Strick.
Zirkuslektionen machen einigen Pferden – insbesondere Ponywallachen – durchaus sehr viel Freude, sodass sie zur Motivation und auch mentalen Abwechslung durchaus gut geeignet sind. Um sich kein übermotiviertes Chaos heranzuzüchten empfehle ich aber unbedingt, auch diese von Anfang an systematisch aufzubauen.

Um entscheiden zu können, welche Variante der Bodenarbeit für dich und dein Pferd aktuell am hilfreichsten ist, solltest du dir also zuerst klarmachen, wo aktuell der Schwerpunkt von Ausbildung und Training liegt.

Vielleicht stellst du dabei fest, dass dein bisheriger Fokus nicht optimal zur aktuellen Herausforderung passt. Oder du etwas hast schleifen lassen, weil es noch eher mühselig funktioniert und viel Konzentration erfordert – obwohl es euch eigentlich gut voranbringen könnte.
Beides ist kein Problem, schließlich kannst du es jetzt ja entsprechend anpassen.

Die meisten Pferde profitieren von einer Kombination aus Handarbeit, Longieren, Spaziergängen und ggf. Freispringen.

  • Mangelt es an der Schubkraft oder generell der Grundkondition, sollte mehr an der Longe denn an der Hand gearbeitet werden.
  • Sind dagegen die Schiefe oder eine schwache Vorhand die momentan größte Herausforderung, sollte etwas mehr an der Hand als an der Longe geübt werden.
  • Entscheidend ist immer, dass du weißt, worauf der Schwerpunkt aktuell liegen sollte und mit welcher Art von Bodenarbeit du diesen effektiv unterstützen kannst – und diese dann über einen Zeitraum von mindestens vier Wochen regelmäßig übst, um Veränderungen und Fortschritte bei dir und deinem Pferd zu bewirken.

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